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Kulmbach

Mehr Parkplätze für Menschen mit Behinderung

Der Sozialverband VdK fordert eine behindertengerechtere Infrastruktur. Zur Barrierefreiheit fehlt noch viel. Aber es tut sich etwas, sagt Kreisvorsitzender Klaus Nenninger.



Mitten in der Stadt neben den Kulmbacher Rathaus finden schwerbehinderte Autofahrer einen Parkplatz. Der Sozialverband VdK lobt das Engagement der Stadt.
Mitten in der Stadt neben den Kulmbacher Rathaus finden schwerbehinderte Autofahrer einen Parkplatz. Der Sozialverband VdK lobt das Engagement der Stadt.   Foto: Stefan Linß » zu den Bildern

Kulmbach - 100 Meter gehen ist für Klaus Nenninger die Obergrenze. "Ich habe in der Webergasse einen Parkplatz gefunden", sagt der Kulmbacher Kreisvorsitzende des Sozialverbandes VdK. Er ist dringend darauf angewiesen, dass der Weg vom Auto bis zu seinem Büro in der Klostergasse möglichst kurz ist. Nenninger leidet an den Spätfolgen der Kinderlähmung, am Post-Polio-Syndrom. Als Schwerbehinderter hat er in den Städten mit so manchen Schwachstellen zu kämpfen, die ihn in seiner Mobilität einschränken. Glücklicherweise habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. Das Ziel ist mehr Bewegungsfreiheit für alle Menschen.

Behindertenparkplätze

Für viele Menschen mit Behinderung biete das Auto eine wichtige Möglichkeit, um mobil zu sein und zu bleiben, sagt der Sozialverband VdK. Vor öffentlichen Einrichtungen und an wichtigen zentralen Punkten seien darum ausreichende Behindertenparkplätze wichtig, zum Beispiel vor Supermärkten, Arztpraxen, Theater und Kino, Restaurants und Bahnhöfen, aber auch vor der eigenen Haustür. Behindertenparkplätze bieten dem Fahrer oder Beifahrer größere Bewegungsfreiheit. Sie sind breiter als normale Pkw-Stellplätze, damit die Wagentür in vollem Radius geöffnet werden kann. Rollstuhlfahrer beispielsweise müssen ihren Rollstuhl unmittelbar neben der Fahrertür platzieren können, um ohne Probleme einzusteigen, erklärt der VdK. Zudem sollten Behindertenparkplätze günstig gelegen sein, so dass es idealerweise vom Parkplatz aus nur wenige Schritte bis zum Eingang sind. Dies sei wichtig vor allem für gehbehinderte Menschen und Leuten mit Atemwegserkrankungen. Nicht-Behinderte sollten diese Parkplätze unbedingt freihalten. Wer ohne Erlaubnis auf einem Behindertenparkplatz parkt, kann abgeschleppt werden - oder eine Geldbuße wird fällig.

 

 

 

Gefährliches Kopfsteinpflaster: Wäre der Autostellplatz in der Webergasse besetzt gewesen, hätte Klaus Nenninger mit seinem Wagen die neue Tiefgarage unter dem EKU-Platz angesteuert. Die Behindertenparkplätze rund um den Kulmbacher Marktplatz sind für ihn zu weit entfernt. Außerdem ist das Kopfsteinpflaster dort für Menschen mit Gehbehinderung zu gefährlich.

Glücklicherweise gibt es den umgestalteten EKU-Platz. Dort hat der VdK-Kreisvorsitzende bisher immer eine Lücke gefunden. Jetzt im Sommer, wenn der Bierstadel steht, fallen dort zwar leider die oberirdischen Behindertenparkplätze weg. Ansonsten sei das Neubauprojekt aus Sicht der behinderten Menschen aber sehr gelungen. "Es ist eine tolle Sache", lobt Klaus Nenninger das Engagement der Stadt. Auch das neue Ärztehaus in seinem Heimatort Wirsberg sei ein solch positives Beispiel.

 

Lebenswertere Städte: Die Nachfrage nach behindertengerechter Infrastruktur wird steigen, weil die Bevölkerung immer älter wird. Damit die Menschen auch in Zukunft mobil bleiben können, braucht es Ideen für mehr Barrierefreiheit. Der Kulmbacher VdK-Kreisverband berät die Kommunen und schaut sich gemeinsam mit den Planern die kritischen Punkte an.

Es gehe auch um Eltern mit Kinderwagen, um Rollstuhlfahrer und um Menschen, die mit dem Rollator unterwegs sind, erklärt Nenninger. Behindertenparkplätze, abgesenkte Bordsteine und Aufzüge machen die Städte und Gemeinden nach und nach lebenswerter.

 

Problemfall Bahnhof: Trotzdem gibt es immer noch genug Stolperfallen und Hindernisse. "Der Kulmbacher Bahnhof ist ein vordringliches Problem", sagt der VdK-Kreisvorsitzende. Es hakt an vielen Stellen. Der politische Wille sei zwar meistens da, aber manchmal scheitert es am Geld und manchmal gelingt die Umsetzung nicht. Natürlich gebe es auch andere Grenzen. In den historischen Altstädten sei es selbstverständlich nicht möglich, sämtliches Kopfsteinpflaster durch behindertenfreundlicheren Asphalt zu ersetzen. "Wir müssen eben das Machbare machen", fordert Klaus Nenninger. Davon gibt es genug und noch eine Menge zu tun.

 

Einzelhändler reservieren Stellflächen: Viel getan haben nicht nur die Kommunen, sondern auch die Einzelhändler. Einkaufsmärkte in Kulmbach und der Region haben große Flächen vor ihren Geschäften reserviert und dort zahlreiche Schwerbehinderten- und Eltern-Kinder-Parkplätze ausgewiesen, stellt Klaus Nenninger fest.

Das Verständnis für die Situation der behinderten Menschen sei in den vergangenen Jahren viel besser geworden, freut sich der Vorsitzende des Kulmbacher VdK-Kreisverbandes. Er setzt sich zusammen mit den Kollegen weiter für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen ohne Barrieren ein. Nach Auskunft des Sozialverbandes leben in Deutschland schon mehr als 7,5 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Weitere 17 Millionen Erwachsene seien heute bereits dauerhaft in ihrem Alltag eingeschränkt. "In Zukunft werden es deutlich mehr sein, denn das durchschnittliche Lebensalter steigt", teilt der VdK mit.

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Mit unserer Frankenpost -Serie "Mobilität der Zukunft" stellen wir die Frage, wie wir künftig unterwegs sein werden. Technische Innovationen verändern unsere Fortbewegungsmittel. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es neue Ideen. Was heißt das für die Mobilität der Menschen in unserer Region?

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
09. 07. 2019
17:06 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2019
17:06 Uhr



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