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Marktredwitz

Großes Kompliment für die "alte Schule"

Professor Michael Piazolo und FAZ-Herausgeber Berthold Kohler würdigen die Bemühungen des OHG um mündige und gut gebildete Bürger. Diese stärken die Demokratie.



Um den 100. Geburtstag des Marktredwitzer Gymnasiums zu feiern, kamen die Ehrengäste zum Teil von weit her, freute sich Schulleiter Stefan Niedermeier bei der Begrüßung. Fotos: Florian Miedl
Um den 100. Geburtstag des Marktredwitzer Gymnasiums zu feiern, kamen die Ehrengäste zum Teil von weit her, freute sich Schulleiter Stefan Niedermeier bei der Begrüßung. Fotos: Florian Miedl   » zu den Bildern

Marktredwitz - War es ein Jubiläum oder eine Premierenfeier? Das konnten sich die zahlreichen Gäste fragen, die am Freitag zum Festakt "100 Jahre Otto-Hahn-Gymnasium" gekommen waren. Denn bei der Feier gab es noch nie dagewesene Ereignisse. Zum Beispiel hat erstmals ein bayrischer Kultusminister den Weg ins Marktredwitzer Gymnasium gefunden. Zwei Bundespräsidenten sowie etliche Minister und Staatssekretäre beehrten die Schule bereits, erklärte Oberstudiendirektor Stefan Niedermeier - doch es sei eine besondere Ehre, dass nun erstmals ein Kultusminister aus München zu Gast sei.

Erinnerungen

Mit dem Französischen stand Berthold Kohler auf Kriegsfuß - letztendlich schloss er jedoch sogar mit Horst Elsner Frieden. Diese habe nie wieder einen Schüler gehabt, "der sich so über eine Fünf freute", erzählt ihm sein Lehrer bei einem Abitreffen. "Einer der Schaufler ist heute Polizist - die Täter sind anwesend", verriet Kohler am Freitag: 1979 schaufelten zwei Unbekannte die Schuleingänge mit Schnee zu. Falls sich Nachahmer erwischen ließen, sollten sich von seinem alten Freund Wolfgang vernehmen lassen. "Er wird Milde walten lassen."

 

Bei 6100 Schulen in Bayern dauere es, "bis man da mal durch ist" - dafür bat Kultusminister Professor Michael Piazolo um Verständnis. Die Einladung, die noch an seinen Vorgänger adressiert gewesen sei, habe er sehr gerne aufrechterhalten. "So ein Jubiläum bleibt in Erinnerung." In Marktredwitz funktioniere alles gut - davon habe er sich nun überzeugt. Es sei nicht nötig, dass bald wieder ein Kultusminister vorbeikomme. "Man kann mit einem seligen Lächeln aus der Ferne wohlwollend nach Marktredwitz blicken und erst zur 200-Jahr-Feier wiederkommen."

 

Der Philologenverband bezeichnete Piazolo, den Initiator des Volksbegehrens gegen Studiengebühren in Bayern, als "historische Personalie", sagte Schulleiter Niedermeier. Denn der Freie Wähler sei seit über 60 Jahren der erste Kultusminister in Bayern ohne ein CSU-Parteibuch - also schon wieder eine Premiere.

Piazolo selbst dankte allen, die sich für das bewährte bayerische Schulsystem einsetzten. Dieses bleibe wie bisher durchlässig, differenziert und qualitätsvoll. Größere Schwerpunkte würden in den Bereichen Klimaschutz, Umweltschutz und Digitalisierung gesetzt. Im neuen neunstufigen Gymnasium gebe es längere Lernzeiten und größere Vertiefungs-Möglichkeiten. "Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit - wir brauchen mehr digitale, aber auch politische, soziale und mediale Bildung."

Marktredwitz gehe mit gutem Beispiel voran - als Ort, der es geschafft habe, gegen demographische Vermutungen anzukommen, sagt der Minister in Anspielung auf die Kehrtwende bei den Einwohnerzahlen. Bayern investiere viel in den Ausbau der Kernkompetenz digitale Bildung, betonte Piazolo. Ziel sei, in fünf Jahren 50 000 digitale Klassenzimmer im Freistaat zu haben - 10 000 gebe es schon.

Trotz all dieser Wandlungen bleibe jedoch die Werte- und Herzensbildung der zentrale Ansatz der Schulen. "Gerade in einer Zeit der Fake-News und Hate-Speaks ist das unerlässlich", sagte der Kultusminister. Mit der Beteiligung an Initiativen wie "Werte machen Schule" und integrativen Austauschprogrammen sei das OHG auf dem richtigen Weg.

Über die aktuellen Umbrüche, die vollkommen neue Fähigkeiten und Kompetenzen von Absolventen verlangten, sprach auch der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitun g, Berthold Kohler. Der Marktredwitzer, der das OHG selbst von 1972 bis 1981 besuchte, betonte in seiner Festrede: "Die digitale Revolution wird nicht weniger tiefe Spuren hinterlassen als ihre ältere Schwester, die industrielle Revolution." Die Zukunft, betonte Kohler, sei noch nie vorhersehbar gewesen. "Doch nun werden selbst Wahrscheinlichkeiten, denen man sich früher anvertrauen konnte, immer weniger wahrscheinlich." Jugendliche sollten für ihren Weg durchs Leben eines unbedingt gelernt haben: "selbständig zu denken und zu urteilen". Wie man Schülern zu diesem Urteilsvermögen verhilft, darüber dürften die Bildungspolitiker und Praktiker an der Schulfront in Zukunft weiter munter streiten. Am Ende der Reformschlachten zähle nicht, wer Recht behalten habe. "Es zählt allein die Qualität, die unser Bildungssystem hervorbringt."

Als er für seine Töchter im "hessischen Exil" eine weiterführende Schule suchte, ertappte sich Kohler dabei, eine zu suchen, "die dem Otto-Hahn-Gymnasium möglichst ähnlich war - im Geist, im Anspruch und im Menschenbild". Er könne seiner alten Schule kein größeres Kompliment machen, sagte Kohler.

In Zeiten der digitalen Revolution und der von ihr verursachten Kollateralschäden in den Hirnen findet der FAZ-Herausgeber ein Kulturgut wichtiger denn je: das Schafkopfen. Der "OHG-Ehemalige" betont, wie viel er "in der Raucherhöhle im Untergeschoss" bei diesem Spiel fürs Leben gelernt habe: "Schafkopfen necesse est, in Zeiten digitaler Egotrips mehr denn je."

 

Lesen Sie dazu auch "Peace-Song" erinnert an 1919

 
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Brigitte Gschwendtner
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Veröffentlicht am:
18. 01. 2019
20:20 Uhr

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Brigitte Gschwendtner

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18. 01. 2019
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