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Kulmbach

Vögel füttern - aber richtig

Gerade im Winter legen viele Vogelfreunde Futter im Garten oder auf dem Balkon aus. Worauf man achten soll, erklärt Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogelschutz.



Wegen wegfallender Lebensräume und Nahrungsmittel sollen Vögel das ganze Jahr über gefüttert werden, sagt der Landesbund für Vogelschutz. Die Schwanzmeise nimmt das Angebot gerne an. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Wegen wegfallender Lebensräume und Nahrungsmittel sollen Vögel das ganze Jahr über gefüttert werden, sagt der Landesbund für Vogelschutz. Die Schwanzmeise nimmt das Angebot gerne an. Foto: Kay Nietfeld/dpa  

Kulmbach - Egal ob in Form von Meisenknödel oder als Körnerfutter - in vielen Gärten werden im Winter Vögel gefüttert. Doch wie häufig und was sollte man den Tieren geben? Für Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogelschutz ist beim Vogelfüttern vor allem eines wichtig: Hygiene. Die Futterstellen sollten regelmäßig sauber gemacht und das Futter darf nicht nass werden.

Vogelfutter herstellen

Das Vogelfutter unterscheidet sich je nachdem, ob eine Körnermischung oder ein Fettfuttergemisch hergestellt werden soll. Die Körnermischung besteht zu zwei Teilen aus Sonnenblumenkernen und zu einem Teil aus Hanfkörnern, Hirse, Mohn, Bucheckern, Getreidekörnern und zerkleinerten Haselnüssen. Das Fettfuttergemisch wird aus zwei Teilen Rindertalg und einem Teil Weizenkleie hergestellt. Mit Salatöl kann die Masse geschmeidig gerührt werden.


Stare, Spatzen und Lerchen - früher waren diese Vögel in fast allen Gärten heimisch, heute werden sie immer seltener. Laut dem Naturschutzbund sind zwischen 1998 und 2009 insgesamt 25 Millionen Vögel verschwunden. Das sind knapp ein Sechstel aller Brutpaare. Um diesen Artenrückgang zu verhindern, rät der Landesbund für Vogelschutz mittlerweile dazu, die Tiere ganzjährig zu füttern.

Das war noch anders, als Erich Schiffelholz, Kreisgruppenvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz, bei der Organisation angefangen hat. "Damals sollte man die Vögel nur bei geschlossener Schneedecke oder Dauerfrost füttern", sagt er. Vogelforscher empfehlen jetzt aber, die Tiere das ganze Jahr über zu füttern. "Wir haben den Vögeln Lebensraum und Nahrung weggenommen - das wollen wir ihnen mit dem Futter zurück geben", sagt Schiffelholz.

Rund 35 Vogelarten tummeln sich im Winter in den heimischen Gärten. Dazu zählen Amsel, Gimpel, Kohlmeise, Sperber und Zaunkönig. Unter ihnen gibt es Weichfutter- und Körnerfresser. Zu den Weichfutterfressern zählen Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und die Heckenbraunelle. Sie fressen Äpfel, Rosinen, Getreideflocken und auch Mehlwürmer. Zu den Körnerfressern zählen Buchfinken, Bergfinken, Erlenzeisig, Gimpel, Kernbeißer sowie der Haus- und Feldsperling. Sie bevorzugen Körnergemische, Erdnussbruch, Sonnenblumenkerne, sowie ölhaltige Sämereien wie Hanf oder Mohn.

"Wichtig ist es, den Vögeln das richtige zu füttern", sagt der Vogelexperte. Schiffelholz rät davon ab, salzhaltiges wie etwa Brot oder Wurst zu füttern. Ebenso sollte nicht reines Fett in Form von Margarine oder Butter gefüttert werden. "Manche Menschen meinen es gut und schneiden Äpfel in schnabelgerechte Stücke - das ist aber falsch", sagt der Vogelexperte. Denn die Apfelstücke gefrieren und schaden so den Tieren. Besser sei es, den Apfel im Ganzen auszulegen. "Die Vögel picken sich geeignete Stücke ab", sagt Schiffelholz.

Zudem sollte beim Futterkauf auch auf die Inhaltsstoffe geachtet werden. In manchen Sorten befinden sich Ambrosiasamen, gegen deren ausgewachsene Pflanze manche Menschen allergisch sind. In Ungarn zählt die Ambrosie nach Auskunft des Bundes Naturschutzes zu den vier wichtigsten Unkrautarten, so dass bei der Ernte fast unweigerlich auch Ambrosiasamen aufgenommen werden. "Beim Einkauf sollte man auf die Zertifikate vom LBV und Nabu achten", sagt Schiffelholz.

Besser als eine große Futterstelle sind mehrere kleine, wie der Vogelexperte rät. Denn an großen Futterstellen stecken sich die Tiere mit Krankheiten wie der Salmonellose oder Trichomonaden an. Die Futterstelle sollte zudem an einem für den Vogel leicht überschaubaren Ort sein, damit das Tier Fressfeinde wie etwa Katzen im Blick haben kann. Zudem sind Vogelhäuser, in die die Tiere hineinfliegen können, aus Sicht des Experten schwierig. Denn die Vögel koten den Futterplatz zu, weshalb sich Krankheiten leichter verbreiten können.

Aus Sicht des Vogelexperten ist es wichtig, die Tiere nicht nur im heimischen Garten zu füttern. Es gebe viele Arten, die sich nicht in die Nähe von Siedlungen trauen und in Wäldern leben. In Absprache mit dem Waldbesitzer kann man dort ebenfalls Vogelfutter an den Bäumen anbringen. Das selbst gemischte Vogelfutter könne man mit einem Spachtel an grobborkigen Bäumen anbringen. Auch Fichtenzapfen, die in das Futtergemisch getunkt werden, können aufgehängt werden. "Dafür sollte man vorher aber wirklich erst mit dem Besitzer sprechen, denn viele Förster und Jäger füttern ihre Vögel bereits", sagt Erich Schiffelholz.

Doch nicht nur Vogelfutter hilft, um den Artenrückgang zu verlangsamen. "Wir sollten in unseren Gärten mehr heimische Bäume und Sträucher als Futter für die Tiere pflanzen", sagt Schiffelholz. Dazu zählen Eibe, Mehlbeere, Vogelbeeren, Feldahorn und Hainbuche sowie Haselnuss, Stechpalme, Johannisbeeren, Schlehe, Hundsrose sowie Himbeeren. Diese seien im Sommer als Blütenpflanze für Insekten nützlich und im Winter eine natürliche Futterquelle für heimische Vögel.

Autor

Christina Holzinger
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Veröffentlicht am:
15. 01. 2019
17:56 Uhr

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Christina Holzinger

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15. 01. 2019
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