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Kulmbach

Viele Mahner für mehr Menschlichkeit

Rund 350 Menschen entzünden am späten Sonntagnachmittag "Lichter gegen Hass". Zum stillen Protest gegen Hass, Hetze und rechtsradikales Denken, hatten die Kulmbacher Kirchen aufgerufen.



Rund 350 Kulmbacher aller Generationen bildeten die 600 Meter lange Lichterkette zwischen den beiden Kirchen.	Fotos: Gabriele Fölsche
Rund 350 Kulmbacher aller Generationen bildeten die 600 Meter lange Lichterkette zwischen den beiden Kirchen. Fotos: Gabriele Fölsche   » zu den Bildern

Kulmbach - Die Kirche "Unsere Liebe Frau" war am Sonntag nach Einbruch der Dunkelheit übervoll. Voll mit Kulmbachern, die ein Zeichen setzen wollten gegen Hass und Hetze. Die Organisatoren des ökumenischen Gottesdienstes - Dekan Thomas Kretschmar, die Pfarrer Holger Fischer und Hans Roppelt, die Bildungsreferentin im Jugendamt der Erzdiözese im Dekanat Kulmbach, Christina Tilmann, sowie der Ideengeber der Aktion, der geschäftsführenden Dekanatsjugendreferent, Diakon Stefan Ludwig - konnten zufrieden sein.

Pfarrer Hans Roppelt führte zu Beginn aus, dass es, seit es die Menschen gibt, schon immer Hass und Gewalt gegeben habe. "Doch manchmal werden wir brutal aus unserer Sorglosigkeit herausgerissen, nämlich dann, wenn solche furchtbaren Attentate wie auf die Synagoge in Halle passieren." Der Pfarrer fragte: "Gibt es wieder Judenhass und Antisemitismus?" Er gab zu bedenken, welche Hass-Äußerungen in der Öffentlichkeit, an Stammtischen oder in den sozialen Medien getätigt werden. "Welches Menschenbild kommt hier zum Vorschein? Brutalität in Worten - aus denen brutale Taten folgen können."

Pfarrer Roppelt erklärte: "Mit Lichtern gegen Hass wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir uns gegen den Hass stemmen." Zudem führte der Redner aus, dass Gewalt zwischen den Religionen und im Namen eines Gottes, dass Schlimmste sei, was er sich vorstellen könne. Er gab aber auch zu bedenken, dass sich Christen auch nicht immer mit Ruhm bekleckert haben und nannte unter andern die Zwangschristianisierung. "Man darf zwar vom eigenen Glauben überzeugt sein, muss aber andererseits mit Andersgläubigen respektvoll und tolerant umgehen." Roppelt betonte: "Wer anderen im Namen Gottes Gewalt antut, der handelt gotteslästerlich."

Dekan Thomas Kretschmar schilderte seinen Eindruck, dass der Hass in der Gesellschaft immer größer werde, egal wohin man schaut. "Hass ist wie eine Hydra mit vielen Köpfen, wie eine Krankheit, die die Gesellschaft befällt. Hass herauszubrüllen, ist eine falsch verstandene Freiheit." Der Dekan forderte dazu auf, Hass, Hetze und Gewalt mit den christlich-demokratischen Werten zu widerstehen.

Pfarrer Holger Fischer setzte bei der Schöpfung an und erinnerte an das Nazi-Regime: "Gott hat alle Menschen nach seinem Bild und Abbild geschaffen. Jeder Mensch ist von ihm gewollt. Dass sich jemand über andere Menschen erhebt und diese herabsetzt - so hat es schon einmal angefangen." Und er betonte: "Es darf nicht sein, dass jemand seine Religion heimlich leben muss."

Diakon Stefan Ludwig schilderte: "Ich habe den Eindruck, dass sich Hass und Hetze immer weiter ausbreiten", und führte absurde und beleidigende Sätze aus den sozialen Netzwerken an. "Wenn ich so etwas lese, bin ich erschüttert. Soziale Medien sind Fluch und Segen zugleich und gehören zur Lebenswelt unserer Generation. Doch dort verbreiten sich Fake-Nachrichten auch sehr schnell." Er forderte auch in der virtuellen Kommunikationswelt einen respektvollen Umgang miteinander.

Anschließend bildeten die Gläubigen eine Lichterkette. Dekan Thomas Kretschmar freute sich: "Ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass so viele kommen." Und er erklärte, dass es von der katholischen Kirche ULF bis zur evangelischen Petrikirche 600 Meter Weg ist. An der Kirchentür bekam jeder Teilnehmer eine Kerze und mit Dekan Kretschmar voran, liefen die Teilnehmer im Gänsemarsch zur Petrikirche. Als die Menschenkette geschlossen war, entzündete Pfarrer Hans Roppelt die erste Kerze und gab das Licht an den nächsten weiter, bis alle Lichter leuchteten und die Lichterkette geschlossen war. Die Teilnehmer hatten immer wieder mit dem Wind zu kämpfen, der die Flammen erlöschen ließ. Eine Frau stellte angesichts dessen fest: "Das steht symbolisch dafür, dass schon ein Lüftchen ausreicht, um den Frieden zu gefährden."

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
17:56 Uhr

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Autor

Gabriele Fölsche

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
17:56 Uhr



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