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Kulmbach

Exot unter den Volksmusik-Instrumenten

Größtes Konzertina-Treffen Frankens: Am Sonntag wird in Neudrossenfeld 25. Jubiläum gefeiert.



Neudrossenfeld - Die Konzertina gilt als Exot unter den Instrumenten in der Volksmusik, die Zahl derer, die sie beherrschen, ist überschaubar. Einmal im Jahr kommen die Musikanten vom Erzgebirge über Franken bis zur Oberpfalz beim größten Konzertina-Treffen Frankens in Neudrossenfeld zusammen - sehr zur Freude der Fangemeinde. Am Sonntag können sie ein Jubiläum feiern.

"Es ist jedes Mal eine Art Familientreffen", sagt Carolin Pruy-Popp, die in Bad Berneck die Beratungsstelle für Volksmusik in Franken des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege leitet. Man kennt sich in der Konzertina-Szene, aber nur einmal im Jahr trifft man sich zum Gespräch, zum Musizieren und zum Austausch von Noten und Instrumenten bei der Instrumentenbörse.

Was heute zu einem der bekanntesten Konzertina-Treffs in Deutschland herangewachsen ist und zum 25. Mal stattfindet, hat 1995 klein angefangen. Den Anstoß gab Ingeborg Degelmann, Vorgängerin Pruy-Popps als Volksmusikberaterin. Kurz nachdem sie das Amt übernommen hatte, sei sie von Konzertina-Spielern angesprochen worden, ob sie nicht ein Treffen organisieren könne. "Ich fand die Idee gut, aber ich kannte nicht einmal eine Handvoll Spieler", erinnert sie sich im Kurier-Gespräch. Sie reservierte ein Nebenzimmer in einem Trebgaster Gasthof und lud für einen Sonntag die paar Musikanten ein, die sie kannte. Was dann passierte, übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Die Gaststätte war am Sonntagmittag gut besucht, und Degelmann sagte den nichtsahnenenden Mittagsgästen, sie sollten sich nicht stören, wenn gleich Konzertina-Spieler zu musizieren beginnen. Das Ergebnis war, dass die Mittagsgäste nicht etwa gingen, sondern sitzen blieben. Es kamen immer mehr Menschen, "und am Ende war alles so voll, dass man kaum noch stehen konnte". Von den Konzertina-Spielern wollte zunächst keiner den Anfang machen, bis sie im Scherz drohte, dann eben selbst zum Instrument zu greifen - obwohl sie nur ein einfaches Lied konnte. "Damit war das Eis gebrochen", die Musiker gaben sich einen Ruck, und plötzlich holten auch jene ihre Instrumente hervor, die sie zuvor vorsichtshalber im Auto deponiert hatten. Am Ende spielten um die 20 Konzertina-Spieler, die durch Mundpropaganda von der Veranstaltung erfahren hatten. "Die Stimmung war zum Graina schee", erinnert sich Degelmann.

Danach war klar, dass die Veranstaltung wiederholt werden sollte. Die Jahre darauf traf man sich in Altenplos, 2014 zog die Konzertina-Gemeinde ins Bräuwerck in Neudrossenfeld um. Die Veranstaltung wurde immer bekannter, die Spieler kamen von immer weiter her. Auch der Bruder von Caterina Valente war dabei, der Bayreuther Landrat Hermann Hübner sowieso. Die Musikanten spielen mal alleine, mal zusammen. Am Schluss der Veranstaltung spielen alle gemeinsam "Wien bleibt Wien". Und danach geht’s oft noch munter weiter mit der Musik.

Nach wie vor sind Konzertina- und Bandoneon-Spieler rar. "Es ist ein attraktives Instrument - auf den zweiten Blick", sagt Pruy-Popp. Spielen könne man darauf alle Sparten von Musik, doch zu bedienen sei es nicht ganz leicht. Und es habe nicht so prominente Frontleute wie zum Beispiel die Steirische mit einem Andreas Gabalier. Doch der Beratungsstelle liegt die Förderung dieses für Oberfranken typischen Instruments am Herzen. Vor einigen Jahren hat sie Theo Knopf als Musiklehrer für die Konzertina gewonnen. Mit dem 25. Konzertinatreffen am Sonntag ab 13 Uhr im Drossenfelder Bräuwerck haben alle einen Grund zum Feiern.

Den Unterschied der beiden Instrumente erklärt Carolin Pruy-Popp so: Bandoneon ist der jüngere, lautere Bruder zur Konzertina. Durch die Tango-Szene hat das Bandoneon mehr Aufmerksamkeit erlangt als die Konzertina. Das Kerngebiet für die Konzertina sind die Region Ostoberfranken, die nördliche Oberpfalz, Vogtland und Erzgebirge. Hier gab und gibt es die Herstellungsbetriebe, Reparateure und Spieler sowie Vermittler am Instrument.

Autor

Peter Rauscher
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Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
17:48 Uhr

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Autor

Peter Rauscher

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Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
17:48 Uhr



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