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Kulmbach

Reformationsfest im Zeichen der Ökumene

Einträchtig feiern katholische und evangelische Christen in Kulmbach das Lutherjubiläum. In seiner Festpredigt schlägt Dekan Thomas Kretschmar aber auch kritische Töne an.



Gelebte Ökumene: Zum Reformationsgottesdienst zog auch der Katholische Dekan Hans Roppelt gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Dekan Thomas Kretschmar und anderen Geistlichen in die Kulmbacher Petrikirche ein.	Fotos: Werner Reißaus
Gelebte Ökumene: Zum Reformationsgottesdienst zog auch der Katholische Dekan Hans Roppelt gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Dekan Thomas Kretschmar und anderen Geistlichen in die Kulmbacher Petrikirche ein. Fotos: Werner Reißaus   » zu den Bildern

Kulmbach - "Wow, gut voll heute die Petrikirche! Und Sie kommen alle beim nächsten Jubiläum wieder?" Mit dieser Frage eröffnete Dekan Thomas Kretschmar am Dienstag den Dekanatsgottesdienst zum Reformationsfest in der Petrikirche. Der Dekan rief dazu auf, wieder viel mehr im Freundeskreis von Gott zu sprechen: "Wir können nur gemeinsam die Kirche erneuern. Nur wenn wir fröhlich von unserem Glauben reden, dann kann der Funke überspringen."

Unter den mächtigen Orgelklängen von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn zog Dekan Thomas Kretschmar mit den Pfarrern des Dekanats Kulmbach und seinem katholischen Mitbruder, Dekan Hans Roppelt, in die Petrikirche ein. Für eine festliche Musik sorgten ferner der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Andreas Dietz sowie der Kirchenchor (Leitung Esther Heller) und der katholische Dekanatskirchenmusiker Wolfgang Trottmann, der zusammen mit Ingo Hahn nach dem Glaubensbekenntnis eine ökumenische Orgelmusik zu vier Händen erklingen ließ.

Einen Überraschungseffekt gab es, als Pfarrer Gerhard Bauer zu einem Gebet ansetzte und plötzlich jemand dazwischenrief: "Heiliger Geist, die heilige christlich Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, also ganz ehrlich, wenn ich mich mal so umschaue in der Kirche, dann weiß ich nicht, ob heilig der richtige Begriff ist, eher ist scheinheilig das Passende. Wenn ich so in die Reihen und auch den Einzug zum Festgottesdienst betrachte, da gehen die Schwarzröcke, die Pfarrer vorne dran und wenn ich Sie, liebe Gottesdienstbesucher anschaue, wie sie beim Gebet so bedächtig dastehen, da frage ich mich schon, wo ist hier die Gemeinschaft geblieben, wo ist der Heilige Geist? Scheinheilig oder heilig, das ist die Frage." Dargestellt wurde die Szene vom Dekanatsjugendreferent Stefan Ludwig.

Dekan Thomas Kretschmar verwies auf 500 Jahre Reformation: "Aber eigentlich ist es nur ein Viertel von unserer Christenheitsgeschichte. Viel, viel mehr Zeit ist vorher schon vergangen und deshalb wollen wir uns mit einem Lied auf diese 2000 Jahre Kirche einstimmen." Das Gemeindelied "Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist" ist um das Jahr 1000 in lateinischer Sprache entstanden, aber mit der Reformation wurde der Text selbstverständlich deutsch. Und diesen Heiligen Geist benötigen die Menschen nach Worten des Dekans auch heute. 30 000 evangelische Christen zählt das Dekanat Kulmbach heute. Doch auch, wenn die Petrikirche nahezu voll besetzt war, war nur ein Teil davon anwesend, die zur Kirche und damit zur Gemeinschaft gehören.

Für den Dekan stellt sich die Frage, was nach so einem Jubiläumsjahr eigentlich übrigbleibt. Zumindest Tausende von Büchern, die die Besucher des Festgottesdienstes zum Teil auch noch kaufen konnten. Aber auch viele Zeitungsartikel und unendlich viele Predigten. Dekan Thomas Kretschmar: "Aber, was bleibt eigentlich? Eine Kirchenschelte des Jugenddiakons, aber für mich bleibt vor allem die Ökumene, denn das war bei den letzten Reformationsjubiläen noch nicht der Fall. 1817, 1917, da ging es bei dem Reformationsjubiläum um Deutsch sein, evangelisch sein, aber dass es auch noch andere Christen gibt, war einfach noch nicht im Blick."

Dekan Thomas Kretschmar verwies auf den gemeinsamen Gottesdienst der Protestanten mit den Katholiken in der Stadtkirche zur "Unseren lieben Frau" unter dem Motto "Feeling of Memories": "Da haben wir versucht, all das rüberzubringen, was wir uns an Verletzungen in all den 500 Jahren gegenseitig angetan haben - und das nicht nur während des Dreißigjährigen Krieges, sondern auch noch vor einigen Jahrzehnten. Da ist noch so manches hin- und hergegangen. Jetzt können wir sagen, wir feiern das Jubiläum ökumenisch, auch wenn wir noch nicht alles gemeinsam machen können."

Das Reformationsjubiläum bleibt laut Kretschmar aber auch ein ganz großes Event, auch wenn manche feststellen, es ist alles nur Show. Aber die Evangelische Kirche war in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach Einschätzung des Dekans noch nie so positiv in den Medien: "Ich habe aber auch den Eindruck, wir müssen noch mehr ins Gespräch kommen mit den Menschen, bevor wir den Inhalt rüberbringen können. Eigentlich wissen wir ja alle, wie es in unserer Kirche ausschaut, wir brauchen ja gar keine großen Meinungsumfragen oder Statistiken. Wir wissen, dass unsere Gottesdienste normalerweise viel, viel schlechter besucht sind als heute - und die Austrittszahlen sind auch zu hoch."

Die Fakten rund um Kirche mit Glauben und Gott sind wie der Dekan ehrlich feststellte, "grottenschlecht", aber das Grundwissen dazu scheint zu fehlen und das war wohl auch schon zu Zeiten von Martin Luther so. Dekan Thomas Kretschmar: "Um das Glaubenswissen war es damals auch schon schlecht bestellt, sonst hätte man es ja schnell erkannt, dass das mit dem Ablass gar nicht so funktionieren kann, wenn man ein bisschen Geld in den Kasten wirft, dass dann die Seele aus dem Fegefeuer springt. Ich habe den Eindruck, vieles von dem, haben die Leute bis heute noch nicht begriffen. Jeden Tag versucht unsere Gesellschaft, sich selber zu erlösen mit Leistung, Leistung, Leistung."

Die große Frage war für Dekan Thomas Kretschmar: "Was bleibt uns eigentlich zu tun? Was können wir eigentlich machen, um die Kirche zu erneuern, damit sie wirklich neu wird und damit die Menschen neu an Gott glauben können? Wir, all die aktiven Christen, die heute da sind und noch dazu die, die nicht in die Kirche kommen und trotzdem dazu gehören." Man müsse sowohl über Gott als auch über Christus reden: "Die Menschen heutzutage wissen ja nicht einmal, ob sie an Gott glauben sollen geschweige denn an das, was Christus getan hat. Wenn es aber Menschen gibt, die mit dem Gott nichts mehr anfangen können, dann fehlt etwas, was Transparenz in das Leben hineinbringt."

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
02. 11. 2017
00:00 Uhr

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Autor

Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
02. 11. 2017
00:00 Uhr



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