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Kulmbach

Ersthelfer retten ein Menschenleben

Zwei Techniker der Stadthalle und ein Polizist leisten sofort Hilfe, als Hermann Mohr bei der Regionalkonferenz der Bauern zusammenbricht. Den Helfern sind viele dankbar.



Hermann Mohr
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Kulmbach - Tiefe Betroffenheit herrscht im ganzen Landkreis Kulmbach: Hermann Mohr, Landwirt aus Neuenmarkt, ehemaliger Kreisobmann des Bauernverbands,  hat kurz nach 22 Uhr in der Kulmbacher Stadthalle ein flammendes  Plädoyer für die Landwirtschaft  gehalten . Rund 500 Bauern aus ganz Oberfranken, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und zahlreiche weitere Politiker hatten dem 72-Jährigen zugehört. Mohr hatte bei der Regionalkonferenz, die die Landwirtschaftsministerin in allen bayerischen Regierungsbezirken einberufen hat, in bewegenden Worten daran erinnert, was die Bauern schon alles erdulden mussten. Dann sackte der ehemalige Kreis- und Gemeinderat auf seinem Platz im Zuschauerraum bewusstlos zusammen. Wenig später versagten Herz und Atmung. Einem Kulmbacher Polizisten und Technikern der Stadthalle ist es zu verdanken, dass der 72-Jährige bereits kurze Zeit später erfolgreich reanimiert werden konnte.

Dienstgruppenleiter Volker Püttner von der Kulmbacher Polizei scheute sich nicht, den Defibrillator einzusetzen, der in der Stadthalle stationiert ist. Es gelang ihm zusammen mit Andreas Bergmann und Mike Bauer aus der Stadthallen-Technik, mit Hilfe dieses lebensrettenden Geräts, Hermann Mohrs Herz wieder zum Schlagen zu bringen. "Durch dieses vorbildliche Eingreifen ist es gelungen, eine solide Grundlage für die weitere Reanimation durch den Rettungsdienst und den Notarzt zu schaffen", würdigt der Geschäftsführer des Kulmbacher BRK, Jürgen Dippold, die Leistung der Ersthelfer. "Die schnelle Erste Hilfe, der schnelle Notruf waren die Basis dafür, dass die professionellen Helfer effektiv weitermachen konnten", sagt Jürgen Dippold. Er dankt den beherzten Helfern von Herzen. Leider sei es nicht selbstverständlich, dass in einem Notfall sofort geholfen wird. "Wir wünschen Hermann Mohr das Allerbeste", sprach Dippold aus, was viele Menschen im Landkreis und darüber hinaus empfinden.

Zahlreiche Besucher der Veranstaltung in der Stadthalle hatten mit bangen Blicken die Bemühungen um das Leben von Hermann Mohr verfolgt. Die Veranstaltung mit Bayerns Landwirtschaftsministerin (siehe Bayernseite) wurde nach dem Vorfall abgebrochen und beendet.

"Es war dramatisch", berichtet Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, der mit Hermann Mohr persönlich gut bekannt ist und mit in der Halle war, als der Landwirt zusammenbrach. Schöffel dankt ebenfalls den Ersthelfern. "Der Polizist hat sofort eingegriffen. Man kann ihm gar nicht genug danken." Schöffel bedauert außerordentlich, dass Hermann Mohr bei dieser Regionalkonferenz zusammengebrochen ist. Die Diskussion war sehr emotional. "Alle sind bewegt. Die Alten sagen, das kann doch nicht mehr wahr sein. Die Jungen überlegen, ob sie in ihren landwirtschaftlichen Berufen überhaupt noch weitermachen wollen. Die Stimmung ist verheerend. Jeder sollte sich überlegen, was er tut", sagte Schöffel auch in Anlehnung an die oft schweren Vorwürfe, die den Landwirten gerade gemacht werden.

Hermann Mohr habe für seinen Redebeitrag viel Beifall erhalten, sagt Wilfried Löwinger, der in der Nähe seines Kollegen gesessen war. Man habe gemerkt, dass er sich beim Reden schwer getan hat, dann sei er zusammengesackt. Der Kulmbacher Bauernobmann ist den Helfern, die sofort eingegriffen haben, sehr dankbar: "Wäre das zu Hause passiert, wäre die Hilfe sicher nicht so schnell gekommen." Hermann Mohr werde derzeit auf der Intensivstation des Kulmbacher Klinikums behandelt. Auch seine Kollegen aus der Landwirtschaft wünschen ihm, wie Wilfried Löwinger betont, alles Gute.

Peter Hübner, der Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion, spricht von einer herausragenden Leistung seines Dienstgruppenleiters Volker Püttner. Die Polizei sei dafür ausgebildet, zu helfen. Sein Kollege habe das Bestmögliche für den Patienten getan und auch die anderen Ersthelfer haben einen wichtigen Beitrag geleistet. "Ein Herzstillstand ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Da ist es gut, wenn schnell jemand da ist, der hilft. Auch alle Kollegen der PI Kulmbach hoffen, dass er wieder gesund wird. Unsere Gedanken sind bei Hermann Mohr und dass er über den Berg kommt."

Jürgen Dippold vom BRK macht allen Menschen Mut, in einem Notfall anzupacken und zu helfen. Angst vor Fehlern, das betont das BRK immer wieder, müsse niemand haben. Das einzige, was man falsch machen könne, ist, nichts zu tun. "Wir appellieren immer wieder an alle Bürger, ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen und bieten dafür extra Kurse an." 112 Minuten dauert so ein Kurs. Die Zeit ist angelehnt an den europaweiten Notruf 112. Gelehrt wird in dieser Zeit alles, worauf es im Ernstfall ankommt und was als Basis-Rettungskette wichtig ist, einen Menschen am Leben zu halten, bis Rettungsdienst und Notarzt eintreffen. Dass es inzwischen an vielen Orten Defibrillatoren gibt, bewertet Jürgen Dippold als sehr positiv. Die Menschen müssten sich nur trauen, sie auch einzusetzen. "Ein Defibrillator ist genau so effektiv wie ein Feuerlöscher, wenn man schnell und beherzt eingreift."

Besucher, die die dramatischen Bemühungen um das Leben des Neuenmarkter Landwirts beobachtet hatten, fragten sich, warum es bei einer so großen Veranstaltung keinen Sanitätsdienst in der Halle gibt. Das, sagt Jürgen Dippold, sei früher durchaus regelmäßig der Fall gewesen. Heute sei das nicht mehr verpflichtend und der Entscheidung des jeweiligen Veranstalters überlassen. Das BRK wie auch die Malteser seien jederzeit bereit, Sanitätsdienst gegen eine kleine Gebühr zu leisten, die in die Ausbildung der Helfer investiert werde, sagte Dippold. Für so prominente Versammlungen wie die am Montag in der Stadthalle würde er einen Sanitätsdienst empfehlen. Erst bei einer Größe von 5000 Besuchern sieht die Versammlungsstättenverordnung verpflichtend einen Sanitätsdienst vor.

Wären Sanitäter in der Halle gewesen, hätten sie am Montag neben Hermann Mohr auch noch eine Frau versorgen müssen. Auch sie hatte einen Kreislaufkollaps erlitten, der allerdings wesentlich glimpflicher verlaufen ist. Teilnehmer berichten, die Frau habe den Heimweg schon wieder allein antreten können.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
17:48 Uhr

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