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Kulmbach

Kampf dem Borkenkäfer

Dem Frankenwald droht eine wahre Epidemie. Deshalb haben sich am Freitag Forst-Experten aus Kronach und Kulmbach zusammengesetzt. Ihre Probleme sind gravierend.



Wenn das Jahr 2019 wieder so heiß und trocken wird, wie 2018, befürchten Forst-Experten im Frankenwald eine Borkenkäfer-Plage.	Foto: dpa/Roland Weihrauch
Wenn das Jahr 2019 wieder so heiß und trocken wird, wie 2018, befürchten Forst-Experten im Frankenwald eine Borkenkäfer-Plage. Foto: dpa/Roland Weihrauch  

Kronach/Kulmbach - Er ist klein - und doch flößt er Waldbesitzern größten Respekt ein: der Borkenkäfer. Nach dem trockenen, heißen Sommer 2018 droht er, den Frankenwald förmlich zu überrennen (NP vom Donnerstag). Deshalb hat Michael Schmidt, Forstdirektor im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach (AELF), am Freitagvormittag einen Runden Tisch in der Außenstelle Kronach einberufen. Dass, trotz der recht kurzfristigen Einladung, alle Forst-Experten aus beiden Landkreisen zusammengekommen sind, zeige, wie relevant das Thema sei, sagte er.

Wenig zu tun für Behörden

Roland Stark, Zuständiger für die Borkenkäfer-Bekämpfung im Kronacher Landratsamt, und sein Kulmbacher Kollege Thomas Schmidt berichteten von einer guten Zusammenarbeit mit dem AELF. "2018 haben wir vier- oder fünfmal Ersatzvornahmen androhen müssen", informierte Stark. Das sei vergleichsweise wenig. Schmidt ergänzte, dass die meisten Waldbesitzer sogar dankbar seien, wenn sie den Hinweis bekämen, etwas tun zu müssen und Hilfe angeboten bekämen. Zu Geldstrafen oder gar Ersatzvornahmen komme es selten.


"Natürlich gibt es den Borkenkäfer auch im Rest von Bayern. Aber bei uns haben wir viele reine Fichten-Bestände. Da hat das noch einmal eine ganz andere Wucht", sagte Michael Schmidt. Denn der Schädling werde nicht durch andere Baumarten ausgebremst, sodass riesige Schadflächen entstünden. Umso wichtiger sei es, den Austausch untereinander zu verbessern und gemeinsam gegen den Käfer vorzugehen. In diesem Zusammenhang äußerte er auch Kritik an manchen Waldbesitzern: "Es kann nicht sein, dass wir mit Käfer-Bäumen in die neue Saison starten und die vergangenen sechs Monate nicht zur Aufarbeitung genutzt haben." Er wies darauf hin, dass das AELF gesetzlich dazu verpflichtet sei, die Borkenkäfer-Bekämpfung durchzusetzen - notfalls mit Zwangsgeldern oder Ersatzvornahmen. Er betonte jedoch, dass es in den wenigsten Fällen so weit komme.

"Bis zum Dezember haben wir 7000 Festmeter Käfer-Holz eingeschlagen", blickte Hans-Georg Lindig, Vorsitzender Waldbesitzervereinigung (WBV) Rennsteig, auf das Jahr 2018 zurück. Besonders problematisch sei der Abtransport des Holzes an Steilhängen, Hängen mit Bebauung an ihrem Fuß oder generell von kleineren Mengen. Denn es sei schwierig, Unternehmen zu finden, die dazu bereit seien. Zudem seien viele Waldbauern immer älter und brauchten Hilfe. Auch bei ihnen handle es sich meist um kleinere Holz-Mengen, die abtransportiert werden müssten. Dafür reichten die Kapazitäten der Fachunternehmen jedoch nicht aus. "Und dann bleibt das Holz liegen. Das ist natürlich ärgerlich", führte er aus.

Georg Konrad, Vorsitzender der WBV Kronach-Rothenkirchen, berichtete, dass man im vergangenen Jahr immer wieder neue Käfer-Nester gefunden habe - auch dort, wo man eigentlich glaubte, sie bereits beseitigt zu haben. Er stimmte Hans-Georg Lindig zu, dass die Unternehmer-Findung recht schwierig sei. Außerdem kritisierte er, dass die Pflege der Forst-Straßen teilweise zu wünschen übrig lasse. "Seit Jahren versuchen wir, den Klimawandel und die Notwendigkeit des Waldumbaus ins Bewusstsein der Waldbesitzer zu rücken", sagte er. Bei einigen sei das aber nach wie vor nicht angekommen.

"Von unseren 600 Mitgliedern leben circa 120 nicht vor Ort", meinte unterdessen Siegmund Kolb, 2. Vorsitzender der WBV Frankenwald. Das sei natürlich auch ein Problem. Dennoch gebe es tendenziell mehr Schwierigkeiten mit ortsansässigen Waldbesitzern. Dennoch sei der Borkenkäfer-Befall im Bereich der WBV Frankenwald nicht ganz so dramatisch gewesen wie andernorts. "Allerdings hat sich jetzt im Februar bei einigen Bäumen plötzlich wieder Befall gezeigt. Das haben wir so auch noch nicht gekannt", meinte er. Für den Abtransport reichten die Kapazitäten bislang aus. Dennoch stand für ihn fest: "Wenn das Wetter heuer wieder so wird wir im vergangen Jahr, haben wir keine Chance."

Erwin Schwarz, Kronacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, befürchtete ebenfalls, "dass es heuer schlimm wird." Als großes Problem sah er "grün angehauchte" Waldbesitzer, die meinten, der Käfer-Befall erledige sich von alleine. Auch davon abgesehen werde vieles, was heuer gepflanzt wird, wohl wieder vertrocknen.

Carmen Hombach, Vorsitzende der WBV Kulmbach-Stadtsteinach, berichtete, dass der Borkenkäfer in ihrem Bereich vor allem nördlich der Fränkischen Linie vorkomme. Auch hier gebe es Schwierigkeiten mit der Abfuhr. "Die Holz-Mengen aus Tschechien drücken auf den Markt, binden aber auch Abfuhr-Kapazitäten", erklärte sie. Da es somit schwierig sei, das befallene Holz rechtzeitig aus dem Wald zu schaffen, hielt sie externe Lagerplätze für unumgänglich. Sie regte außerdem an, im Hinblick auf die stark nachgefragten Abfuhr-Unternehmen mehr gebietsweise vorzugehen und sich untereinander besser abzusprechen. So könne man Zeitverlust vermeiden. Sie meinte außerdem, gute Erfahrungen mit Pflanzenschutzmitteln gemacht zu haben. "Das wird sich nicht vermindern lassen", sagte sie und befürchtete, dadurch in Erklärungsnot bei der Bevölkerung zu kommen.

Frank Dietel, Geschäftsführer der WBV Hof-Naila, informierte, dass man eigene Lastwagen für den Abtransport von geschlagenem Holz besitze und damit gute Erfahrungen gemacht habe. Wie das Jahr 2019 im Hinblick auf den Borkenkäfer verlaufen wird, hänge stark von der Witterung ab.

Dominik Wilferth, Geschäftsführer der WBV Münchberg, erzählte von zeitlichen Verzögerungen, da oft Grenz-Strukturen unter den Waldbesitzern unbekannt seien. Das mache die Planung der Arbeiten sehr schwierig, den es gebe viel Klärungsbedarf.

Lars Andersen von der WBV Hollfeld berichtete unterdessen von Waldbesitzern, die mitunter monatelange nicht in ihren Wald schauten. Die Unterstützung seitens des AELF sie daher enorm wichtig. Er habe außerdem beobachtet, dass der Befall durch Kupferstecher zugenommen habe - insbesondere an alten Fichten. Seiner Erfahrung nach gingen Fichten in Mischwäldern noch schneller kaputt, als in reinen Fichten-Beständen.

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Julia Knauer

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Veröffentlicht am:
17. 03. 2019
18:16 Uhr

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Julia Knauer

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17. 03. 2019
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