Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER SelbGerch

Kulmbach

Vier unterschiedliche Lebensentwürfe

"Silvesterpyramide" heißt das Stück der Gruppe "Bumerang", das am 21. September im Baumanns Premiere feiert. Die Proben für die Tragikomödie laufen vielversprechend.



Die Proben der Theatergruppe "Bumerang" für das neue Stück "Silversterpyramide" laufen auf Hochtouren. Ruth (Vanessa Soldner/rechts) erklärt Eva (Julia Weiß) voller Leidenschaft ihre feministischen Ansichten. Fotos: Stephan Stöckel.
Die Proben der Theatergruppe "Bumerang" für das neue Stück "Silversterpyramide" laufen auf Hochtouren. Ruth (Vanessa Soldner/rechts) erklärt Eva (Julia Weiß) voller Leidenschaft ihre feministischen Ansichten. Fotos: Stephan Stöckel.   » zu den Bildern

Kulmbach - "Ja is denn jetzt schon Silvester?" Beim Blick auf den neuen Spielplan der Kulmbacher Theaterbühne "Das Baumann" könnte einem diese Frage in den Sinn kommen - schließlich heißt das neue Stück der fränkischen Theatergruppe "Bumerang" "Silvesterpyramide". Ausgedacht hat sich die Tragikomödie, die am 21. September ihre Premiere feiert, Silvan Wagner aus dem Burgkunstadter Ortsteil Ebneth, der das Ensemble 1995 aus der Taufe gehoben hatte und auch beim neuesten Stück wieder als Regisseur fungiert.

Termine

Meritatons Grabkammer öffnet ihrer Pforten am Kulmbacher Theater "Das Baumann" an folgenden Tagen im September: Samstag, den 21., Freitag, den 27., Samstag, den 28. (jeweils um 20 Uhr) und Sonntag, den 29. (17 Uhr). Karten sind im Vorverkauf (www.das-baumann.de) und an der Abendkasse erhältlich. Wegen der begrenzten Platzanzahl wird gebeten, Tickets über das Internet zu ordern.


Seinen Namen trägt das Werk zu Recht, schließlich spielt es an Silvester 1929 in einer ägyptischen Pyramide. In einer Grabkammer, die derzeit der Phantasie Wagners entsprungen ist. Aber wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages doch noch entdeckt. In ihr begraben liegt die Pharaonin Meritaton. "In meinem Stück geht es um die fiktive Auffindung der Mumie einer Person, die aller Wahrscheinlichkeit nach gelebt hat", erklärt Wagner. Dies gehe aus Inschriften hervor, die man gefunden habe.

Im Dachgeschoss einer ehemaligen Fabrik in der Straße "Am Bauershof" in Burgkunstadt entsteht derzeit eine kleine Grabkammer für die insgesamt vier Aufführungen in Kulmbach. Silvan Wagner und die beiden Schauspielerinnen Julia Weiß aus Maineck und Vanessa Soldner aus Ansbach sind gerade dabei, ein gelbes Tuch aufzuhängen, auf dem eine ägyptische Gottheit prangt, halb Mensch, halb Vogel. Es muss noch mit Hieroglyphen verziert werden.

Auf dem Boden wimmelt es nur so von ägyptischem Inventar, das aus Privathaushalten und Internetbörsen stammt. Albert Spörlein aus Bojendorf hat einen hölzernen Sarkophag gezimmert, der noch ägyptisch gestaltet und dekoriert werden muss. Plastikkegel wurden mit Gips und goldener Farbe in kleine Statuetten verwandelt.

"Sie repräsentieren die Diener eines Pharaos", erklärt Weiß. Und die schwarzen Katzen? "Sie waren im alten Ägypten heilig", ergänzt die Expertin. Die Ägypter nahmen jede Menge Dinge mit ins Jenseits oder wie es Silvan Wagner formuliert: "Das Grab des bekannten Pharaonen Tutanchamun war ein Ramschladen mit viel Gold."

Vier völlig unterschiedliche Lebensentwürfe treffen in der Zeit der Ägyptomanie am Vorabend des Dritten Reiches in einer Grabkammer aufeinander, was für eine explosive Mischung sorgt: Die Archäologen Michael Fegelein (Silvan Wagner) und Ruth Stein (Vanessa Soldner) feiern zusammen mit ihrem Financier Baron Karl von Klenk (Jörg Weißmann aus Bamberg) und seiner Verlobten Eva (Julia Weiß) Silvester. In weiteren Rollen zu sehen sind Franziska Engel aus Weismain (Pharaonin Meritaton), Anna-Maria Vorbrugg aus Nürnberg (Mutter des Barons) und Eva Wagner aus Ebneth (ehemalige Geliebte von Ruth).

Die hochintellektuelle Jüdin Ruth trifft in dem Stück, in dem es gruselig, heiter und nachdenklich zugeht, auf die geistig sehr eingeschränkte Eva und den Baron, der von seiner politischen Denkweise her noch in der Monarchie verhaftet ist. Die Zuschauer wissen, was die Figuren auf der Bühne nach 1933 erwarten wird. Für den Autor gibt es in dem Stück aber auch genügend Anlass zur Hoffnung, dass sich einzelne Schicksale doch noch zum Guten wandeln.

Dieses Gefühl zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung spiegele, so Wagner, ein wenig unsere heutige Situation angesichts des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft wider. "Wir beobachten fassungslos ein Wiederholen der Geschichte, haben aber zugleich die Hoffnung, dass sich unsere Befürchtungen vielleicht nicht bewahrheiten oder aber diese problematische Zeit irgendwann endet", meint der 43-jährige, der seine Sichtweise mit einem Zitat aus seinem Theateropus untermauert: "Wie drückt es doch Ruth am Ende des Stückes so schön aus: "Es gibt immer eine Zeit nach der Zeit."

Autor

Stephan Stöckel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Archäologen Das alte Ägypten Gott Juden Monarchie Mumien Pharaonen Sarkophage Schauspielerinnen Theaterbühnen Tutanchamun
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Charaktere der "Silvesterpyramide" stehen für die politische Ungewissheit. Im Bild (von links) Jörg Weißmann als Baron Karl von Klenk, Silvan Wagner als Dr. Michael Fegelein, Julia Weiß als Eva von Klenk in spe und Vanessa Söldner als Ruth Stein.	Fotos: Werner Reißaus

22.09.2019

Visionen aus der Grabkammer

Die fränkische Theatergruppe "Bumerang" gibt Gastspiele im "Baumann". Gezeigt wird eine tragikomische Silvesterfeier. » mehr

Arie Rosen zeigt die Kopie einer Thora-Rolle, ein heiliges Schriftstück, das die jüdischen Gebote enthält.

10.11.2019

Schabbat - Sonntag - Ruhetag

Schüler einer Ganztagesklasse des MGF erforschten vier Tage lang jüdische Bräuche und Traditionen. Dabei hatten sie besondere Unterstützung von zwei Gästen aus Israel. » mehr

Der totgeglaubte Siegfried Weiß taucht 1958 völlig überraschend bei seinem Schulfreund Simon Hartmann in der Spitalgasse 12 auf. Ein Jahr später kann er auch stolz seine Jugendliebe "Gundi" vorstellen, die er nach langem Suchen gefunden hat.

19.09.2019

Gesichter jüdischer Mitbürger

Am Montag wird in der Buchhandlung Friedrich eine Ausstellung mit Fotos von Kulmbacher Juden eröffnet. Bearbeitet hat die Bilder Manfred Ströhlein. » mehr

Rund 80 Menschen beteten gemeinsam beim ökumenischen Schöpfungsgottesdienst am Samstagabend in der Nikolaikirche. Das Motto: "Du hast uns deine Welt geschenkt." Foto: Gabriele Fölsche

22.09.2019

Wenn der biologische Fußabdruck zu groß ist

Manchmal hilft nur noch beten: Und das taten rund 80 Menschen gemeinsam beim ökumenischen Schöpfungsgottesdienst in der Nikolaikirche. » mehr

Formel-3-Rennfahrerin Sophia Flörsch und Zehnkämpfer Rico Freimud verzichteten auf Alkohol und hatten trotzdem viel Spaß auf der Kulmbacher Bierwoche.

02.08.2019

Promiaufgebot im Stadel

Kulmbacher Unternehmen haben ihre Kunden zur Bierwoche eingeladen. Mit dabei waren unter anderem Skispringer Sven Hannawald und Rennfahrerin Sophia Flörsch. » mehr

Die Baracken des Frauen-KZ von Helmbrechts: Eine der elf Baracken an der Kulmbacher Straße kurz nach Kriegsende Foto: Archiv Klaus Rauh

07.05.2019

Dokumentation des Grauens

Eine gründliche Studie über das Außenlager des KZ Flossenbürg in Helmbrechts zeigt auf erschütternde Weise die Qualen der Frauen bei dem Todesmarsch nach Südböhmen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Dessous-Modenschau Frey

Dessous-Modenschau Frey | 15.11.2019 Marktredwitz
» 23 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor

Stephan Stöckel

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
00:00 Uhr



^