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Kulmbach

Marktplatz ist bald ein gutes Pflaster

Die Marktschorgaster Ortsmitte wird demnächst barrierefrei sein. Dennoch bleibt es beim Pflasterbelag. Dafür wurde früher in der Gemeinde sogar ein Zoll erhoben.



Ein Bild von den Pflasterarbeiten des westlichen Gehwegs im Marktplatz machen sich (von links) Katharina Joost, Geschäftsleiterin der Gemeinde, Architekt Ralph Stadter, Dipl. Ingenieur Albert Vollath und Bürgermeister Marc Benker. Ganz rechts Maximilian Koch, Bauleiter der ausführenden Firma PE Pflasterbau Schneeberg, Sachsen.
Ein Bild von den Pflasterarbeiten des westlichen Gehwegs im Marktplatz machen sich (von links) Katharina Joost, Geschäftsleiterin der Gemeinde, Architekt Ralph Stadter, Dipl. Ingenieur Albert Vollath und Bürgermeister Marc Benker. Ganz rechts Maximilian Koch, Bauleiter der ausführenden Firma PE Pflasterbau Schneeberg, Sachsen.   » zu den Bildern

Marktschorgast - Ob mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen: Auf dem Marktschorgaster Marktplatz sollen sich schon bald alle Menschen bequem und sicher bewegen können. Im Rahmen eines Jourfix-Termines machte sich Bürgermeister Marc Benker jetzt ein Bild vom Fortschritt der Pflasterarbeiten für die barrierefreie Umgestaltung des Marktplatzes. Das Projekt hatte noch der alte Gemeinderat unter Bürgermeister Hans Tischhöfer auf den Weg gebracht.

Hohe Fördermittel: Das 420 000 Euro teure Projekt wird im Rahmen des Städtebauförderungsprogrammes "Kleinere Städte und Gemeinden" mit Mitteln des Bundes und des Freistaats Bayern in Höhe von 315 000 Euro gefördert. Für eine barrierefreie Umgestaltung des westlichen Gehweges auf dem Marktplatz werden die fugenreichen, unebenen Kleinstein-Pflaster des Gehsteigs durch ein entsprechendes fugenarmes ebenes Pflaster ersetzt. "Dabei wird zumindest der historische Charakter durch die seitlich eingelegten vorhanden Pflastersteine erhalten", sagte Benker. Des Weiteren werden barrierefreie Straßenquerungen an den stark frequentierten Stellen wie zur Arztpraxis, zum Rathaus, zur Kirche und zum Pfarramt geschaffen. Die Kosten im unmittelbaren Bereich des Kirchenzugangs übernimmt die Kirche. Zudem wird ein Blindenleitsystem in die Gehwege und Straßenquerungen integriert. Zusätzlich zum Behinderten-Stellplatz bei der Arztpraxis wird ein weiterer am Parkplatz gegenüber der Kirche geschaffen.

Wertvolle Einnahmen: Straßenpflaster hat in Marktschorgast eine lange Tradition. Bis 1935 wurde in Marktschorgast sogar Pflasterzoll zur Verbesserung der Straße erhoben. Erst am 1. Juli1935 , vor 85 Jahren also, wurde diese Abgabe abgeschafft. Fest steht, dass der Pflasterzoll seit 1812 existiert hatte und vom Staatsministerium des Innern genehmigt war. Die Einnahmen wurden anfangs auf eigene Regie durch die Gemeinde kassiert. Ab 1822 wurden die Rechte an den Meistbietenden verpachtet. Die Gelder dienten der Erhaltung und der Verbesserung des Straßenpflasters.

Ein Pflasterzollbrief aus dem Jahre 1826 enthält folgende Gebührensätze: "Von jedem Wagenpferd zwei Kreuzer; von jedem Pferd an einer Chaise, jedem Vorspannpferd und jedem Reitpferd ein Kreuzer, von einem leer getriebenen Ochsen, einer Kuh oder einem Stier ein halber Kreuzer; von einem Schubkarren ein halber Kreuzer.". Im Laufe der Jahre wurde der Katalog der Gebührensätze erweitert. Jung- und Kleinvieh wurde mit aufgenommen. In der Pflasterzollordnung hieß es auch, "daß auf Grund gestehenden Herkommens die Thiere und Fuhrwerke der Bewohner von Falls, Höflas, Wasserknoden, Rohrersreuth, Pulst, Ober-, Mittel- und Unterpöllitz sowie Ziegenburg von der Errichtung des Pflasterzolls in Marktschorgast solange befreit sind, als sie das zur Pflasterung nöthige Material unentgeltlich beifahren".

Reger Verkehr durch den Ort: Der Güter- und Frachtentransport durch Marktschorgast zum Bahnhof war besonders von Wunsiedel, Weißenstadt und Gefrees her bis zur ersten Hälfte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts sehr bedeutend. Nach der Errichtung der Fichtelgebirgsbahn und der Bahnstation Falls ging dieser Verkehr durch Marktschorgast merklich zurück, wovon auch die Einnahmen aus dem Pflasterzoll betroffen waren. Schlugen im Jahre 1874 die Einnahmen noch mit 216 Mark zu Buche, so waren es zehn Jahre später nurmehr fünfzig Mark.

Im Frühjahr und Sommer des Jahres 1885 erfolgten umfangreiche Arbeiten im Marktbereich durch den Pflasterer Hegner aus Gefrees. Er pflasterte insgesamt 330 Quadratmeter in der Mitte der Fahrbahn mit blauen Granitsteinen. Außerdem waren 1000 Quadratmeter Umpflasterung nötig, wobei die Steine zugerichtet werden mussten. Die Kosten beliefen sich auf 1849 Mark. Im gleichen Jahr ließen auch zehn Hausbesitzer ihren "Trottoir-Antheil" auf ihre Kosten pflastern.

Am 8. Januar 1900 beschlossen die Bürger in einer Gemeindeversammlung, den Pflasterzoll weiter zu erheben und den für die Um- beziehungsweise Neupflasterung des Marktes notwendigen Betrag von 7890 Mark und 88 Pfennig, soweit er nicht durch Erträge aus der Straßenabgabe gedeckt werden konnte, aus Mitteln der örtlichen "Lokal-Malzaufschlagskassa" zu verzinsen und abzutragen.

Nach Änderung der Pflasterzollgebühren vom 24. Mai 1923 galten ab dem 15. Juni des selben Jahres folgende Zollsätze: Pferd im Anspann 20 Mark, Hornvieh im Anspann 20 Mark, gerittenes oder leergehendes Pferd zehn Mark, leergehendes Hornvieh zehn Mark, Jung- und Kleinvieh fünf Mark, im herdenweisen Trieb von je 15 Stück 50 Mark.

Mehrere Pächter: Verpachtet war der Pflasterzoll im Laufe der Jahre an H. Geist, an Polizeidiener Georg Wunderlich, an den Gütler und Metzger Joseph Feulner, an Schlossermeister Martin Michel, an Georg Martin und an den Händler Matthäus Hoffmann. Als zum öffentlichen "Verstrich" des Pflasterzolls am 17. April 1924 niemand erschien, wurde die Einhebung dem Polizeidiener Georg Wunderlich übertragen. Als Entschädigung bewilligte man ihm 25 Prozent der Einnahmen, ab dem 7. Februar 1929 sogar 50 Prozent. In einem Schreiben vom 15. Januar 1930 an die Regierung von Oberfranken bat die Gemeinde "zur Forterhebung des Pflasterzolls in hiesiger Gemeinde nach Maßgabe der Zollordnung vom 19. Dezember 1904 auf die Dauer von weiteren zehn Jahren die Genehmigung erteilen zu wollen", da die Pflasterarbeiten an der Hauptstraße jährlich mit Kosten verbunden seien. Diesem Ersuchen wurde stattgegeben. Da der Bezirk Kulmbach später die Instandhaltung der Ortsdurchfahrt übernahm, wurde laut einem von Bürgermeister Feulner unterzeichneten Beschluss die Pflasterzollerhebung zum 1. Juli 1935 aufgehoben.

Autor

Bruno Preißinger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 05. 2020
17:12 Uhr

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Autor

Bruno Preißinger

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Veröffentlicht am:
29. 05. 2020
17:12 Uhr



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