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Kulmbach

Turm wird zur qualmenden Fackel

Erst ein massiver Lösch- angriff mit 28 000 Litern Wasser pro Minute dämmt die Flammen ein. Der Brand ist zehn Jahre her.



Der Südwestwind treibt den schwarzen Rauch in die Kulmbacher Innenstadt. Der EKU-Turm steht in Flammen. Fotos: Feuerwehr Kulmbach/Stadtarchiv
Der Südwestwind treibt den schwarzen Rauch in die Kulmbacher Innenstadt. Der EKU-Turm steht in Flammen. Fotos: Feuerwehr Kulmbach/Stadtarchiv   » zu den Bildern

Kulmbach - Die Bilder von der brennenden Pariser Kathedrale Notre-Dame vor wenigen Tagen lassen die Erinnerung an den Großbrand in Kulmbach im Jahr 2009 wach werden. Damals ging der alte EKU-Lagerturm in Flammen auf und hüllte die halbe Stadt in eine schwarze Rauchwolke. Das Ereignis jährt sich am 6. Mai zum zehnten Mal.

Es ist ein sonniger Frühlingstag in Kulmbach. Das Wetter ist herrlich. Auf dem Volksfest am Schwedensteg beginnt der Familiennachmittag. Und in der EKU-Straße geht routinemäßig der Abriss des Brauerei-Turms voran. Im nächsten Moment müssen die Mitarbeiter um ihr Leben rennen.

Schon auf der Anfahrt zum Einsatzort sehen Kreisbrandinspektor Thomas Limmer und Stadtbrandmeister Michael Weich das Ausmaß. Sie lassen Vollalarm auslösen für die Wehren Kulmbach, Melkendorf und Katschenreuth und für das Technische Hilfswerk Kulmbach. Als die beiden Feuerwehrleute kurz nach der Alarmierung um 13.37 Uhr in der EKU-Straße ankommen, steht der Turm der Brauerei bereits in Flammen. Das 44 Meter hohe ehemalige Bierlager wird zu einer riesigen qualmenden Fackel.

Kilometerweit ist das Inferno zu sehen. Etliche besorgte Kulmbacher setzen einen Notruf ab.

Der Bauleiter der Abrissfirma war der Erste, der die 112 gewählt hatte. Ihm war schnell klar, dass seine eigenen Versuche mit dem Feuerlöscher nichts ausrichten werden. Die Kulmbacher Brauerei hatte zuvor den Abbruch des nicht mehr benötigten Gebäudes beschlossen. Stück für Stück sollte der 1968 errichtete Turm zurückgebaut werden.

Die beauftragten Spezialisten wollen am 6. Mai gegen 13.30 Uhr einen der Gär- und Lagertanks entfernen. Bei der Arbeit mit einem Schneidbrenner auf dem Dach flammt plötzlich ein kleinerer Brand auf. Die Feuerlöscher können ihn nicht in Schach halten. Die Flammen breiten sich in Windeseile aus. Sie fressen sich in der Stahlkonstruktion durch die Styropor-Dämmung und die Verkleidung aus Aluminiumblech. Der Bauleiter erkennt die Situation und evakuiert sofort alle seine Mitarbeiter. Im letzten Moment gelingt ihnen über das Treppenhaus die Flucht aus der siebengeschossigen Flammenhölle.

Kreisbrandmeister Jürgen Hochgesang hat zusammen mit dem damaligen Einsatzleiter Thomas Limmer und mit Michael Weich die dramatischen Ereignisse des 6. Mai 2009 genau festgehalten und dokumentiert. Sie erzählen, wie der Großeinsatz abgelaufen ist:

THW informiert über Lautsprecher: Die ersten Löschfahrzeuge sind nach wenigen Minuten am Unglücksort. Die Feuerwehrleute zapfen die Hydranten an und beginnen mit dem Löschen. Derweil informiert das THW mit Lautsprecherdurchsagen die Bevölkerung. Denn in Richtung Innenstadt zieht eine schwarze Rauchwolke. Aus Sicherheitsgründen wird das Kulmbacher Volksfest sofort geschlossen.

58 Atemschutzgeräteträger: Um den Kulmbacher Kameraden zu helfen, eilen die Wehren aus Mainleus, Schwarzach, Rothwind, Neudrossenfeld und Kasendorf sowie die ständige Wache der Feuerwehr Bayreuth an den EKU-Turm. Weil der Qualm den Verkehr auf der angrenzenden Zugstrecke beeinträchtigt, wird der Notfallmanager der Deutschen Bahn verständigt. Die Feuerwehr richtet eine Atemschutzsammelstelle in der Kronacher Straße ein. Im Verlauf des Einsatzes kommen 58 Geräteträger zum Einsatz.

Das Feuer entwickelt nicht nur viel Qualm, sondern auch eine enorme Hitze. Die Feuerwehrleute versuchen, die nahen Wohnhäuser in der Penselstraße zu schützen.

Dachgaube der Malzfabrik brennt: In der angrenzenden Unima-Malzfabrik ist bereits eine Dachgaube in Brand geraten. Mehrere Feuerwehr-Einheiten richten eine sogenannte Widerstandslinie ein. Mit Wenderohr, drei tragbaren Wasserwerfern und mehreren C-Rohren gelingt es ihnen, die Malzfabrik vor den Flammen zu retten.

Verstärkung kommt: Als Verstärkung trifft die Thurnauer Feuerwehr ein. Das Bayerische Rote Kreuz ist mit 70 Kräften im Einsatz, darunter mehrere Notärzte und der Rettungshubschrauber Christoph 20. Die Polizei sperrt den Unglücksort weiträumig ab, denn es könnten die tragenden Stahlstützen einstürzen und die Aluverkleidung abfallen. Im Polizeihubschrauber macht sich Einsatzleiter aus der Luft ein Bild von der Lage.

Löschangriff zeigt Wirkung: Der massive Löschangriff zeigt allmählich Wirkung. Mit drei Wenderohren, sechs tragbaren und einem fahrbaren Werfer, drei Schaumrohren, sieben B-Rohren und zehn C-Rohren sowie 1400 Liter Schaummittel dämmen die Feuerwehrleute die Flammen ein. In Spitzenzeiten löschen sie mit bis zu 28 000 Litern Wasser pro Minute die Flammen.

Das BRK alarmiert weitere Kräfte von Wasserwacht, DLRG und Bergwacht. Im städtischen Bauhof wird eine Verletztensammelstelle eingerichtet. Im Feuerwehrzentrum Kulmbach gibt es eine Verpflegungsstation für die Kräfte, denn der Einsatz wird noch viele Stunden dauern.

Ausgebrannte Ruine: Um 15.20 Uhr gibt die Feuerwehr Entwarnung für die umliegenden Gebäude. Dort besteht keine Gefahr mehr. Um 17 Uhr dringen Feuerwehrtrupps bis zum völlig zerstörten Dachgeschoss vor. Eineinhalb Stunden später ist für alle auswärtigen Feuerwehren der Dienst vorüber. Die Kulmbacher Wehr bleibt mit einem kompletten Löschzug bis 20.30 Uhr an der ausgebrannten Ruine.

Um 21.26 Uhr flammt das Feuer am Dach noch einmal kurz auf. Es wird gelöscht. Die Feuerwehr misst zur Kontrolle aus der Ferne regelmäßig die Temperatur. Erst am Folgetag gegen 12 Uhr kann sie Entwarnung geben. Mehrere Gasflaschen, die sich in dem Turm befanden und glücklicherweise nicht in die Luft geflogen sind, werden mit einem Kran aus dem Gebäude gehoben. Am 7. Mai 2009 um 18 Uhr ist einer der größten Feuerwehreinsätze in der Geschichte der Stadt beendet.

17 Verletzte: Das BRK musste 17 Verletzte versorgen. Die meisten hatten eine Rauchgasinhalation, es gab zwei Prellungen und eine Sprunggelenkfraktur. Es hätte schlimmer kommen können - da sind sich alle Beobachter einig. Heute erinnert nichts mehr an das Unglück. An der Stelle befindet sich ein Parkplatz.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
17:18 Uhr

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Stefan Linß

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17. 04. 2019
17:18 Uhr



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