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Marktredwitz

Heimat ist vielfältig wie die Menschen selbst

Der Historiker Adrian Roßner lädt im Pfarrsaal Herz Jesu zu einer Spurensuche ein. Er findet deutliche Worte.



Adrian Roßner
Adrian Roßner  

Marktredwitz - Es war eine ganz spezielle Art von "Heimatabend", zu dem Johannes Geiger von der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Wunsiedel (KEB) das Publikum im Pfarrsaal Herz Jesu willkommen hieß: "Heimat hat viele Gesichter. Dahoam is für jede/n was/woanders" war die Veranstaltung überschrieben, die in Kooperation mit dem Egerland-Museum stattfand. Als Referenten mit "Qualifikation und Unterhaltungswert" begrüßte Geiger Adrian Roßner, Historiker, Hofer Kreisarchivpfleger, Referent für Heimat- und Brauchtumspflege, stellvertretender Vorsitzender des Fichtelgebirgsvereins und Buchautor. Auch das Konzept war speziell: Einem Impulsvortrag sollte eine gemeinsame Spurensuche folgen, was für den Einzelnen Heimat bedeutet oder nicht bedeutet.

Den geläufigen Begriff "Heimat", so Roßner, gebe es noch gar nicht so lange: Erst als im 19. Jahrhundert mit der beginnenden Industrialisierung die regionale Kleinteiligkeit aufgebrochen wurde, Wohn- und Arbeitsort sich plötzlich voneinander unterschieden und die gewohnten Traditionen wegbrachen, habe sich mit "Heimat" eine tiefe Sehnsucht verbunden, der Wunsch nach Rückkehr in eine "gute alte Zeit", in der das Leben noch einfacher war. "Heimat wurde erstmals romantisiert, auch in Literatur und Kunst."

Adrian Roßner ist ein leidenschaftlicher Historiker, deshalb zeigt er immer wieder Parallelen zur Gegenwart auf. Gerade in unserer Zeit werde der Begriff "Heimat" erneut derart emotionsgeladen zelebriert und auf einzelne Aspekte reduziert, dass die Realität oftmals verschwimme. Auch wir als Fichtelgbirgler hätten zum Beispiel vielfache Wurzeln: Mit einem Abstecher ins Mittelalter erklärt Roßner, wie unterschiedlich die ethnischen Gruppen gewesen seien, die das Fichtelgebirge einst besiedelten und wie gerade unser Kulturraum sich aus der Vielfalt der damaligen "Einwanderer" entwickelt habe, gut nachvollziehbar an der heute noch vorhandenen Sprachgrenze zwischen den Dialekten, die quer durch unsere Region verläuft.

Heimat, sagt Roßner, sei aber viel mehr als ein Land. Heimat sei nicht an einen Ort gebunden und immer offen für Veränderung. Klare Worte findet er auch zu den Abschottungstendenzen überall auf der Welt: "Wenn heute Menschen - egal ob in Amerika oder Deutschland oder sonst wo - meinen, sie müssten eine Grenze ziehen, die Kulturen voneinander trennt, hat das nichts mit Heimatschutz zu tun, sondern ist nationalistischer Blödsinn, der den Begriff ‚Heimat‘ instrumentalisiert." Unsere Kultur und das, was wir Heimat nennen, bleibe durch Veränderungen und Impulse von außen erst lebendig und könne sich weiterentwickeln. Das bedeute dann eben nicht, das jeweils Eigene zu opfern oder aufzugeben, sondern es im Austausch mit anderen zu pflegen und auszubauen. "Gerade in den unzähligen Eigen- und Besonderheiten liegt der große Wert der Heimat."

Durch die anschließenden Diskussionsbeiträge wurde dann auch rasch klar, worauf Roßner hinauswollte: Heimat ist keine bloße geographische Angabe. Sie ist auch, aber nicht nur eine Landschaft, die es für zukünftige Generationen zu erhalten und zu pflegen gilt. Heimat sind Freunde und Familie, ist ein sicherer Hafen, ist Hilfe in schlimmen Lebenslagen. Heimat ist Erinnerung und Aufgabe zugleich. Und: Heimat ist so vielfältig wie die Menschheit selbst.

Autor

Uschi Geiger
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Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
17:08 Uhr

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Uschi Geiger

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Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
17:08 Uhr



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