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Kulmbach

In fünf Stunden fünf Leben gerettet

Die Kitzrettung Oberfranken hat in der Neuenmarkter Au Wiesen kontrolliert, die gemäht werden sollen. Fünf junge Rehkitze wurden so vor dem Tod im Mähwerk gerettet.



Die Kitzretter in Formation von links Susanne Täuber, Susanne Schilling, Silvia Kubitzky, Stefanie Schmidt, Jagdpächter Klaus Biedermann und Kerstin Krämer.
Die Kitzretter in Formation von links Susanne Täuber, Susanne Schilling, Silvia Kubitzky, Stefanie Schmidt, Jagdpächter Klaus Biedermann und Kerstin Krämer.   » zu den Bildern

Neuenmarkt - Nur wenige wissen, dass es in Oberfranken einen eingetragenen Verein zur Rehkitzrettung gibt. Der Verein "Rehkitzrettung Oberfranken" hat seinen Sitz in Münchberg. In der vergangenen Woche waren elf Vereinsmitglieder mit Jagdpächter Klaus Biedermann sehr erfolgreich, als sie in der Neuenmarkter "Au" fünf jungen Rehkitzen das Leben retteten. Für den 66-jährigen Jagdpächter Klaus Biedermann war es zunächst ein schwieriges Unterfangen, all die Wiesen, die in diesen Tagen von den Landwirten gemäht wurden, allein ohne jegliche Hilfe abzulaufen. Aber er machte sich Sorgen um den Wildnachwuchs in seinem Revier. Mehr durch einen Zufall erfuhr er über einen Berufskollegen von dem Verein. Über eine eigens eingerichtete Whats-App-Gruppe und über Facebook waren im Nu die Kitzretter organisiert, um mit dem Jagdpächter am frühen Morgen die Wiesen abzulaufen. Die Helfer kamen aus Bindlach, Kulmbach, Heinerseuth/Bayreuth und Wirsberg. Ihr unentgeltlicher Einsatz hatte sich wirklich gelohnt.

Mitmachen und helfen

Die Kitzrettung Oberfranken kann man unterstützen, indem man aktiv als Helfer mitmacht oder Mitglied wird. Alle Informationen dazu findet man auf der Webseite des Vereins unter kitzrettung-oberfranken.com. Auskunft gibt auch Britta Engelhardt, Zelchstraße 27, 95213 Münchberg, E- Mail info@kitzrettung-oberfranken.com.

 

Britta Engelhardt hat den Verein vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Nicht selten sind zur Kitzrettung 30 Frauen und Männer unterwegs, je nach Wochentag und Uhrzeit. Erklärtes Ziel ist es, Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Vor allem Rehkitze sind in den ersten Lebenswochen sehr gefährdet, denn die Wiesen sind in dieser Zeit mehr oder weniger das Kinderzimmer der Tierbabys. Die Rehkitze sind vor allem deshalb bedroht, weil sie in den ersten Wochen keinen Fluchtinstinkt haben und bei Gefahr regungslos an ihrem Platz liegen bleiben. Dieser Instinkt hilft bei Gefahr durch Raubtiere, allerdings nicht bei einem heranfahrenden Mähwerk.

 

Silvia Kubitzky, die den Einsatz in der Neuenmarkter Au für den Verein "Rehkitzrettung Oberfranken" zusammen mit dem Jagdpächter verantwortlich leitete, stellte dazu fest: "Unser Verein unterstützt Landwirte und Jagdpächter bei dem Absuchen der Wiesen und verhindert so den meist qualvollen Tod zahlreicher Rehkitze. Ohne das Engagement vieler freiwilliger Helfer, Vereinsmitglieder, Landwirte und Jäger wäre dies nicht möglich." Für optimal hält Silvia Kubitzky, dass Bauern und Jäger zusammenarbeiten, denn es nützt nach ihrer Meinung nichts, wenn der Jäger weiß, dass in der Wiese Kitze geboren werden, aber der Bauer nicht Bescheid sagt, wann er mäht. In Neuenmarkt ist es ein Glücksfall, denn der Bauer ist zufällig auch ein Jäger, und Klaus Biedermann hat ein gutes Vertrauensverhältnis zu seinen Berufskollegen aufgebaut. So hat er auch in der vergangenen Woche von Landwirt Helmut Bär den Anruf bekommen, dass er in den nächsten Tagen mehrere Wiesenflächen in der Au abmähen wird.

Wie eine Kitzrettung abläuft, erklärt Silvia Kubitzky: "Meistens bekommen wir zwei, drei Tage vorher Bescheid. Der Landwirt oder Jagdpächter meldet sich bei uns und nennt uns Ort und Zeit des Mähens. Wir kontaktieren alle Vereinsmitglieder und Freiwillige und versuchen, ausreichend Helfer für den Termin zu mobilisieren. Am Treffpunkt angekommen besprechen wir kurz das Vorgehen. Neue Kitzretter werden natürlich vor der Kitzsuche von uns eingewiesen." Die zu mähende Wiese wird gründlich Meter für Meter abgesucht. Das ist gar nicht so einfach, denn die Rehkitze können leicht übersehen werden. Silvia Kubitzky weiter: "Je nach Einsatzort, Größe der Wiese und Tagestemperatur nehmen wir auch unsere Drohne mit Wärmebildkamera zu Hilfe.

Wird ein Reh gefunden, wird es dick in Gras eingepackt und mit weggestreckten Armen aus dem Gefahrenbereich gebracht. Das Rehkitz darf nicht berührt oder gar gestreichelt werden. Der menschliche Geruch würde das Muttertier verunsichern und im schlimmsten Fall nimmt sie ihr Kitz nicht mehr an."

Die 60-jährige Silvia Kubitzky, die ansonsten im Reisebüro arbeitet, lässt auch wissen, warum vor allem Frauen sich an der Kitzrettung immer wieder gern beteiligen: "Bevor ich ins Fitnesstudio gehe, suche ich lieber ein Kitz, denn bin ich doch an der frischen Luft. Und gerade jetzt habe ich mit der Corona-Krise, die die Reisebranche enorm tangiert, besonders viel Zeit." Knappe fünf Stunden war Jagdpächter Klaus Biedermann mit den Frauen in den hohen Wiesen unterwegs. Keine Frage, es war auch ein anstrengender Sport in den frühen Morgenstunden.

Die frühere Wirsbergerin Kerstin Krämer, die jetzt in Kulmbach wohnhaft ist, war das vierte Mal bei der Kitzsuche dabei: "Ich bin derzeit bei der Kulmbacher Brauerei in Kurzarbeit. Unsere Kitzsuche war heute wirklich erfolgreich. Aber eigentlich sind alle Kitzsuchen erfolgreich, auch wenn man nichts findet."

Mit Susanne Schilling war auch die frühere Leiterin des Tierheimes Heinersreuth vertreten: "Ich habe die Arbeit mehr als 23 Jahre gemacht, und der Tierschutz liegt mir immer noch sehr am Herzen. Ich habe jetzt so einen super Büro-Job, dass ich in meiner Arbeitszeit Rehkitze retten darf."

Die Freude, ein Rehkitz zu retten, ist bei allen Helferinnen groß. Genauso groß ist aber auch die Freude, eine Wiese gemeinsam abzulaufen, in der kein Rehkitz Unterschlupf gefunden hat. Und eines ist auch klar: Die Kitzsuche ist wie eine Olympiade: Dabei sein ist alles. Das gilt auch für Susanne Täuber, die seit einem Jahr der Gruppe angehört. Für sie kommt noch ein Faktor hinzu: "Spaß an der Freud. Das ist wie Schatzsuche. Wenn es die Zeit ermöglicht, bin ich dabei." Eines verrät Susanne Täuber auch: "Man muss bei der Rehkitzsuche schon diszipliniert sein und auf den anderen auch schauen. Es ist immer ein Organisator dabei, der sich natürlich mit den Örtlichkeiten auskennt." Außer der Bereitstellung von Getränken zollte Jagdpächter Klaus Biedermann den Damen natürlich ein riesiges Lob: "Ich bin sehr dankbar, dass es so eine Einrichtung gibt und dass die Hilfe so spontan erfolgen konnte."

Autor

Werner Reißaus
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 05. 2020
17:14 Uhr

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Autor

Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
24. 05. 2020
17:14 Uhr



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