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Kulmbach

"Gefahr ist keineswegs gebannt": Apotheker-Chef rät dringend zur Impfung

Der bayerische Apotheker-Chef Dr. Hans-Peter Hubmann aus Kulmbach rät dringend zum Impfen. Jeder Einzelne trägt zum Schutz der gesamten Bevölkerung bei.



Die Weltgesundheitsorganisation und die bayerischen Apotheker rufen zum Impfen auf. Ziel bleibt die Ausrottung der gefährlichen Krankheiten.	Foto: Arne Dedert/dpa
Die Weltgesundheitsorganisation und die bayerischen Apotheker rufen zum Impfen auf. Ziel bleibt die Ausrottung der gefährlichen Krankheiten. Foto: Arne Dedert/dpa  

Kulmbach - Die Apotheker im Landkreis Kulmbach beteiligen sich an der Europäischen Impfwoche. Sie wollen die Menschen informieren und aufklären. Denn trotz aller Fortschritte im Kampf gegen die sogenannten impfpräventablen Krankheiten fehle vielen der Impfschutz, sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Größere Anstrengungen seien erforderlich, damit die Impflücken geschlossen werden. 2018 erkrankten nach Auskunft der WHO in Europa mehr als 82 000 Personen an Masern und 72 von ihnen starben an den Folgen. Impflücken seien für ansteckende Krankheiten ein Einfallstor. Der Kulmbacher Apotheker und Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Dr. Hans-Peter Hubmann, spricht im Interview mit der Frankenpost über die Risiken.

Die Europäische Impfwoche

Mit der Europäischen Impfwoche (EIW) soll die zentrale Botschaft vermittelt werden, dass die Impfung eines jeden Kindes entscheidend für die Verhütung von Krankheiten und den Schutz von Menschenleben ist. Das teilt die Weltgesundheitsorganisation mit. Unter dem Motto "Vorbeugen. Schützen. Impfen." werde diese Botschaft in alle Teile Europas getragen. Die Europäische Impfwoche 2019 findet vom 24. bis zum 30. April statt.

Die Zielsetzung der EIW bestehe darin, durch Sensibilisierung von Eltern und Betreuern, Gesundheitsberufen, politischen Entscheidungsträgern und Medien für die Bedeutung von Impfungen höhere Durchimpfungsraten zu erreichen. Das WHO-Regionalbüro für Europa hat die Federführung für die EIW inne, und alle Mitgliedstaaten sind zur Teilnahme eingeladen.

Die EIW erhält in den Mitgliedstaaten auch Unterstützung durch hochrangige Persönlichkeiten wie Minister, Botschafter und First Ladies. Auf der Ebene der WHO-Region Europa wird die Initiative von Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark, der Schirmherrin des Regionalbüros, unterstützt.

 

 

 

Herr Dr. Hubmann, sind Aktionen wie die Europäische Impfwoche heutzutage noch nötig?

Wir sind mit den Impfquoten schon ganz gut in Europa. Aber das ist noch nicht genug. Wir schrammen immer knapp an der nötigen Abdeckung vorbei, die nötig ist, um die Viren komplett auszurotten.

 

Aber sind Krankheiten wie Kinderlähmung bei uns nicht bereits besiegt?

Praktisch sind Kinderlähmung, Wundstarrkrampf und Keuchhusten dank der Impfungen verschwunden. Aber die Gefahr ist keineswegs gebannt. Manche Eltern unterschätzen die Gefahr und lassen ihre Kinder nicht mehr impfen.

 

In den vergangenen Jahren ist viel Kritik am Impfen laut geworden. Was sagen Sie dazu?

Bei der Masernimpfung hört man diese Kritik besonders. Bei Gegnern gilt die Impfung als nicht natürlich. Infektionen wie Masern, Röteln und Mumps werden als harmlose Kinderkrankheiten angesehen. Auch heute ist immer noch zu hören, dass es besser sei, die Krankheiten durchzumachen, weil das Kind dann eine natürliche Immunität entwickle. Es heißt, die Krankheiten gehören zum Leben dazu. Dabei gibt es bei Masern häufig große Komplikationen bis hin zu Todesfällen. Schutz bietet nur die rechtzeitige Impfung.

 

Gegner argumentieren, dass auch die Masern-Impfung zu Schäden führen kann.

Es gibt eine Angst vor Nebenwirkungen. Bei Impfungen ist gegenüber der Krankheit das Risiko für Komplikationen jedoch um den Faktor 1000 niedriger. Impfen ist eine der besten Präventionsmaßnahmen der modernen Medizin. Und wer sich impfen lässt, der schützt nicht nur sich selbst und seine Familie, sondern die gesamte Bevölkerung vor den Infektionen. Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Wirte findet das Virus.

 

Warum hält sich dann so hartnäckig die Kritik?

In vielen Internet-Foren haben die Gegner ein gefühltes Übergewicht, weil sich die Falschmeldungen häufiger verbreiten. Zum Beispiel sind Studien, die dort oft zitiert werden, längst widerlegt.

 

Sind Sie für die vieldiskutierte Impfpflicht?

Eine Pflicht könnte die Akzeptanz in der Bevölkerung vermindern, wenn ein Widerwillen aufkommt. Deshalb setzt auch die bayerische Staatsregierung weiterhin auf Überzeugung und Freiwilligkeit.

 

Gibt es weitere Impfungen, die Sie empfehlen?

Wundstarrkrampf ist ein wichtiges Thema. Die Tetanus-Impfung ist dringend erforderlich. Kaum ein Impfschutz hält ein Leben lang. Viele Impfungen müssen nach einem gewissen Zeitraum aufgefrischt werden. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist es wichtig, die Impfausweise zu kontrollieren. Das von Zecken verbreitete FSME-Virus hat in Franken ebenfalls eine hohe Durchseuchungsrate. Wer sich oft im Freien aufhält, sollte sich deshalb impfen lassen. Die Apotheken kontrollieren gerne die Impfausweise und sprechen über das Für und Wider.

 

Aber man kann sich dann nicht gleich in der Apotheke impfen lassen?

Nein, wir raten nur zu einem Termin beim Arzt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will jetzt aber in einem Modellversuch das Impfen auch in Apotheken möglich machen. Wir Apotheker sind in dieser Frage neutral. Das Gespräch

führte Stefan Linß

 
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Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
17:34 Uhr

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25. 04. 2019
17:34 Uhr



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