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Kulmbach

Platteln mit den "Schmiedsmadla"

Die Naturkräuterschmiede in Harsdorf steht nicht nur für zünftige Speisen. Die drei Schwestern der Inhaberfamilie Feulner heizen den Gästen auch mal mit Schuhplattler ein.



Die Schwestern Katharina Feulner, Elisabeth Feulner und Carolin Ponfick (von links) tauschen im elterlichen Hofcafé gerne mal das Tablett gegen Lederhose und Trachtenbluse ein. Dann bringen sie die Gäste mit ihrem Schuhplattler in Stimmung.	Foto: Henrik Vorbröker
Die Schwestern Katharina Feulner, Elisabeth Feulner und Carolin Ponfick (von links) tauschen im elterlichen Hofcafé gerne mal das Tablett gegen Lederhose und Trachtenbluse ein. Dann bringen sie die Gäste mit ihrem Schuhplattler in Stimmung. Foto: Henrik Vorbröker   » zu den Bildern

Harsdorf - Der unverwechselbare Duft von gegerbten Lederhosen liegt in der Luft: Heute ist das Hofcafé in Harsdorf ein Tanzsaal für den wohl volkstümlichsten Tanz, den es gibt - den Schuhplattler. Doch was sucht die oberbayerische Tradition ausgerechnet hier in Oberfranken? Die Familie Feulner ist immer für eine Überraschung gut.

Woher kommt der Schuhplattler?

Der Schuhplattler beziehungsweise das Schuhplatteln kommt ursprünglich aus dem östlichen Alpenraum. Der Begriff Schuhplattler bezeichnet gleichzeitig die Personen, die den Tanz ausführen. Im Laufe seiner Geschichte hat der Schuhplattler viele Veränderungen durchlebt: Während es in der freien Form als Einzelpaartanz lange Tradition war, dass der Bursche das mit ihm tanzende Mädchen umwarb, wurde die weibliche Beteiligung zusehends weniger. In der heutigen Praxis wird der Schuhplattler als Gruppentanz und meist zu Schauzwecken aufgeführt.

 

Denn egal, ob Hofcafé, die über 250 Jahre alte Schmiede oder das Wissen um die heilende Wirkung der Naturkräuter von Mutter Gabriele: Familie Feulner hat immer wieder neue Ideen für ihren Heimatort. Seit einiger Zeit arbeiten auch die Töchter im Café mit, und die stehen ihren Eltern, was den Einfallsreichtum angeht, in keiner Weise nach: Katharina Feulner, Elisabeth Feulner und Carolin Ponfick bringen sich nämlich neben ihrem Einsatz in der Küche und im Service zusätzlich noch auf ihre ganz eigene Weise im Familienbetrieb ein: Sie platteln.

 

Wann immer Zeit ist und die Gäste, die gerade im Lokal bewirtet werden, in Stimmung sind, ziehen die drei Schwestern ihre Lederhosen und Trachtenblusen an und geben den Traditionstanz zum Besten. Den Schuhplattler, der sich vor allem durch Handschläge auf Oberschenkel und Schuhe auszeichnet, beherrschen die drei "Schmiedsmadla" schon lange. Der Name wurde ihnen in die Wiege gelegt, wie Carolin Ponfick erklärt: "Wann immer wir drei zusammen unterwegs waren und uns Freunde oder Bekannte auf der Straße gesehen haben, hieß es: ‚Ah, schau her - die Schmiedsmadla‘." Das liege natürlich an der alten Schmiede der Familie, die man im Ort kennt. "Dass wir jetzt auch zu dritt auf der Bühne stehen und platteln, passt da wunderbar."

Wie sind sie auf die Idee gekommen, gemeinsam aufzutreten? Angefangen hat alles ganz spontan auf einer Geburtstagsfeier vor vier Jahren, daheim im Hofcafé: "Wir hatten Gäste zu bewirten und die Stimmung war ausgesprochen gut. Plötzlich fragte uns der Gastgeber, ob wir zufällig platteln können - das war dann unser erster Auftritt", erinnert sich Elisabeth Feulner. Dann ging alles ganz schnell, es folgte Auftritt auf Auftritt. Mit Schuhplattler-Varianten wie dem "Watschenplattler", bei dem man sich schnell ducken muss, um sich keine Ohrfeige einzufangen, oder dem "Leisachtaler" begeisterte Tochter Carolin ihr Publikum auf der Grünen Woche in Berlin oder auf privaten Hochzeiten bis hinunter an den Chiemsee. Sogar Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kam auf der Landesgartenschau 2016 in Bayreuth in den Genuss, eine der drei Schwestern beim Platteln zu sehen.

Trotz des Erfolgs muss sich das Trio manchmal in der männerdominierten Plattler-Szene durchsetzen: "Nicht allen gefällt es, dass Frauen platteln. Wir haben es tatsächlich schon erlebt, dass der ein oder andere mürrisch reagiert hat - ja, wir wurden deshalb sogar schon einmal ausgebuht. Aber da stehen wir drüber", sagt Carolin Ponfick. Den meisten gefalle, was die drei Schwestern auf der Bühne präsentieren, und nicht zuletzt sei es auch der Spaß am Platteln, der im Vordergrund stehe. Da sind sich die drei "Schmiedsmadla" einig.

Und so nehmen sie sich fest vor, noch viele Feste und Feiern zu "beplatteln". Wer mag, kann die drei Schwestern und ihre Tanzkunst sogar für seine eigene Veranstaltung buchen. Ein Anruf im Hofcafé Harsdorf genügt: "Wenn wir alle Zeit haben und das Interesse der Leute weiter besteht, darf es gerne so weiter gehen. Wir lieben das Platteln", sagt Katharina Feulner.

Doch Vorsicht an alle, die mit dem Gedanken spielen, die drei "Schmiedsmadla" aus Harsdorf zu buchen: Es kann leicht passieren, dass man sich als Zuschauer mit dem Plattler-Virus infiziert. Dann findet man sich plötzlich auf der Bühne wieder und schlägt im Takt der Musik seine Hände an die Schuhkanten und auf die Oberschenkel. Eine schweißtreibende Beschäftigung, nach der sich jeder Muskel doppelt so groß anfühlt wie zuvor - auch der Lachmuskel.

 

 

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Henrik Vorbröker
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Veröffentlicht am:
14. 01. 2019
17:34 Uhr

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Henrik Vorbröker

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14. 01. 2019
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