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Marktredwitz

Ein 37-Jähriger sitzt in U-Haft

Die Kripo Hof ist sich sicher, den Brandstifter von Oberredwitz im Landkreis Wunsiedel verhaftet zu haben. Das Motiv liegt noch im Dunkeln.



Am schlimmsten traf es das Haus eines Paares in der Wegenerstraße. Es barnnte völlig aus.
Am schlimmsten traf es das Haus eines Paares in der Wegenerstraße. Es barnnte völlig aus.  

Marktredwitz – Der Feuerteufel von Oberredwitz ist gefasst, davon gehen Kripo und Staatsanwaltschaft Hof aus. Wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Freitag bekanntgaben, wurde bereits am Donnerstag der vorigen Woche ein 37-jähriger Mann unter dem dringenden Verdacht festgenommen, jener Brandstifter zu sein, der seit April dieses Jahres im Landkreis Wunsiedel eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt hatte. Der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Hof hat gegen ihn inzwischen einen Haftbefehl erlassen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Aus ermittlungstaktischen Gründen sei der Fahndungserfolg erst eine Woche später bekanntgegeben worden, hieß es.

21.04.2018 - Brandserie in Marktredwitz - Foto: Brigitte Gschwendtner / Matthias Bäumler / Herbert Scharf

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Dem mutmaßlichen Täter ist offenbar ein auffallendes T-Shirt zum Verhängnis geworden, das in der Nähe einer der Tatorte gefunden wurde. Das schwarze T-Shirt trägt den Aufdruck „I love Würzburg“. Mit dem Foto des Kleidungsstücks hatte die Kripo eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit gestartet. Ohne weitere Details preiszugeben, teilten Kripo und Staatsanwaltschaft mit, dass es ein Hinweis aus der Bevölkerung gewesen ist, der zu dem 37-jährigen Deutschen geführt hat; der Mann lebt in einem Nachbarort von Marktredwitz. Überführt worden sei er aber durch die Spuren an den Tatorten; Ermittler hatten sie in akribischer Feinarbeit gesichert.

Begonnen hatte die unheimliche Serie in den frühen Morgenstunden des 21. April. Fast zeitgleich meldeten mehrere Anrufer Brände, die im Marktredwitzer Ortsteil Oberredwitz ausgebrochen waren. Am schlimmsten war die Lage in einem Reihenmittelhaus in der Wegenerstraße. Das Haus in einem Komplex mit vier weiteren Häusern brannte völlig nieder, ein darin wohnendes Paar kam knapp mit dem Leben davon. Der Täter hatte Gartenmöbel, Polster und andere Gegenstände auf der Terrasse angezündet. Die Flammen griffen dann auf das Haus über. 

Bei einem weiteren Reihenhaus in der Adam-Krafft-Straße zündeten der oder die Brandstifter einen Teppich auf der Terrasse mit einem Brandbeschleuniger an. Dadurch wurden eine Markise, ein Sonnenschirm und andere Gegenstände auf der Terrasse zerstört. Der Holzbalkon und die Fassade wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Die in dem Haus wohnende junge Familie mit drei Kindern hatte Glück im Unglück, da die Flammen nicht ins Innere eindringen konnten. Im Garten eines weiteren Hauses im Johannes-Brahms-Weg versuchte der Täter, Plastikgegenstände und ein Gartenhaus mit Brandbeschleuniger zu entzünden. Auch hier griffen die Flammen nicht auf das Haus über. Ziel der Brandserie war aber auch ein abgestelltes Auto. 

In der Nacht zum 14. Mai schlug der Feuerteufel erneut mehrfach zu. Wenige Häuserreihen vom ersten Tatort erwachte weit nach Mitternacht eine ältere Frau durch Brandgeruch. Auf ihrer Terrasse standen die Möbel aus Holz und Plastik sowie die Polstermöbel in Flammen. Nachbarn hielten das Feuer in Schach, bis die Marktredwitzer Feuerwehr eintraf. So beschränkte sich der Schaden auf die Gartenmöbel, eine verkohlte Holztrennwand, eine angekohlte Hausfassade und eine zersprungene Terrassentür. 

Großes Glück hatten auch die Bewohner eines wenige Hundert Meter entfernten Hauses. Hier waren es eine Bank, Gartenstühle aus Holz und Plastik sowie Polstermöbel, die in Flammen standen. Glücklicherweise war der Sohn des Ehepaars zu Hause, der auf dieser Ebene des Hauses schläft. Er wurde gegen 2 Uhr von den prasselnden Flammen geweckt. Sofort weckte er die Eltern, die im oberen Stockwerk auf der anderen Hausseite schliefen. Der Hausherr schaffte es, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu ersticken. Den Rest erledigte die Feuerwehr, die kurz darauf eintraf. Sie konnte gleich ein Haus weiterziehen, denn auch dort brannten die Gartenmöbel auf der Terrasse. In der selben Nacht gab es noch zwei weitere Brände. Insgesamt gehen die Ermittler nach heutigem Stand von elf vollendeten oder versuchten Brandstiftungen aus.

In Oberredwitz dürfte die Erleichterung nach der Festnahme groß sein. Viele Menschen befürchteten, die nächsten Opfer des Brandstifters zu werden. Sogar über eigene Bürgerstreifen wurde diskutiert. Die Polizei setzte dem eine aufwändige Ermittlungs-Kampagne entgegen. Mit den Fällen befasste sich eine 15-köpfige Ermittlungskommission der Kriminalpolizei. Neben der Spurensuche an den Tatorten konzentrierte sich die Arbeit auf die Suche nach dem Besitzer eines schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „I love Würzburg“, das schon nach den ersten Anschlägen in der Nähe einer der Tatorte gefunden worden war. Mit Plakaten und Flugzetteln wurde die Bevölkerung um Mithilfe bei der Fahndung gebeten. Außerdem wurde eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ermittlung des Täters führen. Ob sie ausgezahlt wird, war am Freitag nicht zu erfahren.

Insgesamt richteten die Brände einen Schaden von rund 400 000 Euro an. Die Anklage lautet unter anderem auf schwere Brandstiftung. Darauf stehen Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren. Über das Motiv des 37-Jährigen gibt es laut Staatsanwaltschaft noch keine Erkenntnisse. Nur ein Motiv scheidet aus: Der Beschuldigte sei kein Mitglied einer Feuerwehr.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
29. 06. 2018
10:21 Uhr

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