Lade Login-Box.
Topthemen: Video: Hof im Radwege-CheckHof-GalerieStromtrasse durch die RegionGerch

Kulmbach

"Wir sind einfach am Limit"

Kulmbachs Wirte können vom Aufschwung der bayerischen Gastronomie wenig profitieren. Stephan Ertl vom Hotel- und Gaststättenverband sieht große Herausforderungen.



Auf das Gastgewerbe kommen heiße Zeiten zu. Das Wirtshaussterben bleibt im Raum Kulmbach akut. Der Personalmangel ist das Hauptproblem. Foto: Patrick Seeger/dpa
Auf das Gastgewerbe kommen heiße Zeiten zu. Das Wirtshaussterben bleibt im Raum Kulmbach akut. Der Personalmangel ist das Hauptproblem. Foto: Patrick Seeger/dpa   » zu den Bildern

Kulmbach - Die Kulmbacher Kneipengänger schwärmen von der guten alten Zeit. Als der Pinguin, das Sir Henry, der Keller und die Rutsch’n noch geöffnet hatten. Gut zwei Jahrzehnte ist das her. Seitdem hat das Wirtshaussterben immer stärker um sich gegriffen. Zwar sind auch neue Gaststätten hinzu gekommen. Aber die Bilanz im Kulmbacher Land ist negativ und ein Ende der Schließungen nicht in Sicht. Die Gastronomen stehen weiterhin vor enormen Herausforderungen, sagt Stephan Ertl, der Kreisvorsitzende des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, im Interview mit der Frankenpost.

400 000 Beschäftigte

Angela Inselkammer, die Präsidentin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern, hat das Gastgewerbe und den Tourismus als wichtige Wirtschaftsfaktoren bezeichnet. Die Bedeutung der Branche wachse von Jahr zu Jahr, sagte sie in einer Mitteilung des Verbandes. Hotellerie und Gastronomie seien mittlerweile die regionalen Wirtschaftsmotoren.

"Sie sind Garanten einer positiven regionalen Entwicklung. Denn touristische Unternehmen findet man in allen Regionen unseres Freistaates, insbesondere dort, wo sich andere Branchen zum Teil seit Jahren zurückgezogen haben", sagte Angela Inselkammer. "Der Tourismus ist mittlerweile systemrelevant für den Erfolg Bayerns."

Die Zahl der Beschäftigten in der Hotel- und Gaststättenbranche ist in Bayern nach Angaben des Verbandes innerhalb von zehn Jahren zwar von 300 000 auf 400 000 gestiegen. Dennoch sei das zu wenig für den personalintensiven Sektor.


Herr Ertl, das bayerische Gastgewerbe ist erneut auf Erfolgskurs, hat das Landesamt für Statistik gemeldet. Umsätze und Mitarbeiterzahl sind 2018 gestiegen. In Kulmbach auch?

Einen Aufschwung und ein Wachstum spüren wir in Kulmbach nicht unbedingt. Bei einigen Gastronomen sind fehlende Umsätze ein Problem. Vielen Betrieben macht die Personalknappheit schwer zu schaffen. Und ohne das passende Personal ist auch ein Wachstum schlecht möglich.

Wie wirkt sich diese Personalknappheit konkret im Arbeitsalltag aus?

Die Mitarbeiter sind alle an ihrem Limit. Wir sind mit der Leistung, die wir erbringen können, einfach am Limit angelangt. Wir könnten wirklich jederzeit neue Arbeitskräfte vertragen. Wir bekommen sie aber leider nicht.

Wie reagieren die Gastronomen auf den Personalmangel?

Sie führen beispielsweise mehr Ruhetage ein. Statt an einem Tag in der Woche hat die Gaststätte dann an zwei Tagen geschlossen. Manche Reservierungen und Veranstaltungen müssen abgesagt werden oder können gar nicht erst angenommen werden.

Was bedeutet das für die Kunden?

Die Restaurants sind öfters voll und es wird schwieriger, einen Platz zu bekommen. Der Wirt kann aber auch nicht einfach das Nebenzimmer aufmachen, weil er dafür eben kein Personal findet.

Alles steht und fällt also mit der Personalfrage?

Ja, damit sind die Gastronomen zu einem Balanceakt gezwungen. Man kann nur so viel arbeiten, wie man auch schafft. Wenn der Service zu lange dauert, dann beschweren sich die Gäste über die Wartezeiten. Lieber setzt der Wirt auf Qualität und Kundenzufriedenheit.

Wie schwierig ist es für den Wirt, für seine Gaststätte einen Nachfolger zu finden?

Wenn der Senior nicht mehr weitermacht, ist oft niemand mehr da, der die Gaststätte weiterführen will. Damit setzt sich das Wirtshaussterben fort. Es gehört zu unserem Beruf auch viel Idealismus dazu. Aber es sind auch die Dokumentationspflichten und die gesetzlichen Auflagen, die viele potenzielle Nachfolger abschrecken. Jüngstes Beispiel ist der Rangabauer in Tennach. Das Wirtshaus ist nur noch für Veranstaltungen offen. Den bei Wanderern beliebten Gastronomiebetrieb gibt es nicht mehr.

Viele Kulmbacher Kneipen und Restaurants haben für immer geschlossen. Andere sind nur in der Winterpause. Wie ruhig ist die Zeit zwischen Silvester und Fasching?

Unter der Woche ist derzeit nicht so viel los. Das Hauptgeschäft geht am Wochenende. Der traditionelle Mittagstisch am Sonntag ist immer noch gut nachgefragt.

Die bayerische Staatsregierung will das Wirtshaussterben auf dem Land aufhalten und verspricht eine Förderung.

Das sind bisher leider alles nur Lippenbekenntnisse. Das Programm zur Förderung von Kleinbetrieben ist immer noch nicht aufgelegt. In vielen kleineren Unternehmen gibt es einen Investitionsstau. Sie wollen gerne renovieren oder ihren Service verbessern. Jeder redet darüber, dass den Betrieben die Investitionen erleichtert werden sollen, aber getan worden ist noch nichts. Das Gespräch

führte Stefan Linß

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 01. 2019
18:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aufschwung Bereich Hotels Gastronominnen und Gastronomen Gaststätten und Restaurants Gesetzesauflagen Hotel- und Gastronomiegewerbe Umsatz
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Rocco Zaccaro rückt das Schild mit den Angeboten zurecht. Am Standort zwischen Einkaufszentrum "Fritz", künftigem Grünem Zentrum und Uni-Campus lebt die Gastronomie auf. Foto: Stefan Linß

20.03.2018

Kulmbachs neue Gastro-Meile

Rund um das ehemalige Spinnereigelände wächst die Zahl der Restaurants und Imbissbuden. Die Gastronomiebetriebe wollen vom künftigen Uni-Campus profitieren. » mehr

Nach einem Bilderbuchsommer wird es herbstlich und allmählich wieder ruhiger in den Kulmbacher Biergärten. Die Wirte blicken auf umsatzstarke Monate zurück. Foto: Stefan Linß

24.09.2018

Abschied von der Super-Saison

Die Kulmbacher Wirte sind begeistert vom Freiluft-Geschäft 2018. Bei dem Bilderbuchsommer hatten Gäste viel Mühe, draußen einen der begehrten Plätze zu ergattern. » mehr

Reisen liegt im Trend: Urlauber und Geschäftsreisende sorgen dafür, dass die Zahl der Übernachtungen steigt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt jedoch vor immer längeren Arbeitszeiten für die Beschäftigten der Branche. Foto: NGG

15.03.2019

Hotellerie am Limit

Die Gewerkschaft NGG kritisiert die ausufernden Arbeitszeiten im Gastgewerbe. Dies sei eine Ursache für den Nachwuchsmangel in der Branche. » mehr

Mandy Prinz kauft Fliesenkleber. Die Kulmbacherin renoviert ihr Bad.

27.03.2019

Die Selbermacher legen los

Gartenbesitzer, Grillfans und Heimwerker zieht es ins Freie. Der Handel rechnet im Frühling mit steigenden Umsätzen. » mehr

Die NGG Oberfranken fordert schärfere Kontrollen, ob Gastronomen ihren Angestellten den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bezahlen. Foto: privat

22.05.2018

Zahlen Gastronomen zu wenig?

Die Gewerkschaft NGG fordert mehr Kontrollen im Kreis Kulmbach. Das Hauptzollamt Schweinfurt ermittelte 180 Mal wegen Verstößen gegen das Mindestlohngesetz. » mehr

Für den Start der Sanierung des Berufsschulgebäudes sind dieses Jahr 1,4 Millionen Euro eingeplant. Insgesamt sind 8 Millionen Euro veranschlagt.

24.01.2019

Der Landkreis baut Schulden ab

Die gute wirtschaftliche Lage und die Stabilisierungshilfen machen es dem Kreis möglich, seinen Schuldenstand zu senken. Gleichzeitig werden 7,8 Millionen Euro investiert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eiersuche im Marktredwitzer Auenpark

Eiersuche im Marktredwitzer Auenpark | 22.04.2019 Marktredwitz
» 18 Bilder ansehen

Ü30-Osterparty Susi Weißenstadt

Ü30-Osterparty Susi Weißenstadt | 21.04.2019 Weißenstadt
» 23 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - TSV Aubstadt 2:0 Hof

SpVgg Bayern Hof - TSV Aubstadt 2:0 | 22.04.2019 Hof
» 60 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 01. 2019
18:02 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".