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Kulmbach

Fairer, regionaler und noch mehr Bio

Der Landkreis Kulmbach baut seine Vorreiterrolle beim Umwelt- und Klimaschutz weiter aus. Auch das Berufliche Schulzentrum denkt verstärkt ans Thema Nachhaltigkeit.



Das Café Wilsdorf ist ein umgebauter Wohnwagen und steht im Foyer des Beruflichen Schulzentrums Kulmbach. Die Schüler schenken dort ausschließlich Fair-Trade-Kaffee aus und setzen auf Nachhaltigkeit. Fotos: Stefan Linß
Das Café Wilsdorf ist ein umgebauter Wohnwagen und steht im Foyer des Beruflichen Schulzentrums Kulmbach. Die Schüler schenken dort ausschließlich Fair-Trade-Kaffee aus und setzen auf Nachhaltigkeit. Fotos: Stefan Linß   » zu den Bildern

Kulmbach - Guter Geschmack verbunden mit einem guten Gefühl. Über Kaffeegenuss aus fairem Handel freuten sich die Mitglieder aus dem Umweltausschuss des Kreistags. Das Gremium hatte seine jüngste Sitzung in das Berufliche Schulzentrum verlegt, denn im Fair-Trade-Landkreis Kulmbach will sich nun auch die erste Schule mit dem Siegel für fairen Handel zertifizieren lassen.

Stapelweise Plastikbecher haben die Berufsschüler Tag für Tag in den Restmüll geschmissen. Damit wird Schluss sein, sagte der Leiter des Beruflichen Schulzentrums, Alexander Battistella. Fortan sind umweltfreundliche Mehrweg-Pfandbecher im Umlauf. "Wir wollen Vorreiter und Vorbild sein." Im Foyer der Hans-Wilsdorf-Schule steht das Café Wilsdorf. In dem von hauseigenen Fahrzeugbauern umgestalteten Wohnwagen aus den 1960er-Jahren bereiten Schüler die duftenden Kaffeespezialitäten zu. Konsequent ist das Café Wilsdorf auf Fair Trade ausgerichtet. Die Bauern in den Erzeugerländern erhalten für ihren Kaffee einen guten Preis. Doch mit fairem Handel allein will sich das Schulzentrum nicht zufrieden geben.

"Als Unesco-Projektschule setzen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander", sagte Battistella. Ein neues Müllkonzept ist in Arbeit. "Wir werden im nächsten Jahr einen gewaltigen Schritt vorangehen."

Zertifikat seit September: Auch das Landratsamt plant weitere Projekte. Das Klimaschutz-Management hat in den vergangenen Monaten bereits viele Ideen auf den Weg gebracht. Der Landkreis Kulmbach erhielt Ende September das Fair-Trade-Zertifikat, sagte Landrat Klaus Peter Söllner. Der Landkreis habe schon in einer Zeit nachhaltig gehandelt, als das Thema noch nicht wie heute in aller Munde war.

Energie und Ressourcen sparen: Die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Ingrid Flieger, betonte: "Wir müssen weiter am Ball bleiben." Eine Reihe neuer Projekte soll sicherstellen, dass der Landkreis seine Bemühungen fortführt. Dabei gehe es nicht nur um das Qualitätsmerkmal "fair", sondern gleichzeitig um mehr Bio und um mehr Regionalität. Der Landkreis will beispielsweise bei Anschaffungen im eigenen Haus und bei Veranstaltungen auf die entsprechende Produktauswahl achten sowie Energie und Ressourcen sparen.

Ziel ist es, dass fair, regional und ökologisch erzeugte Waren stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Die Mitglieder des Umweltausschusses haben einen entsprechenden Pakt der nachhaltigen Beschaffung einstimmig verabschiedet. Der Landkreis Kulmbach will damit Taktgeber sein für andere Kommunen in der Metropolregion.

Klimawerkstatt liefert Ideen: Ganz konkrete Ideen und detaillierte Vorschläge sind in der Klimawerkstatt für Jugendliche entstanden, die der Landkreis zusammen mit den Vertretern der Initiative "Fridays for Future" veranstaltet hat. Ingrid Flieger erinnerte an die große Müllsammelaktion. Die Jugendlichen haben sich am Bierfestsonntag getroffen, um den Bereich um die Kulmbacher Flutmulde vom Abfall zu befreien.

"In diesem Jahr ist viel passiert", sagte Ingrid Flieger. Die Aktionsgruppe hat Blühwiesen angelegt und Insektenhotels gebaut. Weitere Ideen sind eine Kleider-Tausch-Börse, eine Klima-App und ein Luftballonverzicht bei Gregorifesten. Die Teilnehmer der Klimawerkstatt fordern, dass innovative Formen der Mobilität erprobt werden, kommunale Gebäude nur in Passivbauweise geplant werden und mehr Photovoltaikanlagen auf die Dächer sollen.

Bürger als Stromerzeuger: Besonders der letzte Punkt stößt bei den Menschen im Landkreis Kulmbach auf großes Interesse. Die Kulmbacher Energiegespräche, die im vergangenen September stattfanden, waren sehr gut besucht. "Wir konnten uns vor Anmeldungen kaum retten", sagte die Klimaschutzmanagerin. "Die Bürger sind sensibilisiert und wollen etwas machen." Unter dem Motto "Macht die Dächer voll" informierten sich Hunderte Bürger über die Möglichkeit, mit einer Photovoltaikanlage den eigenen Strom zu erzeugen, zu nutzen und zu speichern.

Großes Interesse in der Bevölkerung: Jürgen Ramming, Berater bei der Energieagentur Oberfranken in Kulmbach, bestätigte in seinem Sachstandsbericht das große Interesse in der Bevölkerung. "Aktuell stoßen wir auf eine sehr hohe Resonanz bei der Energie- und Klimaschutzberatung", sagte er. "Wir haben alle Hände voll zu tun."

Im Jahr 2018 habe die Energieagentur Oberfranken insgesamt 332 Klienten telefonisch oder vor Ort beraten. 2019 ist die Gesamtzahl auf bislang 482 gestiegen. Und das Jahr ist noch lange nicht vorüber. Aus den Beratungen gehen Klimaschutz-Investitionen in Millionenhöhe hervor, sagte Ramming.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
16:58 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
16:58 Uhr



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