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Marktredwitz

Wacker-Hügel lockt die Raser

Nach drei Monaten Verkehrsüberwachung durch den Zweckverband steht fest: Viele sind zu flott unterwegs. Die Kontrollen sollen jetzt noch verstärkt werden.



Wenn’s blitzt, kann es teuer werden. Symbol-Foto: Alexander Körner/dpa
Wenn’s blitzt, kann es teuer werden. Symbol-Foto: Alexander Körner/dpa  

Marktredwitz - Zum 1. Oktober des vergangenen Jahres hat der Stadtrat Marktredwitz den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz mit Sitz in Amberg mit der Überwachung des fließenden und ruhenden Verkehrs beauftragt. Die Stadt ist seither auch selber Mitglied des Zweckverbands. Die Erkenntnis: Fast jeder Vierte, in manchen Gebieten sogar jeder Dritte, ist zu schnell mit dem Fahrzeug unterwegs.

Die Geschichte der Kommunalen Verkehrsüberwachung in Marktredwitz hat so manche Facetten. Sie reicht für den ruhenden Verkehr bis ins Jahr 1992 zurück. Und einmal gab es sogar einen Verkehrsüberwacher, der wegen eines Verstoßes selbst vor Gericht stand.

Dass die (finanziellen) Folgen der Überwachung nicht immer für Begeisterung - vor allem bei den Betroffenen - sorgen, liegt auf der Hand. Der Marktredwitzer Polizeichef Robert Roth bringt es auf den Punkt: "Jeder wünscht sich einen sicheren Verkehr, aber wenn er selber geblitzt wird, ist er nicht erfreut darüber. Das ist menschlich verständlich."

In den sozialen Netzwerken sind die Kommunale Verkehrsüberwachung und vor allem die Orte, an denen geblitzt wird, ein ebenso beliebtes wie heiß diskutiertes Thema. Nach einem Vierteljahr Überwachung kann man eine erste Bilanz ziehen.

Ordnungsamtsleiterin Birgit Schelter und Maximilian Köckritz, Geschäftsführer der Kommunalen Verkehrsüberwachung Oberpfalz, sind sich in einem Gespräch mit der Frankenpost einig: "Die Überwachung ist notwendig. Es wird im Stadtgebiet einfach zu schnell gefahren." Und sie belegen das auch mit Zahlen. Abgesprochen werden die Messungen übrigens im Vorfeld sowohl mit der Stadtverwaltung als auch mit der Polizei.

Bisher wurde an zehn verschiedenen Stellen im Marktredwitzer Stadtgebiet gemessen. Das seien in den ersten beiden Monaten immerhin 18 361 Fahrzeuge gewesen, die die Kontrollen passierten. Nach Abzug der Toleranz von mindestens sechs Stundenkilometern seien es immer noch mehr als elf Prozent, denen anschließend ein Bußgeldbescheid ins Haus flattert.

Das beginnt bei 15 Euro für eine Überschreitung von sechs bis zehn Kilometern und bewegt sich bis zu 200 Euro, zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei und einen Monat Fahrverbot bei einer Überschreitung von 41 bis 50 Kilometer pro Stunde.

Am höchsten ist die Verstoß-Quote in einer 30-Kilometer-Zone in Marktredwitz, nämlich in der Kopernikusstraße am Wacker-Hügel. 40 bis 50 Prozent der Verkehrsteilnehmer waren hier bei Messungen in dem Wohngebiet zu schnell.

Bei rund 20 Prozent lagen die Verstöße in der Lorenzreuther Straße am Stadtausgang von Marktredwitz. Unweit des Schulzentrums soll künftig auch geblitzt werden.

Der Stadtrat Marktredwitz hat auch die Überwachung des ruhenden Verkehrs der Kommunalen Verkehrsüberwachung übertragen. Und zwar nicht nur, wie früher, in der Innenstadt, sondern auch in den Außenzentren. Erste Erfolge werden bereits bei der Parksituation vor dem Klinikum verzeichnet, fassen Birgit Schelter und Maximilian Köckritz zusammen. "Oft", so die Ordnungsamtsleiterin, "ist den Fahrern ihr Fehlverhalten gar nicht bewusst, wenn sie entgegen der Fahrtrichtung, auf Sperrflächen oder Bushaltestellen parken." Ein auf einem Gehweg geparktes Auto aber könne zum Beispiel einen Rollstuhlfahrer oder eine Mutter mit Kinderwagen zu gefährlichen Ausweichmanövern zwingen oder im Extremfall einen Rettungswagen oder Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz behindern.

"Verkehrsüberwachung schützt", unterstreicht der Geschäftsführer der Kommunalen Verkehrsüberwachung. Denn nach wie vor sei überhöhte Geschwindigkeit die Hauptursache für Unfälle. Man sorge nicht nur für freie Fahrt für Feuerwehr und Notarzt, sondern auch für die Lebensqualität von Anwohnern.

Köckritz rechnet vor, dass mit zunehmender Geschwindigkeit auch der Bremsweg zunehme. Der betrage bei einer Reaktionszeit von 0,8 Sekunden bei 50 Kilometern pro Stunde immerhin 23,5 Meter - eine lange Strecke bei einem unvorhersehbaren Hindernis. "Bei 60 sind es sogar 31 Meter."

Kein gutes Haar lässt der Geschäftsführer an privaten Überwachungsunternehmen. "Das gehört nicht in private Hand", betont er und stellt auch in Frage, ob da alle nach Recht und Gesetz handelten. Anders sei dies beim Zweckverband. Hier handle es sich um eine Behörde, eine Einrichtung des öffentlichen Rechts, die nach Tarif bezahle und ihre Mitarbeiter regelmäßig zu Schulungen schicke. Alle Außendienstmitarbeiter seien durch eine bayerische Verwaltungsschule zertifiziert.

Anders als bei manchen privaten Anbietern stehe nicht der Gewinn, sondern die Verkehrssicherheit im Vordergrund. "Der Vorteil für die Mitgliedsgemeinden liegt auf der Hand. Sie haben keine Personalausgaben für diese Aufgaben. Und die Verwarn- und Bußgelder gehen zu 100 Prozent an die Kommunen."

Schnellfahrern macht Ordnungsamtsleiterin Schelter keine Hoffnung auf weniger Kontrollen. Waren es bisher zehn Messstellen in der Stadt, so wurden mittlerweile insgesamt 19 Stellen ausgewählt, an denen zu schnell gefahren werde. Und nach vielen Beschwerden könnten sich Fahrer künftig auch zur nächtlichen Stunde nicht sicher fühlen. Auch da solle demnächst gestoppt werden.

Energisch wehren sich die beiden gegen den Vorwurf, die Stadt oder der Zweckverband wollten abkassieren und handelten gewinnorientiert. Für den Zweckverband könne das schon gleich gar nicht zutreffen, betont Geschäftsführer Köckritz. Denn der werde nach Einsatzstunden - die Stunde für 100 Euro plus Bearbeitungskosten - fix bezahlt. Und auch für die Stadt gehe es nur um die Verkehrssicherheit, beteuert Schelter. Denn generell bleibe hier nichts übrig, es sei für die Stadt ein Verlustgeschäft. Was man aber wegen einer höheren Verkehrssicherheit gerne in Kauf nehme.

Autor

Herbert Scharf
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Veröffentlicht am:
22. 01. 2019
17:28 Uhr

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22. 01. 2019
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