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Kulmbach

Feuerwalze rast auf Dorf zu: Römersreuth kurz vor der Evakuierung

Nur weil der Wind in letzter Sekunde gedreht hat, ist es beim Waldbrand am Donnerstag nicht zu einer Katastrophe gekommen. 19 Stunden dauerte der Kampf gegen die Flammen.



Römersreuth
Im ganzen Wald liegt dichter beißender Rauch. Bei 35 Grad Außentemperatur mussten die Feuerwehrleute mit schwerem Gerät arbeiten. Die körperliche Belastung war immens. Foto: Melitta Burger   Foto: Melitta Burger

Kulmbach/Römersreuth - Die Feuerwalze raste auf Römersreuth zu. 20 Meter vom ersten Haus entfernt drehte der Wind. Landrat Klaus Peter Söllner sprach von göttlicher Hilfe. Die Evakuierung des Orts wäre wohl unvermeidbar gewesen, sagt Söllner. Allen, die bei der Bekämpfung des Flächenbrandes bei Römersreuth von Donnerstagnachmittag bis zum Freitagmorgen mitgeholfen hatten, dankt er von Herzen: "Wenn das nicht gehalten worden wäre, hätten wir einer Katastrophe entgegensehen müssen." Am Ausrufen des offiziellen Katastrophenfalls sei der Landkreis gerade noch so vorbeigeschrammt. Insgesamt 19 Stunden hat der Einsatz gedauert.

25.07.2019 - Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach - Foto: Melitta Burger/Ulrich Lang

Römersreuth
Römersreuth
Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth
Großer Flächenbrand bei Stadtsteinach Römersreuth

Vertreter aller beteiligten Hilfsorganisationen und der zuständigen Behörden saßen am Tisch, als am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz die Details des größten Waldbrandeinsatzes seit vielen Jahren bekanntgegeben wurden. Das THW mit Andreas Hock, das BRK mit Maximilian Türk, die Feuerwehr mit Kreisbrandinspektor Horst Tempel, Kreisbrandmeister Yves Wächter und Gesamteinsatzleiter und Kreisbrandrat Stefan Härtlein sowie Abteilungsleiter des Landratsamts und der Stadtsteinacher Bürgermeister Roland Wolfrum zogen Bilanz nach einem ereignisreichen Tag. Derweilen piepte bei Horst Tempel mehrfach der Alarm. Feuerwehrkräfte mussten nachalarmiert werden. Immer wieder flackerten auf der 15 Hektar großen Fläche, die am Donnerstag gebrannt hatte, Glutnester auf. Rund zwölf Stunden, vom Brandausbruch kurz nach 15 Uhr am Donnerstag, bis zum Ende der akuten Löscharbeiten am Freitagmorgen gegen 3.30 Uhr, haben 380 Feuerwehrleute aus drei Landkreisen und unzählige Landwirte, Unternehmen und Privatleute alles menschenmögliche getan, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Es ist geglückt. Einfach war es nicht. Vier Feuerwehrleute mussten ärztlich behandelt werden. Sie hatten Schwächeanfälle erlitten, einer hatte sich gestoßen, ein anderer musste mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung und brennenden Augen vorsorglich ins Krankenhaus gebracht werden. Doch unterm Strich ist in Anbetracht der Herausforderungen und des Umfangs dieses Brandes alles nochmal glimpflich abgelaufen. Es wäre, da sind sich alle Verantwortlichen sicher, anders ausgegangen, hätten nicht vor allem die Landwirte, Firmen und die Bauhöfe umliegender Gemeinden pausenlos in Fässern Wasser zum Brandort auf den Höhen des Frankenwalds gebracht. Die letzten freiwilligen Wasserlieferanten zogen mit den Feuerwehren morgens um 3 Uhr ab. Das nötigt dem Landrat tiefen Respekt ab. "Jeder von den Bauern, die uns unterstützt haben, hätte jetzt zur Erntezeit eigentlich selbst volles Programm auf seinem Hof. Es war großartig, was diese Menschen alles für uns getan haben." Die ersten Bauern mit Wasserfässern seien bereits da gewesen als die Feuerwehr eintraf. Sogar aus dem Landkreis Hof sei Wasser gebracht worden. Andere Landwirte schufen mit schwerem Gerät eine Schneise, damit sich das Feuer nicht weiter in Richtung Steinachtal ausbreiten konnte.

Unmengen von Löschwasser wurden gebraucht an einem Ort, wo sich kein Hydrant befindet. Eine 4,4 Kilometer lange Schlauchleitung nach Braunersreuth und später nach Presseck, wurde zwar gelegt. Das reichte aber bei weitem nicht aus. Die Zahlen, die die Rettungskräfte am Freitagmittag vorlegten, belegen das eindrucksvoll. Allein aus der Pressecker Wasserversorgung wurden 90 000 Liter, als der Wasserversorgung von Stadtsteinach sogar 350 000 Liter Wasser gezogen, um den Waldbrand zu bekämpfen. Mit dieser Menge Wasser sei auch die Trinkwasserversorgung in den beiden Orten an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gebracht worden. Dabei sind die vielen Tausend Liter, die die Bauern immer wieder anfuhren, noch gar nicht mitgerechnet. Allein auf den brennenden Wald wurden im Lauf von acht Stunden rund 800 000 Liter Wasser gespritzt. Dabei leistete auch ein Polizeihubschrauber wertvolle Hilfe. Er holte mit einem Außenlastkorb Wasser aus Stadtsteinach und leerte den Behälter im zehn-Minuten-Takt in der Mitte der Brandstelle aus. Das war für die Feuerwehr eine wertvolle Hilfe. "Die Feuerwehr konnte den Brand ja nur von außen nach innen bekämpfen", erläuterte Horst Tempel. Der Hubschrauber habe das Feuer von innen löschen und die Besatzung der Feuerwehr wertvolle Hinweise geben können, wo die Flammen besonders loderten.

85 Helfer des BRK, 83 davon ehrenamtlich tätig, unterstützten die Einsatzkräfte. 1500 Liter Getränke wurden herbeigeschafft, 900 Portionen Essen verteilt. "Um 1.37 Uhr haben wir nochmals 200 Paar Wiener ausgeteilt", berichtet Max Türk. Zuweilen seien Essen und Getränke mit dem Quad der Bergwacht direkt an den Brandort gebracht wurden, damit sich die Feuerwehrleute stärken und gleich weitermachen konnten.

Das Technische Hilfswerk war mit 35 Helfern vertreten. Woran wohl kaum einer denkt, der nicht selbst in der Rettung tätig ist: Die Pumpen und Fahrzeuge müssen mit Sprit und Diesel versorgt werden. Auch die Traktoren wurden so betankt, damit nicht wertvolle Zeit verloren geht, wenn die Landwirte erst Tankstellen anfahren müssen. 680 Liter Diesel und 300 Liter Benzin wurden gebraucht bei diesem Brandeinsatz. Und natürlich brauchten die Feuerwehrleute Licht während ihrer Arbeit in der Nacht. Andreas Hock lobte das gute Miteinander und das eingespielte Arbeiten aller Rettungsdienste im Landkreis Kulmbach.

Neben dem großen Feuer bei Römersreuth waren Feuerwehren aus dem Kreis Kulmbach am Donnerstag mehrfach gefordert: Beim Brand eines Mähdreschers und eines Feld in Limmersdorf, beim Brand eines Komposthaufens in Harsdorf, einem kleineren Waldbrand bei Waldau, bei einem Waldbrand in Cottenbach, Bereitstellung in Altenplos und einem gemeldeten, aber nicht bestätigten Brand in Neuenmarkt. In Anbetracht der sich häufenden Brände sprach Landrat Söllner die Notwendigkeit neuer Strategien an. "Wir werden wohl überlegen müssen, wie man auch mit überörtlichen Einsatzmitteln helfen kann."

Lesen Sie dazu auch: Am Donnerstag brennt ein Mähdrescher auf einem Feld bei Limmersdorf. Die Ernte ist für Landwirte bei dieser Witterung mit hohem Risiko verbunden >>>

 
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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
15:08 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
15:08 Uhr



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