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Mit dem roten Punkt auf Reisen

Eine Ergotherapeutin aus Selbitz konzipiert ein besonderes Bilderbuch. Kinder sollen davon in ihrer Sehentwicklung und ihrem emotionalen Erleben profitieren.



"Die Reise des roten Punktes" erdachte Kristin Wurzbacher zunächst als Geschenk für ihren Sohn Enno. Jetzt ist das Buch allen Kindern zugänglich. Foto: Köhler
"Die Reise des roten Punktes" erdachte Kristin Wurzbacher zunächst als Geschenk für ihren Sohn Enno. Jetzt ist das Buch allen Kindern zugänglich. Foto: Köhler  

Selbitz - Der rote Punkt ist auf der Reise zu einem Ort, an dem er sich wohlfühlt. Aber wohin er auch wandert, er fühlt sich eingeengt oder abgelehnt. Mit der Zeit fängt er an zu zweifeln: "Werde ich jemals einen passenden Ort finden?"

Kristin Wurzbacher aus Selbitz hat mit ihrer "Reise des roten Punktes" durch eine Schwarz-Weiß-Welt von abweisenden Ecken und Kanten hinein in ein Wohlfühl-Reich der Farben ein Buch zusammengestellt, das sich um Ablehnung, Hoffnung und Freude dreht. Vor allem aber geht es darum, kontrastreiches Sehen bei Babys und Kleinkindern zu fördern. "Jedes Kind nimmt am Anfang seiner Sehentwicklung starke Kontraste und grobe Formen besonders gut wahr", erklärt die 28-jährige Autorin. "Mein Buch soll Neugier wecken und staunende Augen provozieren."

Als gelernte Ergotherapeutin und Mutter zweier Kinder hat Kristin Wurzbacher langjährige Erfahrungen aus Theorie und Praxis in ihrem Buch vereint. Der Impuls für die "Reise des roten Punktes" ist allerdings sehr persönlich: "Mein Sohn Enno hat einen besonderen Förderbedarf.", erzählt sie. "Zu Weihnachten vor einem Jahr überlegte ich mir, wie ich ihm ein Geschenk machen könnte, das ihm Freude bringt. Es sollte aber auch dazu beitragen, dass er Fortschritte macht."

Die Idee, die Kristin Wurzbacher dabei entwickelte, kombiniert drei Ansätze: Das handliche, durch dicke Kartonseiten sehr stabile Buch, reiht geometrische Grundmuster aneinander, die für Aufmerksamkeit sorgen sollen. Auf Seite eins wird die Geschichte des roten Punktes erzählt, wie man sie fürs Durchblättern übernehmen, abwandeln oder auch ganz neu erfinden kann.

Der Clou aber ist der sogenannte Paddle, ein Holz-Spatel mit einem dicken, rot glitzernden Punkt, den man beim Erzählen über die Seiten wandern lassen kann. Für Babys übernehmen das die Eltern - größere Kinder können selbst damit spielen und sich eigene Geschichten ausdenken. "Meine Tochter Sophie, die inzwischen fünf Jahre alt ist, beschäftigt sich noch immer gern mit dem Buch", erzählt Kristin Wurzbacher. "Sie erfindet sich die Geschichte immer wieder neu und hat viel Spaß dabei."

Nachdem sich die positive Wirkung des selbst gebastelten Buches auf ihre eigenen Kinder bestätigt hatte, wollte Kristin Wurzbacher auch andere daran teilhaben lassen. Dazu wandte sich die junge Mutter ganz bewusst nicht an Verlage, sondern ergriff von Anfang an selbst die Initiative. Sie ließ ihr Konzept von einem Freund digitalisieren und finanzierte die Druckkosten für eine Erstauflage von 100 Stück aus eigener Tasche. Selbstbewusst sagt sie: "Das Konzept der Geschichte vom roten Punkt ist mir viel zu wertvoll, als dass ich es aus der Hand geben will."

Erste Erfahrungen mit anderen Kindern scheinen ihr recht zu geben. Für einen Auftritt im Kindergarten "Abenteuerland" in Schwarzenbach am Wald fertigte Kristin Wurzbacher zusätzlich kleine Emoticon-Kärtchen an. Die Kinder konnten damit an der Geschichte teilhaben, indem sie die jeweilige Stimmung des roten Punktes im Verlauf seiner Reise anzeigten. "Das war spannend", erinnert sich Kristin Wurzbacher. Über die Frühförderung des Blindeninstituts Oberfranken in Kulmbach fand sie für ihr Gesamtkonzept inzwischen Zuspruch aus ganz Bayern.

Die bisherige Nachfrage nach ihrem Buch und die positive Resonanz anderer Eltern hat die Autorin dazu ermutigt, nun über eine zweite Auflage und damit eine Art Serienproduktion nachzudenken. Eine Lösung sucht sie dabei noch für den "Paddle", den mobilen roten Punkt, den sie bisher für jedes Buch einzeln von Hand fertigte. Weitere Auftritte in Kindergärten sind angedacht. In der Buchgalerie in Hof ist das Buch vorrätig und kann in Augenschein genommen werden.

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lichtblick.blickrichtung@gmail.com

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www.lichtblick-blickrichtung.de

Autor

Manfred Köhler
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Veröffentlicht am:
08. 02. 2018
21:19 Uhr

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Manfred Köhler

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08. 02. 2018
21:19 Uhr



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