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Kulmbach

Kommentar: Lieber öko als modern

Müssen wir eigentlich jedem Trend hinterherlaufen? Architekten geben heute vor, dass es angeblich modern ist, in Mehrfamilienhäusern zu wohnen, die ein bisschen an aufeinandergestapelte Starenkästen in guter alter Laubsägearbeit erinnern. Nur sind sie farbloser.



Der Schwanenhof im Spiegel ist ein Beispiel, dem wohl ein weiteres folgen wird: die Studentenwohnungen, die auf dem Gelände der ehemaligen Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße entstehen sollen. Klar, es ist immer eine Frage des Geschmacks. Viele Gespräche mit anderen Kulmbachern bestätigen mich jedoch in meiner Meinung: "Schee is des ned."

Freilich ist auch das verfallene Gebäude der Mälzerei Müller nicht gerade eine Augenweide. Doch es würde wieder eine werden, wenn es denn saniert würde. Eine Sanierung wäre sicherlich teuer. Doch gleiches gilt beispielsweise auch für die Spinnereigebäude in Kulmbach. Die hat die Stadt doch auch nicht zum Abriss freigegeben, obwohl sie weit weniger Charme versprühen und flächenmäßig eine weitaus größere Dimension haben. Und auch der historische Backsteinbau der Mälzerei Müller gehört zum Stadtbild. Mit ihm wird ein weiteres sichtbares Stück Kulmbacher Stadtgeschichte verschwinden. Wäre es nicht klüger gewesen, abzuwarten, bis sich doch noch ein Investor für eine Sanierung, ein Förderprogramm oder eine zündende Idee für den Erhalt des Gebäudes findet?

Der Stadtrat hat indes entschieden, dass die alte Mälzerei dem Neubau des Wohnkomplexes weichen soll. Ein Abriss wird wohl nicht mehr zu verhindern sein. Klar ist auch, dass die Studenten, die nach Kulmbach kommen, irgendwo bezahlbar wohnen müssen. Aber wer sind denn diese Studenten? Wenn das Gebäude fertig ist, werden dies die jungen Leute sein, die heute in der Fridays-for-Future-Bewegung für den Klimaschutz auf die Straße gehen. So hat erst vergangene Woche deren Kulmbacher Aktivistin Laura Meile angemahnt, vor allem bei Neubauten den Umweltschutzgedanken vor den Wirtschaftlichkeitsgedanken zu stellen. "Was nützt mir ein billiges Haus, wenn wegen des Klimawandels die Erde überschwemmt wird", sagt sie. Möge der Stadtrat deshalb wenigstens ein Auge darauf haben, dass mit den neuen Wohnungen wenigstens keine ökologische Bausünde entsteht. Ein Betonklotz etwa, der in 15 oder 20 Jahren wieder zum Sanierungsfall wird. Oder er schreibt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zwingend vor.

Endgültig ökologischer Wahnsinn wäre es aber, wenn der Vorschlag von Thomas Nagel Wirklichkeit würde: Man lässt die Fassade der Mälzerei stehen und baut drinnen überdachte Einfamilienhäuser, die elektrisch klimatisiert und deren Vorgärten immer künstlich bewässert werden müssten.

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Sabine Emich

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
19:34 Uhr

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Sabine Emich

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22. 07. 2019
19:34 Uhr



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