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Kulmbach

Von kleinen und großen Problemen

Michael Fitz präsentiert im Saal des Brauereimuseums in Kulmbach sein neues Programm. Seine Gedanken verpackt er in gefühlvolle, oft melancholische Songs.



Sein Programm "Jetzt auf gestern" präsentierte Michael Fitz im Saal des Bayerischen Brauereimuseums. Foto: Rainer Unger
Sein Programm "Jetzt auf gestern" präsentierte Michael Fitz im Saal des Bayerischen Brauereimuseums. Foto: Rainer Unger  

Kulmbach - Einen beschaulichen, ruhigen Abend, in dem er sich Gedanken machte über die wichtigen und weniger wichtigen Sachen im Leben, präsentierte Michael Fitz am Samstagabend den Besuchern im voll besetzten Saal des Bayerischen Brauereimuseums auf dem Mönchshof-Gelände. Unter dem Motto "Jetzt auf gestern" sinnierte der Münchner Schauspieler und Musiker über alles Mögliche und verpackte dazwischen seine Gedanken in melodische, gefühlvolle Lieder im bayerischen Dialekt, bei denen er sich mit der Gitarre begleitete.

Über einen Besuch, der beim Besuchten unterschiedliche Gefühle aufkommen lässt, ging es zunächst. In dem Zusammenhang machte sich Michael Fitz Gedanken, ob der Besuch bald ausstirbt: "Wir besuchen uns digital", konstatierte er. "Urlaubsbilder werden auf Instagram gestellt - also braucht man niemanden mehr einladen." Der heutige Mensch sei mit Selbstoptimierung beschäftigt, alles muss schneller, besser, gesünder sein und auch eine Partnerschaft muss immer interessanter, leidenschaftlicher sein. In dem Lied "Was I bin" griff er die Thematik weiter auf.

Aktuell bevölkert die aktuellste Version des Menschen den Planeten, der "homo sapiens sapiens", der sich die Erde untertan gemacht hat, sie im Griff hat, sie sogar zu sehr im Griff hat. Vielleicht kommt doch noch eine neue Art des Menschen, reflektierte der 60-Jährige: der homo digitalis. Der Mensch, einstmals vielleicht die Nummer 15 der Nahrungskette, steht nun ganz oben, hat dazu einen weiteren Vorteil anderen Lebewesen gegenüber: "Wir können uns entscheiden", erläuterte er dazu. Der Mensch ist ambivalent, ließ er das Auditorium weiterhin an seinen Gedanken teilhaben, und so kann er sich immer individuell entscheiden. Ob das auch immer gut ist, wenn er sich auf der Autobahn entscheiden kann, ob er links oder rechts überholt, grübelte er.

Anschließend dachte er zurück an seine Jugend, als er nach der elften Klasse das Gymnasium verließ, was damals für alle Seiten das Beste war, wie er bemerkte. Geblieben von seiner Schulzeit ist ihm ein "Deutschlehrer im Hinterkopf", und der macht sich bemerkbar, wenn ihm zum Beispiel bei einem Beratungsgespräch in der Bank ein Banker etwas von einem "kalkulierbaren Risiko" erzählt. Das ist für ihn ein Widerspruch in sich, denn entweder ist etwas kalkulierbar oder ein Risiko. So gab es im Anschluss auch das Lied "Ich geh net aufs Eis" zu hören.

Weil der Mensch über ein "supergroßes Gehirn" verfügt, mit dem er sogar denken kann, kommt er manchmal auf die Idee, dass er eine Partnerschaft braucht. Überlegt im nächsten Moment aber auch schon: Brauche ich das 24 Stunden am Tag? "Das ist ein Knochenjob", stellte der gebürtige Münchner klar. Reichen deswegen vielleicht 16 Stunden am Tag? "Eine Beziehung ist doch eine schöne Sache?" fragte er ins Publikum, stellte nach der Reaktion fest, dass der eine oder andere da auch nicht so überzeugt ist. Zumindest für den Mann, hakt er nach, der ist weg von der Straße und hat zudem auch noch Hofgang. Weil er bei einem Konzert einmal von einer Frau angesprochen wurde, dass sein Programm zu traurig wäre und wieso er nichts Lustiges bringe, folgte ein Liebeslied. "Langt schon wieder mit dem Positiven", bemerkte der ehemalige Tatort-Kommissar danach. Im Anschluss kam er auf Konzert-Besucher zu sprechen, die sich ihm unbedingt mitteilen wollen, wie es ihm neulich passiert ist. In dem Song "Hinter meiner Stirn" gab er den Zuhörern einen kleinen Einblick, was in seinem Kopf passiert. In dem passiert anscheinend ziemlich viel, denn er präsentierte dem Publikum während seines Programms völlig unterschiedliche Themen, philosophierte über alltägliche Begebenheiten und Situationen, darüber, dass der Mensch scheinbar keine Zeit hat bis zu dem Tag, an dem der Tod vorbeikommt und seine Zeit wirklich vorbei ist. Seine Lieder spielte Fitz auf einer von mehreren Gitarren, die er sich mitgebracht hatte. Mit seinen tiefsinnigen Gedanken brachte er die Zuhörer aber nicht nur zum Nachdenken, sondern auch immer wieder zum Lachen. Ein unterhaltsamer, gemütlicher, fast schon bedächtiger Abend mit viel Stoff, den sich jeder bei Gelegenheit nochmals durch den Kopf gehen lassen kann.

Autor

Rainer Unger
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Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
17:26 Uhr

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Rainer Unger

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Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
17:26 Uhr



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