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Münchberg

Löwin ohne Hochmut

Die Grundschule Münchberg verabschiedet Susanne Feldmann. Zeitweise leitete die Rektorin zwei Häuser und managte die Fusion. Der Beruf bestimmte ihr Leben.



Die Schulräte Manfred Riedel (links) und Stefan Stadelmann danken Susanne Feldmann für ihren Kampfgeist.	Foto: cs
Die Schulräte Manfred Riedel (links) und Stefan Stadelmann danken Susanne Feldmann für ihren Kampfgeist. Foto: cs  

Münchberg - In der Hektik der letzten Schultage bleibt Susanne Feldmann nicht viel Zeit für Wehmut. Außer an dem Ort, an dem sie sich schon immer am wohlsten fühlt - im Klassenzimmer. Unterrichten bezeichnet sie als ihre Kraft-Tankstelle. Hier holt sie sich Energie für den oft stressigen Job einer Rektorin. "Mit Kindern Schule zu machen, das wollte ich schon immer", erzählt sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung, wenige Tage vor ihrem Abschied.

Letzter Schultag und ein neuer Rektor

Heute ist Susanne Feldmanns letzter Schultag. Vor 42 Jahren ist sie in den Beruf gestartet. Zunächst war die gebürtige Bayreutherin an der Volksschule Stammbach tätig. Nach Stationen in Unterfranken unterrichtete sie 17 Jahre lang an der Grund- und Teilhauptschule Weißdorf-Sparneck. Von 2002 bis 2009 war sie Konrektorin an der Kreuzbergschule und von 2009 bis 2012 Rektorin an der Parkschule. Danach führte sie zwei Häuser: Die Parkschule und die Kreuzbergschule, die zur Grundschule Münchberg wurden - mit zwei getrennten Gebäuden. Das änderte sich 2016. Seitdem findet der Unterricht nur in der Kreuzbergschule statt.

Udo Schönberger wird neuer Rektor der Grundschule. Er ist zurzeit an der Jean-Paul-Grundschule in Schwarzenbach an der Saale tätig.


Feldmann verlässt die Kreuzbergschule vorzeitig mit 64 Jahren aus gesundheitlichen Gründen. "Mein Leben war vom Beruf bestimmt, nun bestimme ich es." Nach 42 Jahren im Schuldienst, davon 17 Jahre in der Leitung, will sie künftig ihre Gesundheit in den Mittelpunkt rücken. Ihr Wohnort bleibt Münchberg. "Es ist meine zweite Heimat geworden", betont die gebürtige Bayreutherin.

Für sie stand schon vor vielen Jahren fest: Wenn sie eine Stelle als Leiterin antritt, dann hier. "Münchberg ist nicht nur Schulstadt auf dem Papier, man hat hier wirklich ein Herz für Kinder." Aus dem Rathaus habe sie beste Unterstützung erhalten. "Vielleicht, weil der Bürgermeister selbst Lehrer ist und um die Bedeutung von Schulen weiß."

Mit Rückenwind aus dem Rathaus ist es Susanne Feldmann noch kurz vor ihrem Ausscheiden gelungen, ein Novum "durchzuboxen": Ab September wird eine Sozialarbeiterin an der Schule tätig sein. Sie dient als neutrale Ansprechpartnerin für die Kinder bei Schwierigkeiten und Sorgen. Der Rektorin war es ein besonderes Anliegen: "Probleme tauchen nicht erst in den weiterführenden Schulen auf. Wir müssen so früh wie möglich ansetzen." Das entspricht dem Leitsatz, mit dem sie 1977 in den Beruf gestartet ist: "Bestmögliche Förderung für jedes Kind."

Auf die Frage, was ihr nach der langen Zeit besonders in Erinnerung bleibt, erwähnt sie die Flüchtlingswelle 2015 und die Art, damit umzugehen. Sie erzählt von Netzwerken aus Dolmetschern und Alphabetisierungskursen. "Mit einem Kollegium, das mitzieht, kann man vieles schaffen", betont sie im Interview.

Bei der offiziellen Verabschiedung an ihrem vorletzten Schultag hebt Schulrat Stefan Stadelmann den unermüdlichen Kampfgeist der Leiterin hervor: "Sie haben wie eine Löwin für Ihre Schule gekämpft!" Er attestiert Feldmann Empathie, Ausdauer, Fachwissen, Liebe, Herzblut und stets eine positive Einstellung.

Unvergessen bleiben für ihn die Gespräche mit ihr über Bildung, bei denen sie sich "heißgeredet" haben und stets ein gut gefülltes Glas Konfekt leer wurde. "Aber das lag an mir", gesteht er lachend.

Für ihren Ruhestand wünscht er ihr Zeit für lange Spaziergänge und verrät, dass Feldmann laut Personalakte einen Wanderführer-Lehrgang absolviert hat. "In Münchberg haben Sie Spuren hinterlassen!"

Dafür dankt ihr auch Bürgermeister Christian Zuber: "Die Grundschule trägt Ihren Stempel!" Er erinnert an den Kraftakt, die Schulfamilie zusammenzuführen. Lange musste die Leiterin zwischen zwei Gebäuden pendeln und schließlich 2016 Schüler und Lehrer der Parkschule in die Kreuzbergschule integrieren.

"Welch ein Kraftakt das für Sie war, können wir nicht ermessen", meint Konrektorin Michaela Pruschwitz. Zusammen mit ihrer Kollegin Alexandra Ott verrät sie, dass es die Feier beinahe nicht gegeben hätte. Denn wegen ihrer bescheidenen Art, wollte Feldmann darauf verzichten. Bescheidenheit und Pflichtbewusstsein seien keine biederen Tugenden, sondern wertvolle. Das Kollegium habe seine Leiterin stets als 150-prozentige Kämpferin erlebt, die weit mehr geleistet habe, als das, was zu den Aufgaben gehörte. "Aber in der Klasse bei den Schülern hast du dich am wohlsten gefühlt!"

Dazu passt die Anekdote, die Susanne Feldmann - sichtlich gerührt - bei ihrer Rede erzählt: Ein ehemaliger Schüler hat sich nach vielen Jahren bei ihr bedankt, weil sie damals seine Mutter überredete, ihn aufs Gymnasium zu schicken. "Genau dafür bin ich Lehrerin geworden. Ich wollte Kindern helfen, ihren Weg zu finden." Und sollte es nur bei diesem einen Jungen geklappt haben, sei dies alle Mühe wert gewesen.

Dank sagt Feldmann vielen Wegbegleitern, doch ein besonderes Lob geht an ihr Kollegium - vor allem im Hinblick auf die Zusammenlegung der einst getrennten Schulfamilie. "Ihr wart es, ihr habt Großartiges geschafft!"

Mit Gesang, Tanz, Theater und Flötenspiel verabschieden die Kinder ihre Rektorin. Da werden Schlager zu Botschaften: "64 Jahr, schwarzes Haar, so geh ich von hier!" "Wiedersehen" sagen sie in unterschiedlichen Sprachen - weil die Schule "multikulti" ist, wie Adem Cebeci von der türkisch-islamischen Gemeinde weiß. "Bunt soll Ihr Ruhestand sein!", wünscht Elternsprecher Jörg Meister. Er dankt wie Rektor André Ott von der Mittelschule für die schöne Zeit. Zum Schluss singen die Lehrer ein Lied mit bewegendem Text. Besonders eine Zeile spricht vielen aus dem Herzen: "Du hast gezeigt, wie Schule wirklich geht!"

Autor

Claudia Sebert
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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
17:26 Uhr

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Claudia Sebert

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2019
17:26 Uhr



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