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Kulmbach

Neue Proteste bei Auto-Scholz

Zweiter Warnstreik mit Demonstrationszug: Arbeitnehmer wollen neue Verhandlungen über Haustarifvertrag.



Nach einer einstündigen Protestveranstaltung vor dem Firmensitz liefen die Mitarbeiter von Auto-Scholz zum Streiklokal. Foto: Stefan Schreibelmayer
Nach einer einstündigen Protestveranstaltung vor dem Firmensitz liefen die Mitarbeiter von Auto-Scholz zum Streiklokal. Foto: Stefan Schreibelmayer  

Bamberg/Kulmbach - Der Tarifstreit beim Mercedes-Vertragshändler Auto-Scholz eskaliert. Nach einem einstündigen Warnstreik Anfang Juni in den einzelnen Standorten gab es gestern eine weitere, diesmal mehrstündige und zentrale Protestveranstaltung am Unternehmenssitz in Bamberg inklusive Demonstrationszug Richtung Innenstadt. Auch viele Mitarbeiter aus Bayreuth und Kulmbach waren dabei.

Das Unternehmen

Auto-Scholz ist eine Unternehmensgruppe im Bereich Autohandel und Kfz-Werkstätten mit mehreren Marken, Sitz in Bamberg und Standorten in Nordbayern sowie Südthüringen und Südsachsen.

In der Gruppe arbeiten rund 1300 Beschäftigte. Im aktuellen Tarifstreit geht es um die gut 500 Mitarbeiter der Auto-Scholz GmbH & Co. KG in den Mercedes-Standorten Bamberg, Bayreuth, Kulmbach, Pegnitz und Forchheim. sts


Die Fronten sind verhärtet bei Auto-Scholz. Inhaber Michael Eidenmüller lehnt weitere Gespräche über einen neuen Haustarifvertrag ab, nachdem diese vor einigen Wochen abgebrochen worden waren. "Es gibt keinen Weg zurück", sagte er.

Was die Gewerkschaft IG Metall nicht akzeptieren kann und will. Sie sieht die Belegschaft hinter sich. Gut 180 Teilnehmer hatte sie für ihren gestrigen Warnstreik in Bamberg mobilisiert, auch aus Bayreuth und Pegnitz sowie Kulmbach war je ein Bus gekommen. "Mit der Beteiligung sind wir angesichts der bereits laufenden Urlaubszeit sehr zufrieden", sagten übereinstimmend Volker Seidel und Matthias Gebhardt, die ersten Bevollmächtigten der IG Metall für Oberfranken Ost und West. Die Werkstätten in den einzelnen Standorten seien weitgehend lahmgelegt. Was Eidenmüller bestritt. Es seien vor allem viele Sympathisanten aus anderen Bamberger Unternehmen vor Ort gewesen, habe er sich berichten lassen. Eidenmüller selbst hatte einen Termin Stuttgart.

Fakt ist: Es waren auch kleine Abordnungen unter anderem von Bosch, Schaeffler oder Brose vor Ort, die überwiegende Mehrheit aber waren eindeutig Scholz-Mitarbeiter. Und die sind sauer. Die Reden, die unter anderem die Gewerkschaftsvertreter, aber auch Gesamt-Betriebsratsvorsitzender Rainer Merkel und Betriebsseelsorger Manfred Böhm vor dem Unternehmenssitz halten, werden immer wieder von Beifall unterbrochen. Kommt die Sprache auf den Arbeitgeber, gibt es ein gellendes Trillerpfeifen-Konzert. Transparente und Fahnen flattern im Wind. Anschließend formiert sich ein Demonstrationszug, der sich etwa eine Viertelstunde zum Streiklokal bewegt, während die Polizei die verkehrsreiche Memmelsdorfer Straße halbseitig sperrt. Für die Gewerkschaft auch ein Mittel, den Protest in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Forderung der IG Metall ist ein neuer Haustarifvertrag, der sich an den allgemeinen Branchentarifvertrag anlehnt. Dieser ist gerade erst ausgehandelt worden und sieht unter anderem eine auf zwei Jahre verteilte Lohnerhöhung von 5,3 Prozent vor. Wobei Gewerkschafter Seidel darauf verweist, dass der bisherige Haustarifvertrag bei Scholz schon hinter dem allgemeinen hinterherhinke - bei der Bezahlung, bei der Arbeitszeit und bei den Sonderzahlungen.

Was Eidenmüller gar nicht bestreitet. "In einzelnen Punkten liegen wir schon dahinter." Allerdings gelte der Branchentarifvertrag nur für sehr wenige Betriebe. Auto-Scholz liege bei den Personalkosten 25 Prozent über dem Durchschnitt der Mercedes-Vertragshändler in Deutschland. Man könne sich die Tariferhöhungen schlicht nicht leisten, "auch weil wir sie nicht wie etwa die Industrie an die Kunden weitergeben können".

Die Gewerkschaft verweist dagegen darauf, dass die Mitarbeiter die Sicherheit eines Tarifvertrags wollen, wie er ja bei Scholz viele Jahre gegolten habe. "Wir haben verzichtet, als es dem Unternehmen nicht so gut ging", sagt etwa Peter Blaseck, Betriebsrat in Bayreuth. Dass jetzt, wo es wieder besser laufe, sogar der Tarifvertrag wegfallen solle, mache die Beschäftigten traurig und wütend, aber auch kampfbereit.

Mittlerweile hat die Geschäftsführung den Mitarbeitern Einzelverträge angeboten, in denen auch eine Lohnerhöhung von je 1,5 Prozent für 2019 und 2020 vorgesehen ist. Betriebsratsvorsitzender Merkel rät seinen Kollegen dringend ab, das zu unterschreiben: "Weil sie dann auf viele Rechte verzichten würden." Etwa ältere Mitarbeiter, die bislang noch deutlich günstigere Verträge besäßen. Manfred Böhm von der katholische Betriebsseelsorge Bamberg rief den Streikenden zu, ihre Aktion sei richtig, Lohnsicherheit wichtig. Und: Kein Unternehmen könne sich unzufriedene Mitarbeiter leisten.

Die Gewerkschaft will weiter versuchen, Eidenmüller an den Verhandlungstisch zu bekommen. Sollte das nicht gelingen, seien sie aber auch bereit zu einer Urabstimmung. Komme dort der entsprechende Wille zum Ausdruck, sei auch ein unbefristeter Streik möglich. Die Mitarbeiter scheinen auch dazu bereit, so war jedenfalls gestern die Stimmung.

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Stefan Schreibelmayer
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Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
17:46 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
17:46 Uhr



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