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Münchberg

Granit mit Ausstrahlung

Der gelbliche Stein aus Reinersreuth war einst in aller Welt begehrt. An die über 100-jährige Geschichte des Werkes erinnert Dr. Reinhardt Schmalz in einem Vortrag.



Das Reinersreuther Granitwerk um 1910. Im Bild rechts das untere Ende der Seilbahn, die zum Steinbruch führte. In der Mitte oben der Eisenbahnanschluss. Ganz links im Bild die "Steinquetsche", die zur Herstellung von Schotter diente. In der Mitte des Fotos ist der Lagerplatz zu sehen, auf dem teilweise im Freien gearbeitet wurde.
Das Reinersreuther Granitwerk um 1910. Im Bild rechts das untere Ende der Seilbahn, die zum Steinbruch führte. In der Mitte oben der Eisenbahnanschluss. Ganz links im Bild die "Steinquetsche", die zur Herstellung von Schotter diente. In der Mitte des Fotos ist der Lagerplatz zu sehen, auf dem teilweise im Freien gearbeitet wurde.   » zu den Bildern

Sparneck - Reinersreuther Granit in aller Welt: Der einzigartige, gelbliche Granit aus dem Steinbruch am Waldstein war einst sehr begehrt wegen seiner warmen Ausstrahlung. Monumente und Fassaden gingen in alle Erdteile. Doch diese Zeiten sind vorbei. Über den Aufstieg und Niedergang der Reinersreuther Granitwerke - und damit über die über 100-jährige Geschichte des Granitwerkes berichtete jüngst Dr. Reinhardt Schmalz bei der Historischen Runde Sparneck.

Am 15. Mai 1889 gründete der studierte Geologe Dr. Erwin Goller die Reinersreuther Granitwerke. Sie waren damit ein Zweigbetrieb der "Fichtelgebirgs-Granitwerke Künzel, Schedler & Co." mit Sitz in Schwarzenbach an der Saale. Dazu kaufte Goller den Steinbruch des Johann Erhard Flessa aus Zell am sogenannten "Felsla" oberhalb von Reinersreuth. Goller ließ eine Bremsbergbahn einrichten, die das Rohmaterial nach Reinersreuth beförderte.

Dr. Erwin Goller war ein bedeutender Förderer der gesamten Region. Er war maßgeblich beteiligt, als 1902 die Lokaleisenbahn von Zell nach Münchberg mit einem Abzweig ins Reinersreuther Granitwerk gebaut wurde. Als Vorsitzender des Fichtelgebirgsvereins Münchberg initiierte er außerdem 1906 den Bau des Unterkunftshauses am Waldstein. Von 1905 bis 1912 war er Reichstagsabgeordneter in Berlin im Wahlkreis Hof-Münchberg-Naila-Rehau. Nach dem frühen Tod von Dr. Erwin Goller 1918 wurde das Granitwerk von seinem Schwiegersohn Christian Kreiner weitergeführt. Als dieser 1936 verstarb, übernahmen seine Witwe Hildegard und deren Tochter Rosemarie die Leitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg Franz Henschel ein und 1969 dessen Sohn Günther. Nach einer Insolvenz im Jahre 1997 ging der Betrieb durch mehrere Hände und gehört heute der Firma "Perspektiva GmbH" aus Hof.

"Es war eine schwere und gefährliche Arbeit in den Steinbrüchen und bei der Weiterverarbeitung des Granits, zu der es starke und mutige Männer brauchte", berichtete Dr. Reinhardt Schmalz. In guten Zeiten seien bis zu 150 Arbeiter im Granitwerk beschäftigt gewesen. Vom Brechen über das Sägen bis hin zu diversen Oberflächenbehandlungen wurden alle Steinbearbeitungstechniken ausgeführt. "Die Herstellung von großen Granitkugeln wie zum Beispiel für den Kugelbrunnen in Hof, wurde hier entwickelt", berichtete Schmalz. Künstler fertigten unzählige Denkmäler. Bis der billige Granit aus Fernost den Markt überflutete und die einheimischen Betriebe in Existenznot brachte. Reinersreuth war über 100 Jahre lang geprägt vom Granit und dessen Verarbeitung. "Das Granitwerk brachte dem Dorf Arbeit und Brot. Zeitweise waren sogar zahlreiche türkische Gastarbeiter hier tätig", sagte Dr. Reinhardt Schmalz und zog schließlich eine traurige Bilanz, denn: Heute gibt es keinen Landwirt mehr und keine Arbeitsplätze im Ort. Die Einwohnerzahl hat sich seit den 1970er-Jahren halbiert.

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06. 02. 2019
19:36 Uhr

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06. 02. 2019
19:36 Uhr



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