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Marktredwitz

Menschen und Momente des Näherkommens

Mit einer Festschrift gedenkt der deutsch- tschechische Zukunftsfonds seiner zwanzig Jahre währenden Geschichte. Ein Heft zum grenzüberschreitenden Schmökern.



Auf achtzig Seiten kann man in der Festschrift des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds Wissenswertes aus der Arbeit der Institution erfahren.
Auf achtzig Seiten kann man in der Festschrift des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds Wissenswertes aus der Arbeit der Institution erfahren.   » zu den Bildern

Marktredwitz/Prag - Innehalten und mit dem nötigen Abstand auf das Geschehene blicken, das will der deutsch-tschechische Zukunftsfonds (ZF) mit seiner Publikation zum zwanzigsten Jubiläum. Es ist ein Betrachten der großen Linien ebenso wie der Mosaiksteine, die sie verbinden, wie die Geschäftsführer Petra Ernstberger und Tomás Jelínek im Geleitwort schreiben.

Schläger referiert

Der SPD-Kreisverband Fichtelgebirge lädt am heutigen Samstag, 1. September, von 10 bis 12 Uhr in das SPD-Büro in Marktredwitz ein. Albrecht Schläger, Kreistagsmitglied, ehemaliges Landtagsmitglied, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, Mitglied der Seliger-Gemeinde und Mitglied im Verwaltungsrat des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, referiert und informiert über die Arbeit und das Wirken der Seliger-Gemeinden und des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds.


Es geht um die wichtigsten Momente der vergangenen zwei Jahrzehnte, aber auch um die Menschen, die dieses Sich-Näherkommen der Nachbarn im Herzen Europas begleitet haben. So ist auch der Hauptteil des Büchleins mit "20 Jahre - 20 Themen - 20 Persönlichkeiten" überschrieben. Diese Beiträge zeigen , wie der Fonds sein Wirkungsfeld stetig erweitert und dennoch in seiner Aktivität die Kontinuität gewahrt hat, die eine solide Basis für die Zusammenarbeit zwischen Tschechen und Deutschen legen konnte.

Dabei waren die Anfänge des ZF durchaus wackelig, der Dialog zwischen Deutschen und Tschechen "im Minenfeld der Geschichte" noch schwierig. Daran erinnert Lída Raku sanová, die Grande Dame des tschechischen Journalismus, in ihrem Beitrag. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe Deutschland begreifen müssen, dass mit der Öffnung der Grenzen auch das Kapitel der Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus erneut aufgeschlagen worden war, schreibt sie. Sechs Jahre lang sei verhandelt worden, bis die Deutsch-Tschechische Erklärung 1997 unterschriftsreif war, ein Reiseplan, für beide Seiten einigermaßen akzeptabel. Sie beinhaltete auch die Gründung eines gemeinsam finanzierten Fonds, aus dem tschechischen Opfern des Nationalsozialismus geholfen werden sollte und der einen deutsch-tschechischen Dialog anstoßen sollte. Wie sich Raku sanová weiter erinnert, entwickelten sich langsam gegenseitiges Vertrauen und ein ehrlicher Dialog. Darauf konnte die Arbeit des Zukunftsfonds aufbauen. Er unterstützte unter anderem grenzüberschreitende Paraden von Amateur-Kapellen oder die Treffen von Theatergruppen zweier Schulen, die eine deutsch-tschechische Aufführung probten. Raku sanová: "Das sind Kleinigkeiten. Aber für das Zusammenwachsen von Regionen, die zuvor durch den Eisernen Vorhang getrennt waren, sind sie unbezahlbar."

So sagt auch Felix Kolmer, ein Holocaust-Überlebender, der sich die Versöhnung zur Lebensaufgabe gemacht hat: "Vor allem der Jugend beider Länder gibt der Fonds Raum zur Zusammenarbeit." Kolmer ist eine der zwanzig Persönlichkeiten, die - eindrucksvoll fotografiert von Karel Cudlín - in der Festschrift porträtiert werden. "Ohne den Fonds sind die deutsch-tschechischen Kulturbeziehungen heute schon nicht mehr vorstellbar", sagt Jitka Jílková, die Direktorin des Prager Theaterfestivals deutscher Sprache. Der ZF ist von Anfang an ein Partner des Festivals. Und der Diplomat und Dichter Tomás Kafka fasst zusammen: "Der Zukunftsfonds hat den Bürgern beider Länder geholfen zu begreifen, dass die deutsch-tschechischen Beziehungen nicht nur eine historische Hypothek darstellen, sondern auch eine tagtägliche Chance."

Zu einer ordentlichen Bilanz gehören natürlich auch Zahlen. Statistiken schlüsseln die 10 297 grenzübergreifenden Projekte auf, die der ZF seit seiner Gründung unterstützt hat. 56,4 Millionen Euro sind insgesamt in diese Maßnahmen geflossen. Mehr als 400 000 Kinder und Jugendliche beider Länder erhielten zum Beispiel durch den ZF die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen. Ein gutes Drittel (35 Prozent) der ZF-Projekte in Deutschland fand in Bayern statt, 27 Prozent in Sachsen.

Ernstberger und Jelínek mahnen in ihrem Geleitwort, dass der Blick in die Zukunft ungewiss sei: "1998 waren die Rahmenbedingungen besser, als es die deutsch-tschechischen Beziehungen waren. Heute ist es umgekehrt." Aufgabe für die Arbeit des Zukunftsfonds bleibe es, den Zusammenhalt der Gesellschaften in beiden Ländern zu fördern und ihren Zuspruch für eine demokratische, offene Lebensform zu stärken sowie den Zusammenhalt der Europäischen Union nach Kräften zu unterstützen.

Autor

Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
01. 09. 2018
00:00 Uhr

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Rainer Maier

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01. 09. 2018
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