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Kulmbach

Von Erschöpfung keine Spur

Auf dem Rad 760 Kilometer durch Franken: Bernd Rücker vom Audax Club Franconia hat ein besonderes Rennen ins Leben gerufen - mit Start und Ziel in Trebgast.



Der Österreicher Rudi biegt nach sechs Tagen in die Zielgerade am Trebgaster Badesee ein.
Der Österreicher Rudi biegt nach sechs Tagen in die Zielgerade am Trebgaster Badesee ein.   » zu den Bildern

Trebgast - Die "Bikepacking Frankonia" ist eine Langstreckentour für Fahrradfahrer und führt über 760 Kilometer durch Franken. Die Biker haben alles dabei, was sie für unabhängiges Radfahren über einen längeren Zeitraum brauchen: ein Zelt, einen Schlafsack, Ersatzbekleidung, Essenstasche und Werkzeug. Außerdem haben sie noch ihr Gravelbike dabei - eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike, mit dem man schnell am Unterlenker fahren kann.

65 Bikepacker haben am vergangenen Wochenende mit ihren Fahrrädern eine Aufwärmrunde um den Trebgaster Badesee gedreht. Zielort für die richtige Tour war zunächst für alle nach 160 Kilometern wieder der Badesee. Für die "One-Day-Fahrer" war dort die Fahrt zu Ende. Die anderen - die wilden Typen - hatten anschließend noch weitere 600 Kilometer vor sich. Acht Checkpoints waren dabei anzufahren. Bad Alexandersbad im Osten, die Radspitze und Schloss Callenberg im Norden, Baunach im Westen und Nürnberg im Süden sind dabei die Eckpunkte. Das Zeitlimit für die Strecke mit ihren insgesamt 12 000 Höhenmetern beträgt acht Tage. Organisiert wird die Tour durch Franken vom Team des Audax-Club Franconia in Bayreuth. Dessen Kopf ist Bernd Rücker, selbst Langstreckenfahrer. 2017 kam ihm eine Schnapsidee: Warum sich nicht einfach mit Gleichgesinnten vernetzen? Als er eine Grafik für ein Jacken-Emblem und ein Logo ins Netz stellte, ließ das Feedback nicht lange auf sich warten. Bald meldeten sich einige Leute, die sich auch für ausgefallenere, längere Touren interessierten. Bernd Rücker dachte an die vielen Radfahrer, die jedes Jahr zur Saisonvorbereitung nach Mallorca fahren und überlegte: Statt in die Ferne zu schweifen, können wir denen doch auch unser schönes Franken zeigen. Die Idee für "Bikepacking Franconia" war geboren.

Ein halbes Jahr Vorbereitung liegt hinter dem Team. Jetzt, kurz nach dem Start, fällt der Druck langsam ab. "Wir wollen kein Rennen starten, sondern die Teilnehmer animieren: Kommt zu uns und guckt euch unsere schöne Heimat an", sagt Bernd Rücker. Einer, der genau das vorhat, ist der Österreicher Rudi, ein Rentner aus dem Burgenland: "Ich fahre acht Tage und schaue mir mal die Gegend an."

Am Ende war er nach sechs Tagen wieder zurück am Ausgangspunkt. "Euer Frankenland macht Appetit auf mehr, das nächste Mal aber etwas gemütlicher", schwärmte er von der Landschaft. Für ihn war die Hitze eine große Herausforderung: "Bei der Kaffeepause heute Morgen waren es schon 33 Grad." Auch mit dem "komischen Schotter" hatte er seine Probleme: "Oft ist er nicht richtig verdichtet. Gerade bei den Steigungen, zum Beispiel zum Ochsenkopf hoch, dreht dann das Vorderrad durch und rutscht weg." Nach der Tour trinkt er einen Aperol, springt hinterher in den See - und fährt anschließend mit dem Zug nach Nürnberg, wo seine Frau mit dem VW-Bus für die Heimfahrt wartet.

"Es gibt auch Leute, die diese Strecke ganz schnell fahren", sagt Bernd Rücker. So wie der 35-jährige Christian Beyer. Er war es, der am Dienstagmorgen um acht Uhr nach zwei Tagen, einer Stunde und zwölf Minuten ohne erkennbare Erschöpfungsanzeichen die Rundfahrt als Erster beendete. Von Sonntag auf Montag hat er zwei Stunden, von Montag auf Dienstag eine Dreiviertelstunde geschlafen. Jetzt springt er erst einmal - wie Rudi - in den erfrischenden See und fährt dann mit dem Zug zu seinen Eltern in die Oberpfalz.

Bernd Rücker definiert Bikepacking als eine eigene Art, Rad zu fahren. Unabhängig von Hotels, vom Wetter und vom Gelände kann man überall schlafen. Es ist eine kleine Randgruppe, die in ihrer eigenen Welt radelt. Ihr Motto: Gefahren wird immer, bei Wind und Wetter. Sie fahren nachts und am Wochenende, wenn andere auf der Couch liegen. Viele kennen sich inzwischen, man trifft sich immer wieder bei Veranstaltungen in ganz Europa. So auch Bernd: "Ich stand im Mai 2018 am Start der Tour ‚Rando Imperator‘ über 650 Kilometer von München nach Ferrara. Wer steht neben mir: der Rudi." Eines ist klar: Man muss schon richtig Bock auf Radfahren haben, wenn zu Bikepackern gehören will.

Autor

Dieter Hübner
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Veröffentlicht am:
29. 07. 2019
18:14 Uhr

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Dieter Hübner

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Veröffentlicht am:
29. 07. 2019
18:14 Uhr



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