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Marktredwitz

Kinder für die Zukunft stark machen

Vier Kindertagesstätten in Marktredwitz arbeiten als "Sprach-Kitas". Dabei richtet sich der Blick schon einmal ins Jahr 2039.



Passend zur Jahreszeit wird der Sprachbaum zum Apfelbaum: Christina Köllner ordnet mit Kindern der Kindertagesstätte Kinderbrücke das Wort Apfel in der jeweiligen Sprache den zugehörigen Länderflaggen zu.	Foto: Peter Pirner
Passend zur Jahreszeit wird der Sprachbaum zum Apfelbaum: Christina Köllner ordnet mit Kindern der Kindertagesstätte Kinderbrücke das Wort Apfel in der jeweiligen Sprache den zugehörigen Länderflaggen zu. Foto: Peter Pirner  

Marktredwitz - Wie können wir unsere Kinder auf die schnellen und weitreichenden Veränderungen in der Zukunft vorbereiten? Was können Eltern und Erzieherinnen heute schon dafür tun? Und welche entscheidende Rolle spielt dabei die Sprache? Einige Antworten auf diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Elternabends der Sprach-Kitas in Marktredwitz: "Die Welt unserer Kinder in 20 Jahren - starke Kinder für die Zukunft", der im evangelischen Pfarrhof stattfand.

Seit drei Jahren nehmen die vier evangelischen Kindertagesstätten Kinderbrücke, Arche Noah und Zum guten Hirten aus Marktredwitz sowie Regenbogen aus Lorenzreuth an einem Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend teil. "Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" heißt es. Alle Kinder sollen von guten Bildungsangeboten profitieren, so lautet das große Ziel. Der Weg dorthin führt über die Finanzierung außerplanmäßiger Erzieherstunden für eine "Zusätzliche Fachkraft Sprach-Kita".

Das Bundesprogramm fördert sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik sowie die Zusammenarbeit mit Familien und stärkt somit die Qualität der Kindertagesbetreuung. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit. Drei Fachkräfte führten mit Vorträgen ins Thema ein. Henriette Ernstberger vom Kinderhaus Guter Hirte sprach beständige und liebevolle Beziehungen an, die der beste Start für eine gute Entwicklung der Kinder seien. Mit dem Aufbau von Beziehungen mache das Kind seine ersten eigenen Schritte in die Welt. Sprache sei die Basis für Interaktion und soziales Lernen.

Christina Köllner von der Kindertagesstätte Kinderbrücke erläuterte die Rolle der vielfältigen Erfahrungen, die Kinder machen. In Natur, Bewegung und Musik, in Hauswirtschaft, Kreativität und Rollenspielen, in Medien, Handwerk, Religion und Gemeinschaft erleben die Kleinen vieles, mit dem sie zurechtkommen müssen. Deshalb sei es wichtig, dass die Anforderungen an die jeweils eigene Entwicklung angepasst sind. Dabei sind natürlich auch starke Gefühle wie Wut, Ärger, Zorn oder Freude, Begeisterung und Glück wichtig. Sie sind erlaubt, die Kinder müssen aber lernen, sie zu kontrollieren.

Beate Meyer vom Kindergarten Regenbogen nannte das Grundbedürfnis eines Kindes nach Grenzen und Strukturen. Regeln böten Sicherheit: "Ein Ja ist ein Ja und ein Nein ist ein Nein!" Dabei gehe es um sinnvolle Regeln, die wohlwollend erzieherisch umgesetzt werden. Druck oder sogar Gewalt hätten hier nichts zu suchen. Als erfahrene Erzieherin weiß sie aber auch: "Das Schwierigste an der Kindererziehung ist ja, sich selbst an alle Regeln zu halten!"

Doris Gatzen, Diplom-Sozialpädagogin und Sozialtherapeutin, unterstützt die Fachkräfte als Fachberaterin Sprach-Kitas. Sie wagte mit den Eltern und Erzieherinnen eine Zeitreise in unser Leben im Jahr 2039. Welche Entwicklungen sind zu erwarten? Was zeichnet sich heute schon ab? Eine Grundlage sei die vierte Stufe der industriellen Revolution, kurz die Industrie 4.0. Hier werden reale Objekte und virtuelle Prozesse verknüpft. Eine Idee hiervon bekommt man, wenn man eine VR (Virtual Reality)-Brille nutzt.

Schlaf und Gesundheit können heute schon in Ansätzen überwacht werden, dafür gibt es Sleep-Tracker- und Health-APPs. Im Bereich Ernährung gibt es bereits Küchenmaschinen mit Wlan-Funktion, die von unterwegs übers Smartphone aktiviert werden können. "Fleisch" wird in Bioreaktoren oder auf pflanzliche Weise erzeugt. Unsere Mobilität wird sich drastisch verändern, bereits heute fahren die U-Bahnen in Nürnberg auf zwei Strecken oder Kleinbusse auf Messegeländen führerlos. Am Beispiel einer Kassiererin im Supermarkt zeigte Doris Gatzen den Wandel im Berufsleben: Lange Zeit musste der Preis von Preisschildchen an der Ware in die Kasse eingetippt werden, später waren es drei- oder vierstellige Codes, heute wird die Ware gescannt. Und morgen? Da wird der Kunde seine Ware wohl selbst scannen. In Asien wird der Service beim Einkaufen oder in Restaurants oft schon von Robotern übernommen, erste Ansätze gibt es auch in der Alten- und Krankenpflege. Und auch wir setzen die ersten Helferlein zuhause schon ein: Roboter zum Saugen, Mähen oder Fensterputzen sind keine Sensation mehr.

Enorme technische Fortschritte werden unser Leben grundlegend verändern. Darauf müssen wir uns einstellen, darauf müssen wir unsere Kinder vorbereiten, zog Doris Gatzen als Fazit. Das Wesentliche sei es, soziale Kompetenzen zu stärken; also die Kinder Werte, Verantwortung, Toleranz und Mitgefühl sowie den Umgang miteinander zu lehren und zu unterstützen.

Darauf aufbauend sprach Anne Grabe von der Arche Noah an, wie das im Alltag aussehen könnte: Eltern sollten den angeborenen Kompetenzen des Kindes vertrauen und sie nicht einengen, die Talente ihrer Kinder sollten sich entfalten können. Zusammen auf Entdeckungsreise gehen, ihre Neugierde fördern, kreativ und ideenreich sein, die Natur erleben und sich auf das Kind einlassen - das könnten die besten Ansätze sein, unsere Kinder für die Zukunft stark zu machen.

Autor

Peter Pirner
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Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
18:16 Uhr

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Peter Pirner

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Veröffentlicht am:
17. 10. 2019
18:16 Uhr



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