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Kulmbach

Fronten bei Auto-Scholz verhärten sich

Der Inhaber will aus dem Tarif ausbrechen. Dagegen mucken die Beschäftigten auf. Einen Arbeitsplatz finden sie heutzutage auch anderenorts, sagen sie. Und die Gewerkschaft zieht jetzt vor Gericht.



So hell wie auf diesem Foto glänzt der Mercedes-Stern zumindest beim Vertragshändler Auto-Scholz in Kulmbach und Bayreuth zurzeit nicht. Inhaber Michael Eidenmüller will keinen Haustarifvertrag mehr, sondern nur noch Einzelverträge mit den Beschäftigten. Dagegen machen diese mithilfe der Gewerkschaft mobil.	Foto: dpa
So hell wie auf diesem Foto glänzt der Mercedes-Stern zumindest beim Vertragshändler Auto-Scholz in Kulmbach und Bayreuth zurzeit nicht. Inhaber Michael Eidenmüller will keinen Haustarifvertrag mehr, sondern nur noch Einzelverträge mit den Beschäftigten. Dagegen machen diese mithilfe der Gewerkschaft mobil. Foto: dpa  

Kulmbach/Bayreuth - Es rumort unter den Mitarbeitern von Auto-Scholz - und das immer heftiger. Weil es bei dem Mercedes-Vertragshändler seit Monaten keine Verhandlungen mehr über einen neuen Haustarifvertrag gibt. Und weil sie sich und die IG Metall von Firmeninhaber Michael Eidenmüller als Lügner diffamiert sehen. Dabei wollen sie, wie sie selbst sagen, nur Sicherheit. Eidenmüller will wie berichtet den Hausvertrag nicht mehr verlängern und setzt auf Einzelverträge mit den Beschäftigten. Rund 120 sind es am Standort Bayreuth, rund 50 in Kulmbach. Seinen Stammsitz hat das Haus in Bamberg. Verhandlungen mit der Gewerkschaft lehnt der Firmeninhaber ab. Die und ein Teil der Beschäftigten machen dennoch mobil. Es gab bereits Warnstreiks.

Es ist eine eigenartige Stimmung am Montagabend an dem langen Tisch in einer Bayreuther Gaststätte. Es sind eine ganze Reihe Mitarbeiter der Scholz-Standorte Bayreuth und Kulmbach gekommen. Und nicht nur Betriebsräte, wie sie betonen. Sie sind aufgebracht, aber zugleich auch bedrückt, bringen immer wieder ihre Enttäuschung über die Geschäftsleitung zum Ausdruck. Mit der Zeit werde die Stimmung immer schlechter. Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Schließlich haben sie alle ungekündigte Arbeitsverträge, und das soll auch erstmal so bleiben. Wenn bekannt wird, dass sie gegenüber den Medien Klartext geredet haben, seien sie sich dessen nicht mehr sicher.

Weil ihr Arbeitgeber sowieso schon genug Druck aufbaue. Einzelverträge sollen sie unterschreiben. In denen werden ihnen zwar für dieses und nächstes Jahr Lohnerhöhungen von je 1,5 Prozent zugestanden, dafür sollen sie aber auch explizit auf ihre tarifvertraglichen Rechte verzichten.

"Dann sind wir in Zukunft Einzelkämpfer und müssen um alles alleine kämpfen", sagt einer, und ein anderer schimpft: "Warum will er denn raus aus dem Tarifvertrag? Weil er am Ende weniger zahlen will." Das Vertrauen sei weg, sagen sie. Schließlich hätten sie in Zeiten, in denen es dem Unternehmen nachweislich nicht so gut ging, verzichtet. Mit der Folge, dass sie bei der Bezahlung um rund 13 Prozent unter dem liegen, was der Flächentarifvertrag vorsieht.

Hinzu komme aber, dass das Unternehmen auch selbst gemachte Versprechungen nicht erfülle. Das automatische Aufrücken in die nächste Lohngruppe oder die Zahlung von Überstundenzuschlägen sei oft erst nach mehrmaliger Nachfrage geschehen, sagt eine Mitarbeiterin. Bei einer Betriebsversammlung habe Eidenmüller vor Dutzenden Zeugen gesagt, er behalte sich vor, Regelungen des Haustarifvertrags nicht einzuhalten. "Wie sollen wir dann glauben, dass er künftig Wort hält, wenn keine IG Metall mehr hinter uns steht", sagt eine Mitarbeiterin.

Ein Haustarifvertrag gebe Sicherheit. Auch dem Unternehmen, wie Robin Schoepke von der IG Metall betont. Man müsse ja nicht wieder für drei Jahre abschließen auch zwei oder gar nur ein Jahr wäre erst mal möglich. Aber Eidenmüller wolle ja gar nicht mehr verhandeln. Was wohl auch an der Kanzlei liege, von der das Unternehmen mittlerweile vertreten werde. Die sei für ihre Taktik bekannt, zu versuchen, erst die Gewerkschaft aus einem Unternehmen zu drängen und dann den Betriebsrat kaltzustellen, sagt Schoepke.

Dass Eidenmüller behaupte, rund 90 Prozent der betroffenen Mitarbeiter hätten mittlerweile Einzelverträge unterschrieben, sei glatt gelogen, sind sich die Mitarbeiter einig. In Bamberg sei der Prozentsatz zwar schon höher, weil dort auch deutlich mehr Druck ausgeübt worden sei. Doch in Bayreuth hätten höchstens 20 von 120 Mitarbeitern unterschrieben, in Kulmbach sechs oder sieben von gut 50.

Eidenmüller schneide sich ins eigene Fleisch, sind sich an diesem Abend alle einig. Weil die Motivation der Belegschaft sinke und auch schon ein Anstieg beim Krankenstand zu erkennen sei. Noch viel schlimmer aber sei, dass mittlerweile vermehrt Mitarbeiter kündigen. "Und zwar die guten." Viele würden abgeworben, einige räumen ein, dass sie selber schon angesprochen wurden. "Wenn ich morgen um 9 Uhr kündige, dann habe ich um 12 Uhr einen neuen Job. Die entsprechenden Portale sind übervoll", ruft einer, während ein anderer klagt: "Die anderen müssen die Arbeit dann mitmachen, denn adäquaten Ersatz gibt es nicht.".

Bei den Kfz-Betrieben in der Umgebung gebe es zwar auch keinen Tarifvertrag, sagt Schoepke. Aber die Scholz-Mitarbeiter wissen: "Da wird mit übertariflicher Bezahlung und geringerer Arbeitszeit gelockt. Klar, dass da mancher Kollege in der jetzigen Situation zugreift." Dass das dem Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels wehtue, sei offensichtlich. "Umso weniger verstehen wir, warum es Herr Eidenmüller so weit hat kommen lassen", heißt es einmütig. Doch geben sie die Hoffnung nicht auf, dass es doch wieder zu Gesprächen kommt. Ein aktuelles Druckmittel sind die sogenannten Geltendmachungen. Weil der Haustarifvertrag nicht mehr gilt, fallen die IG-Metall-Mitglieder jetzt per Gesetz unter den Flächentarifvertrag, sagt Schoepke. Und der sieht 36 statt 39 Stunden Wochenarbeitszeit vor. Die Diskrepanz machen die Mitarbeiter jetzt beim Unternehmen geltend. Verstreicht eine zweiwöchige Frist, geht die Sache vors Arbeitsgericht. "Wir haben das jetzt mal für mehr als 50 Mitarbeiter angemeldet und sind sicher, dass das Gericht für uns entscheidet. Das kann richtig ins Geld gehen", sagt Schoepke.

"Wir sind weiter gesprächsbereit und wollen die Tür offenhalten", sagen der Gewerkschafter und die Mitarbeiter übereinstimmend. Doch wenn es sein müsse, könne es auch zu einem unbefristeten Streik kommen. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt einer noch. Aber wirklich hoffnungsvoll hört sich das nicht an.

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
17:22 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
29. 08. 2019
17:22 Uhr



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