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Kulmbach

Neue Biker braucht das Land?

Autofahrer sollen künftig ohne Prüfung mit dem Leichtkraftrad mobil sein, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Die Idee ist auch in Kulmbach heftig umstritten.



Motorrad-Händler Thomas Escher zeigt ein Leichtkraftrad der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Für die Maschine reicht ebenso wie für die Motorroller künftig schon der Autoführerschein, so lautet der umstrittene Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums. Fotos: Stefan Linß
Motorrad-Händler Thomas Escher zeigt ein Leichtkraftrad der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Für die Maschine reicht ebenso wie für die Motorroller künftig schon der Autoführerschein, so lautet der umstrittene Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums. Fotos: Stefan Linß   » zu den Bildern

Kulmbach - Der jüngste Motorradunfall hat sich am Samstag ereignet. Auf der Kulmbacher Nordumgehung wurde dabei ein 24-Jähriger schwer verletzt. Die sogenannten Biker gelten als Hochrisiko-Verkehrsteilnehmer. 699 Motorradfahrer haben 2018 auf deutschen Straßen ihr Leben verloren. Das waren 57 mehr als im Vorjahr. Voller Entsetzen reagieren deshalb der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, die deutschen Notärzte und die Fahrlehrer sowie der TÜV auf den Vorschlag von Andreas Scheuer (CSU). Der Bundesverkehrsminister möchte in Zukunft mehr Mobilität ermöglichen. Deshalb soll es auch Autofahrern mit Klasse-B-Führerschein erlaubt werden, ein Leichtkraftrad zu fahren, die Frankenpost berichtete. Voraussetzung sind fünf 90-minütige Fahrerschulungen. Die Fahrer müssen 25 Jahre alt sein und seit mindestens fünf Jahren den Führerschein der Klasse B besitzen. Eine Prüfung ist nicht nötig. In Kulmbach gibt es zu dem Vorstoß ganz unterschiedliche Meinungen.

Nachfrage ist da: Die Leichtkrafträder haben einen Hubraum bis zu 125 Kubikzentimeter. Ihre Motorleistung liegt bei maximal 15 PS, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 Stundenkilometer. Ein solcher Viertakter sei vergleichsweise harmlos, sagt Werner Schöpf. "Das ist ein aufgestocktes Moped", erklärt der Inhaber der Firma Schöpf Motorsport in Kulmbach. Die Nachfrage nach schwach motorisierten Zweirädern ist da. Insofern sei die Idee aus dem Ministerium, den Zugang zu erleichtern, nicht grundsätzlich schlecht.

Schaltung oder Automatik: Auch Thomas Escher hält den Vorstoß des Verkehrsministers für umsetzbar. Allerdings schlägt der Inhaber der Firma Sportbike Escher in Kulmbach mit Blick auf die Sicherheit eine Einschränkung vor. "Der Knackpunkt ist die Schaltung", erklärt der Fachmann. Wer zum ersten Mal mit der linken Hand kuppeln, mit dem Fuß schalten und der rechten Hand Gas geben will, der könne schnell überfordert sein. "Wer noch nie ein Schaltmoped gefahren ist, der wird Probleme haben", sagt Thomas Escher. Eine Lösung sei das Automatikgetriebe. Gas geben und Bremsen reicht dann vollkommen aus. "Jeder, der das Gleichgewicht halten kann, kommt damit klar", verspricht der Händler.

Im Verkehr mitschwimmen: Automatik sei bei den neuen Elektro-Rollern, die mit Strom betrieben werden, bereits der Standard. Mit dem Autoführerschein der Klasse B darf der Inhaber auch heute schon Roller und Mofas mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern fahren. Die Erweiterung auf die 125er-Klasse bringt aus Sicht von Thomas Escher den Vorteil, dass die Zweiradfahrer sicherer im Verkehr mitschwimmen können. Zudem werde das Leichtkraftrad dann verstärkt als Alternative zum Auto genutzt - ein Vorteil für die Umwelt und den Klimaschutz.

Den Vorteil für die Hersteller und Händler will der Kulmbacher gar nicht verschweigen. Die geplante Ausweitung der Fahrerlaubnis erschließt ihnen einen größeren Markt mit neuen Kunden.

Arbeit für mehr Sicherheit: Weniger angetan ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. Leichtkrafträder sind eine der gefährlichsten Fahrzeugklassen, erklären die Experten. In Oberfranken sind im Jahr 2018 knapp zwei Drittel der insgesamt 799 Motorradunfälle von den Bikern selbst verursacht worden, sagt die Polizei. Mit ihrer Arbeit für mehr Verkehrssicherheit will die bayerische Polizei ein Bewusstsein für die Gefahren schaffen. Die Motorradsternfahrt in Kulmbach zählt zu den großen Präventionskampagnen.

Dass die neue Idee des Bundesverkehrsministeriums zu mehr Sicherheit führen wird, daran gibt es anscheinend auch in München Zweifel. Das ebenfalls CSU-geführte bayerische Innenministerium hat Bedenken gegen den Vorstoß aus Berlin vorgebracht.

Vernünftige Ausbildung: Auch Fahrlehrer äußern sich kritisch. Michael Möschel, der Geschäftsführer und Inhaber der Verkehrsakademie-Gruppe in Kulmbach, gehört zu den Gegnern. "Eine 125er ist heute eher ein großes Motorrad als ein Moped", sagt er. "Wenn es uns ernst ist mit einer vernünftigen Fahrschulausbildung als Grundlage für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr, dann ist diese Idee nicht zu begrüßen."

Sollten künftig die sogenannten Leichtkrafträder auch für Menschen nur mit Autoführerschein erlaubt werden, dann habe das negative Auswirkungen auf die Unfallstatistik, glaubt Michael Möschel. Für die "Vision Zero" sei der Vorstoß sicherlich kontraproduktiv. Die Initiative wird in Schweden umgesetzt und in der EU langfristig angestrebt. Sie hat das Ziel, dass durch unterschiedliche Konzepte die Zahl der Verkehrstoten auf null gesenkt wird.

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Mit unserer Frankenpost -Serie "Mobilität der Zukunft" stellen wir die Frage, wie wir künftig unterwegs sein werden. Technische Innovationen verändern unsere Fortbewegungsmittel. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es neue Ideen. Was heißt das für die Mobilität der Menschen in unserer Region?

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
17:04 Uhr

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Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
17:04 Uhr



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