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Kulmbach

Solidarität für den Klimawald

In Bayreuth haben Freiwillige mehr als 4700 Bäume gesetzt. Studenten haben das Projekt "Klimawald" ins Leben gerufen.



Fast 300 Freiwillige helfen, den Klimawald zu pflanzen. Udo Wenzel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Stadtförster Dirk Muschik und die Studenten Nikunj Pathak, Kun Woo Ro und Theresa Landwehr achten darauf, dass alles reibungslos klappt.	Foto: Andreas Harbach
Fast 300 Freiwillige helfen, den Klimawald zu pflanzen. Udo Wenzel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Stadtförster Dirk Muschik und die Studenten Nikunj Pathak, Kun Woo Ro und Theresa Landwehr achten darauf, dass alles reibungslos klappt. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth - Sie sind mit Spaten, Handschuhen und Gießkannen ausgestattet. Und sie helfen, die Kohlendioxid-Bilanz der Stadt Bayreuth zu verbessern. Über 4700 Bäume werden in drei Tagen von 270 Helfern gepflanzt. Denn die Elsbeeren, Traubeneichen, Douglasien, Baumhaseln, Esskastanien, Vogelkirschen, Weißtannen, Hainbuchen, Rotbuchen und Winterlinden sind nicht nur widerstandsfähig. Sie speichern Kohlendioxid, das für die Erderwärmung verantwortlich ist. Zugleich halten sie einem Temperaturanstieg von zwei Grad stand.

Rote und blaue Linien auf einem Plakat zeigen den Trend: Von 1881 bis 2018 haben sich die Temperaturen in Deutschland um 1,5 Grad erhöht, global um ein Grad. Die Studenten, die das Vorhaben Klimawald ins Leben riefen, haben die Grafik neben anderen an die Außenseite eines Bauwagens geheftet. Sie wollen etwas Konkretes für den Klimaschutz unternehmen. "Wir wollen zeigen, dass man vor Ort etwas verändern kann", sagt Theresa Landwehr, die mit Nikunj Pathak aus Indien und Kun Woo Ro aus Südkorea die Idee zu der Pflanzaktion hatte.

Die drei studieren an der Universität Global Change Ecology. Der Studiengang ist international ausgerichtet. Mit dem Klimawald Bayreuth wollen sie zugleich Verantwortung für klimaschädliche Emissionen übernehmen, die sie selbst zum Beispiel durch Flugreisen produzieren. Bäume speichern langfristig Kohlenstoff. Ein Wald, der vor allem aus Fichten und Kiefern besteht, ist nicht besonders klimatolerant. "Durch den Borkenkäfer haben wir bereits Schäden erlitten", sagt Udo Wenzel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der den Forstbereich leitet und das Vorhaben begleitet. Die Baumarten, die nun gepflanzt werden, sind robust und tiefwurzelnd. 270 Freiwillige setzen diese in drei Schichten täglich ein. Noch mehr Leute hätten sich beteiligen wollen, dabei seien schon mehr als geplant im Einsatz, sagt Theresa Landwehr über die große Resonanz. 30 statt 25 Helfer pflanzen jeweils 53 Setzlinge am Tag. "80 Prozent sind Studenten", sagt die gebürtige Osnabrückerin. Schüler, Familien und die Katholische Hochschulgemeinde haben sich gemeldet.

Im Februar fingen die Vorbereitungen an. Ein Logo, eine Webseite, Ankündigungen über soziale Medien folgten. Das AELF beantragte Fördermittel beim bayerischen Landwirtschaftsministerium. Das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung, der Ökologisch-Botanische Garten, die Stadtförsterei und die Hospitalstiftung wurden mit ins Boot geholt. Der Stiftung gehört der Wald hinter den Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Wo nun auf der Fläche von einem Hektar der Klimawald mit genau 4719 Bäumen wachsen soll. Noch sind die neuen Bäume kaum erkennbar: Zarte Triebe, die in vorgegebenen Abständen gesetzt werden. "Die Wurzeln müssen mit Erde bedeckt sein", sagt Laura Hufnagel, die dabei ist, ein Loch auszuheben. Die angehende Ingenieurin las auf Twitter von der Pflanzaktion und meldete sich. "Damit tut man etwas Zukunftsträchtiges", findet sie, "wenn der Wald Bestand hat."

Eine Schülerin aus ihrem Team gießt die Pflanze an, die einmal eine stattliche Traubeneiche werden soll. Die Biologie-Studenten Xaver Peschel und Tom Bendig packen mit an. "Man redet nicht nur und kann wirklich etwas für die Umwelt tun", sagt Xaver Peschel. "So kann es nicht mehr weitergehen, weil die Politik nichts tut." 3000 Liter Wasser wurden bereits vergossen, berichtet Stadtförster Dirk Muschik, der die Tanks bereitstellte. Mit seinen Kollegen hat er Zäune gegen Wildtiere aufgestellt und die Fläche unterteilt. Schilder zeigen den Unterstützern, wo welche Baumart hin soll.

Wenn es weiterhin wenig regnet, könnte dies den jungen Bäumen zum Verhängnis werden. "Eigentlich bräuchten wir ein anderes Wetter", sagt Udo Wenzel. Der Lehmboden sei jetzt schon relativ trocken. Das Gießen hilft nicht, "es sollte irgendwann regnen".

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Ute Eschenbacher
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Veröffentlicht am:
30. 04. 2019
17:36 Uhr

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Ute Eschenbacher

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30. 04. 2019
17:36 Uhr



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