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Marktredwitz

Marktredwitz - ein historischer Sonderfall

Professor a. D. Herbert Popp ist beim Historischen Club zu Gast. Er referiert über Städte und darüber, was sie auszeichnet.



Marktredwitz von oben, wie es sich derzeit darstellt; viele stadtgeografische Elemente halten bis heute dem Vergleich mit dem Urkataster, dem ältesten Stadt-Grundriss, stand. Foto: Herbert Popp
Marktredwitz von oben, wie es sich derzeit darstellt; viele stadtgeografische Elemente halten bis heute dem Vergleich mit dem Urkataster, dem ältesten Stadt-Grundriss, stand. Foto: Herbert Popp  

Marktredwitz - "Das Wohlbefinden von Menschen", sagt Herbert Popp, "hängt auch davon ab, wie die Stadt aussieht, in der sie wohnen." Der emeritierte Professor für Stadtgeografie und Geografie der Universität Bayreuth hat sich intensiv mit den oberfränkischen Stadtlandschaften beschäftigt und 2015 einen opulenten Bildband dazu herausgegeben: "Die Städte Oberfrankens von oben betrachtet". So hieß auch der Vortrag, den Popp vor dem Historischen Club im Hotel "Meister Bär" hielt.

Feuersbrünste

"Die großen Feuersbrünste in Marktredwitz" ist das nächste Thema im Historischen Club. Friedrich Haubner wird dazu am Dienstag, 5. Februar, um 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus Marktredwitz referieren. Weitere Informationen gibt es unter www.historischer-club-mak.de.


Durch eine einfache Methode machte der Referent seine reich bebilderte Präsentation anschaulich: Ausgehend vom "Urkataster", dem ältesten verfügbaren Grundriss der Stadt, erkannte man leicht die ursprüngliche Bebauung, wenn man das von Popp selbst aufgenommene aktuelle Luftbild der Stadt damit verglich.

53 Städte gebe es in Oberfranken, so Popp, die in Bezug auf ihre Entstehung, ihre bauliche Ausprägung und ihre aktuelle Funktion ein breites Spektrum abdeckten. Sie seien überwiegend im Mittelalter entstanden als Ausdruck eines erstarkenden Bürgertums und landesherrlichen Machtstrebens. Etliche Privilegien seien damals mit dem Titel "Stadt" einhergegangen, zum Beispiel eine eigene Gerichtsbarkeit und Verwaltung, das Zunftwesen oder eine Ummauerung. Der bekannte Satz "Stadtluft macht frei!" stamme aus dieser Zeit.

Gründe für die Entstehung einer Stadt, erläuterte Popp, seien je nach Epoche oder Zweck unterschiedlich: "Mutterstädte" entstanden als Siedlung von Kaufleuten neben einer Burg. In Oberfranken gebe es davon nur eine einzige: Bamberg, gleichzeitig die älteste. Als "Gründungsstädte" bezeichne man Ansiedlungen, die die Macht des Kaisers stützen und die der Landesherren einschränken sollten und als Fernhandelszentren eine wirtschaftliche Rolle spielten. Coburg, Bayreuth, Hof und Kulmbach gehörten zu dieser Kategorie. Von den jeweiligen Landesherren dagegen seien die "Territorialstädte" gegründet worden, von denen es in Oberfranken nur drei gebe: Forchheim, Weismain und Kronach.

Der Name "Kümmer- und Minderstädte" verrate bereits, führte Popp aus, dass es sich hier um sehr kleine Gründungen handle, die oft nicht alle Stadtrechte bekommen hätten. Entstanden seien sie meist in der Zeit von 1315 bis 1420, was auch auf die meisten Städte Oberfrankens zutreffe. Eine wichtige Untergruppe stellten hier die Bergbau- und Industriestädte dar: So habe das 1268 erstmals urkundlich erwähnte Arzberg im Jahr 1408 das Stadtrecht erhalten, dank einer gängigen Strategie der damaligen Landesherren, neu entstandene Siedlungen zur Stärkung der eigenen Macht mit Stadtrechten zu versehen; vor allem, wenn sie Bergbau betrieben. So habe Arzberg nie eine Stadtmauer besessen, ging Popp ins Detail, allerdings eine "Kirchburg" für Notfälle und drei Stadttore - Letztere dienten vor allem dazu, bei den Händlern abzukassieren.

Eine bedeutende "Ackerbürgerstadt" der Region sei Weißenstadt gewesen, wo man außerdem auch Bergkristall und Granit abgebaut habe. In jüngerer Zeit habe dieser Ort eine beispiellose Erfolgsgeschichte erlebt, was den Tourismus betreffe. Erwähnenswert, so Popp, sei auch Rehau, die einzige bekannte klassizistische Planstadt überhaupt, nach einem verheerenden Brand 1817 völlig neu konzipiert und aufgebaut.

Daraufhin warteten die Zuhörer natürlich gespannt auf Popps Einordnung ihrer eigenen Heimatstadt: Marktredwitz, erfuhren sie, sei in vieler Hinsicht eine Ausnahme: "Redwitz besaß eine Ummauerung, drei Stadttore und einen Wallgraben, hatte das Marktrecht und einen eigenen Magistrat, also viele Elemente, die sonst nur Städte aufweisen können. Allerdings hat es von Eger, zu dem es ja bis 1816 gehörte, nie die Stadtrechte bekommen." Erst der starke Schub durch die Industrialisierung und der Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert hätten zur Stadterhebung im Jahr 1907 geführt. "Leider waren zu jener Zeit keine Sonderrechte mehr damit verbunden", merkte Popp augenzwinkernd an. "Der historischen Baubestand in Marktredwitz ist bis jetzt noch gut erhalten: Unter anderem das alte Rathaus, der Luginsland oder die Garnisonskirche vermitteln den Eindruck eines im Großen und Ganzen einheitlichen Ensembles im Stadtkern, der eine gewisse historische Urbanität ausstrahlt."

Nicht nur einmal legte der Referent seinen Zuhörern ans Herz, wie nötig es ist, dieses "materielle Kulturerbe" zu bewahren: "Gerade die Städte, die ihre historischen baulichen Schätze nicht zerstört haben, sondern gezielt für den Tourismus nutzen, stehen heute glänzend da."

Gerade Städte, die ihre

historischen baulichen Schätze nicht zerstört haben, stehen heute glänzend da.


zitat

Herbert Popp, Stadtgeograf


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Uschi Geiger
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Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
17:04 Uhr

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Uschi Geiger

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10. 01. 2019
17:04 Uhr



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