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Kulmbach

Wassermassen fluten Straßen und Keller

Erst vor Kurzem hat das Achat-Hotel wieder geöffnet. Die Freude hielt nicht lang. Der schwere Gewitterregen am Sonntag hat das Haus erneut überflutet.



Nur gut ein Jahr nach dem verheerenden Starkregen zu Pfingsten vergangenen Jahres war auch am Sonntagabend das Kulmbacher Achat-Hotel wieder im Zentrum der Fluten. Erneut drang Wasser in den Keller des Hotels
Nur gut ein Jahr nach dem verheerenden Starkregen zu Pfingsten vergangenen Jahres war auch am Sonntagabend das Kulmbacher Achat-Hotel wieder im Zentrum der Fluten. Erneut drang Wasser in den Keller des Hotels   » zu den Bildern

Kulmbach - 362 Tage lang war das Kulmbacher Achat-Hotel geschlossen, nachdem ein verheerender Gewitterregen Anfang Juni 2017 nahezu den gesamten Keller von Kulmbachs größtem Hotel geflutet und schwere Schäden angerichtet hatte. Aufwendig wurde das Haus saniert, Anfang Juni dieses Jahres konnten dann die ersten Gäste wieder Zimmer beziehen. Die Freude sollte nicht lange anhalten: Am Sonntag ging erneut ein heftiger Gewitterregen über Kulmbach nieder, überflutete Straßen und Keller, riss Kanaldeckel aus ihren Verankerungen. Und erneut war das Achat-Hotel im Zentrum des Geschehens. Ganz so schlimm wie vor gut einem Jahr war es diesmal zwar nicht. Aber wieder standen im Achat Kellerräume bis zu 50 Zentimeter unter Wasser. Doch nicht nur in dem Hotel hatten am Sonntagabend Kulmbacher Feuerwehrleute alle Hände voll zu tun und auch bei der Polizei standen die Telefone nicht mehr still.

Auch für die Feuerwehr war es nicht einfach, an ihre Einsatzorte zu gelangen. Kreisbrandmeister Michael Weich und einer seiner Kollegen mussten für die ersten Einsätze den schweren Fahrzeugen vorsichtig voranfahren, um erst alle weggeschwemmten Kanaldeckel wieder einzusetzen. Die beiden Männer hatten reichlich zu tun: Etwa 20 der schweren Deckel waren durch den ungeheuren Druck des Wassers in dem besonders betroffenen Gebiet aus ihren Verankerungen gerissen und weggespült worden. Allein in der Pestalozzistraße klafften neun für Fahrzeuge gefährliche Löcher, in der Meußdoerffer-Straße und der Luitpoldstraße waren es weitere fünf.

40 Feuerwehrleute waren allein rund um das Achat-Hotel im Einsatz. Wasser musste aus dem Keller gepumpt werden. Vorsichtshalber wurde auch der Strom abgeschaltet. Das Wasser hatte die Elektroverteilung beschädigt und war auch in den Heizungsraum eingedrungen, berichtet die Feuerwehr. wie auch schon im vergangenen Jahr haben sich die Regenfluten ihren Weg durch die Kellerfenster gebahnt. Die liegen auf dem abschüssigen Gelände ziemlich tief im Boden und sind auch noch in einer Mulde gelegen. Wenn sich die mit Wasser füllt, halten die Fenster dem Druck nicht stand. Glück im Unglück: Beim letzten Hochwasser waren die Keller fast bis zur Decke geflutet. Diesmal war deutlich weniger Wasser eingedrungen und hatte wohl auch nicht den ganzen Keller erreicht.

Stephan Pröschold von den Kulmbacher Stadtwerken war ebenfalls am Sonntagabend am Hotel. "Das Wasser ist auch diesmal nicht aus dem Kanal gekommen, sondern von der Oberfläche", sagt Pröschold. Er weist darauf hin, dass der Eigentümer des Gebäudes beim Schaden vor einem Jahr beraten worden sei, doch eine Mauer oder einen Wall um die Fenster zu errichten. Das sei aber offensichtlich nicht beherzigt worden.

Der Betrieb im Achat-Hotel geht diesmal nahtlos weiter. Das Haus muss nicht geschlossen werden, war vom Personal zu erfahren. Die Mitarbeiter sind froh, dass das Haus diesmal weniger betroffen worden ist.

Ganz so schlimm wie vor einem Jahr war der Schaden diesmal nicht. Aber es hat ausgereicht, allen Rettungsorganisationen viel Arbeit zu verschaffen. "Wir hatten gut zu tun, abzustimmen, wo die Not am größten war", sagt Alexander Horn von der Kulmbacher Polizei. Erfreulich ist es für den stellvertretenden Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion, dass kein Unfall geschah und kein Mensch verletzt wurde. Horn rät allen Verkehrsteilnehmern, nicht mit ihren Autos durch überflutete Straßen zu fahren. Die Gefahr, sagt er, sei groß, dass etwas passiert.

Jürgen Hochgesang von der Kulmbacher Feuerwehr stand kurz nach 18 Uhr am Sonntag an der Schauerkreuzung, um dort die völlig überflutete Straße stadteinwärts zu sperren. Um auf die Sperrung aufmerksam zu machen, hatte Hochgesang sein Einsatzfahrzeug quer auf die Fahrbahn gestellt, das Blaulicht und die Warnblinker eingeschaltet. Die Straße, sagt er, war zu diesem Zeitpunkt nicht befahrbar. Noch immer stand das Wasser dort gut zehn Zentimeter hoch. Die Gefahr durch offene Kanalschächte und etliche auf der Fahrbahn liegende Gullideckel war akut.

Hochgesang erzählt, was er am Sonntag erlebt hat: "In kürzester Zeit wollten zwei Autofahrer trotz Blaulicht und offensichtlicher Sperrung einfach um das Feuerwehrauto herumfahren." Als Hochgesang die Fahrer ansprach, hatten die so gar kein Verständnis dafür, einen Umweg zu nehmen. "Einer sagte mir, er hätte es eilig und müsse da jetzt durch." Angesprochen auf die offenen Kanalschächte habe ihm einer der Fahrer gesagt, das sei ihm egal.

Dass Autofahrer Straßensperrungen einfach ignorieren, erlebt der Kulmbacher Feuerwehrmann öfter. "Beim Hochwasser letztes Jahr war das nicht anders." Über so viel Unvernunft kann Hochgesang nur mit dem Kopf schütteln.

Eine Stunde mussten Feuerwehrleute einen Baum zersägen, der im Kesselweg auf ein Haus und ein Auto gestürzt war. Die Drehleiter hätte es den Kräften erleichtert, einen starken Ast vom Dach zu holen, doch das große Fahrzeug scheiterte an der engen Zufahrt. So blieb nichts anderes, als alles händisch zu machen.

In der Mangersreuther Straße blockierten Geröllmassen, die der Regen angespült hatte, die Fahrbahn. In mehreren Straßen fluteten die Wassermassen Keller. Die Feuerwehren Kulmbach, Katschenreuth, Kirchleus, Lehenthal, Melkendorf und Katschenreuth, sowie die Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Kulmbach waren am Sonntagabend im Einsatz. Auch die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung war alarmiert worden. Koordiniert wurden die Einsätze im Stadtgebiet Kulmbach durch die beiden Kreisbrandmeister Peter und Jürgen Hochgesang vom Feuerwehrzentrum Kulmbach aus. Unterstützung kam von Kreisbrandrat Stefan Härtlein, Kreisbrandinspektor Thomas Limmer und Kreisbrandmeister Jan Passing. Auch OB Henry Schramm hatte sich persönlich vom Ausmaß des Schadens überzeugt, besuchte auch das Achat-Hotel.

Insgesamt gab es durch die Folgen des Gewitters für die Feuerwehr 15 Einsatzstellen in der Stadt. Eingesetzt waren 90 Feuerwehrleute und 18 Fahrzeuge. Für alle Einsatzkräfte war mit dem Alarm um 18.03 Uhr der eigentlich erwartete Fußball-Abend mit der ersten Halbzeit zu Ende. Die letzten Wehrleute kehrten erst um 23.45 Uhr wieder ins Feuerwehrzentrum zurück.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
16. 07. 2018
18:04 Uhr

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Melitta Burger

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16. 07. 2018
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