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Kulmbach

Schweinebraten zum Frühstück

Tobias Stiehle machte seine Ausbildung in einem Fünf-Sterne-Hotel im Schwarzwald. Nun kocht er im Eurorastpark Himmelkron.



Tobias Stiehle ist Mietkoch und arbeitet regelmäßig für den Eurorastpark in Himmelkron. Fotos: Rebecca Ricker
Tobias Stiehle ist Mietkoch und arbeitet regelmäßig für den Eurorastpark in Himmelkron. Fotos: Rebecca Ricker   » zu den Bildern

Himmelkron - Tobias Stiehle sticht in den Krustenbraten, der in der Vitrine liegt und schneidet eine Scheibe ab. Stiehle kocht hier im Eurorasthof Himmelkron. Er verkauft auch die Gerichte am Tresen. Auf der Karte stehen neben Schweinebraten und Leberkäse auch Käsespätzle und Gyros. Gyros ist der Verkaufsschlager, etwa 40 Mal verkauft Tobias Stiehle das Gericht pro Tag. Gerade bei Lkw-Fahrern aus Osteuropa sei das beliebt. Daneben kaufen die Kunden auch oft Schnitzel und Currywurst.

Was macht ein Mietkoch?

Tobias Stiehle ist seit 2009 Mietkoch. Das bedeutet: Er ist selbstständig. Er fragt bei Restaurants an, ob sie Hilfe brauchen. Dann arbeitet er für ein paar Monate dort. Dafür muss er fast immer umziehen. Wenn Stiehle mal keinen Job findet, fragt er bei einer Agentur an. Die vermitteln ihm für Geld eine Stelle. Der Vorteil der Agenturen: Stiehle fragt an und habe am nächsten Tag schon ein Angebot.


Tobias ist Mietkoch, seit Mitte Juli arbeitet er hier. Er spricht so leise, dass man in kaum versteht. Stiehle kommt aus einem Dorf nahe Ulm, lebt aber mittlerweile in Bamberg. Er arbeitet 4 oder 5 Tage die Woche hier und übernachtet in der Zeit im Hotel.

Gelernt hat er in einem 5-Sterne-Hotel im Schwarzwald. Die Arbeit macht ihm Spaß. Ob er in einer gehobeneren Küche oder im rustikalen Autorasthof arbeite sei ihm egal. Auch am Autorasthof werde alles frisch gekocht. "Gerade als Mietkoch ist die Arbeit sehr abwechslungsreich und auch relativ frei. Ich kann mir ein Tagesgericht überlegen. Man muss natürlich auch kochen, was auf der Karte steht. Aber jeder macht das auch anders. Ich zum Beispiel mache den Schweinebraten erst eine Stunde mit Dampf warm, erst dann drehe ich den Ofen auf 180 Grad hoch. Damit bleibt die Kruste saftig und wird trotzdem kross."

Nachdem er acht Jahre in unterschiedlichen Restaurants gearbeitet hatte, machte er sich 2009 selbstständig. Die Arbeit in wechselnden Gaststätten gefällt ihm. "Ich bin ein Mensch, der sich schnell langweilt. Jetzt kann ich hinkommen, kochen und dann auch wieder weiterziehen", sagt Stiehle.

"Meine Oma sagt, ich hätte schon als Vierjähriger Koch werden wollen." Als Kind kochte er ständig mit seiner Mutter oder Großmutter. "Bei meiner Oma gab es einfache Sachen, die einfach schmecken. Fleischpflanzerl zum Beispiel." Tobias Stiehle kocht aber auch gerne vegetarisches und veganes Essen. So zum Beispiel auch im Bamberger Restaurant Kleehof, in dem er nebenher arbeitet. "Die Leute denken immer nur an Tofu und Soja. Aber Bratkartoffeln mit Öl oder Klöße mit Gemüse und Zwiebeln sind ja auch vegan."

Für seinen Job ist er viel unterwegs. Er war schon in Gaststätten in Köln, in bayerischen Wirtshäusern und in einem Fischrestaurant auf Sylt. Freunde habe er deswegen überall in Deutschland. In den Ferien ist Tobias Stiehle in Bamberg bei seiner Frau und der kleinen Tochter, oder eben "daheim" bei seiner Familie in Ulm.

Die Arbeit am Autohof empfindet er nicht als gehetzt. Auch wenn manchmal 30 Leute anstehen. "Stress macht man sich nur selbst", sagt er. Die Kunden seien hier auch entspannter, weil viele in den Urlaub fahren. Außerdem seien die Ansprüche der Gäste nicht so hoch wie bei einem normalen Restaurant.

Oft kommen Kunden, die kein Deutsch oder Englisch sprechen. Viele der Lkw-Fahrer seien aus osteuropäischen Ländern. Für die Kunden gibt es daher Menüs in Englisch, Russisch, Polnisch und Kroatisch. Auch ein Küchengehilfe von Stiehle spricht nur Bulgarisch. "Die Leute, die hier arbeiten, sind ja nicht dumm, die wissen, was sie tun müssen. Wenn ich noch Leberkäse übrig habe, dann gebe ich ihm was. So verstehen wir uns gut."

Die Köche arbeiten in zwei Schichten. Von 6 Uhr bis 12 Uhr und von 12 Uhr bis 22 Uhr. Hier am Autohof müsse man auch schon fürs Frühstück Schweinebraten und Schnitzel vorbereiten. "Oft kommen LKW-Fahrer, die schon Stunden gefahren sind und was Richtiges essen wollen", berichtet Stiehle.

Gerne würde Tobias Stiehle nochmal in Frankreich in einem Sterne-Restaurant arbeiten, sagt er. Am besten gefiel es ihm in seinem bisherigen Arbeitsleben auf Sylt. "Es geht mir dabei nicht mal ums Kochen. Da sind einfach die schönsten Sonnenuntergänge."

Autor

Rebecca Ricker
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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
00:00 Uhr

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Rebecca Ricker

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
00:00 Uhr



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