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Mordfall Ottinger wird neu aufgerollt

Der Ende 2006 begangene Raubmord am Mitwitzer Supermarktbetreiber rückt wieder in den Fokus. Die Ermittler setzen auf neue forensische Methoden und erwägen eine weitere DNA-Reihenuntersuchung.



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Nach einem solchen Baseballschlläger sucht die Polizei im Mordfall Ottinger. Das Bild zeigt ein Vergleichsstück.   Foto: Polizei » zu den Bildern

Coburg/Mitwitz - Der noch immer ungelöste Raubmord an Norbert Ottinger lässt Polizei und Staatsanwaltschaft Coburg auch fast 13 Jahre nach der Tat nicht kalt. Der 61-jährige Hassenberger betrieb im benachbarten Mitwitz einen Supermarkt und wurde am Abend des 13. November 2006 Opfer eines brutalen Raubmords. Seit Dezember vergangenen Jahres rollen sieben Beamte der Kripo Coburg mit der Staatsanwaltschaft im Zuge des Cold-Case-Managements das schwere Gewaltverbrechen erneut auf. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz am Freitag mitteilen, setzt die Ermittlungskommission (EKO) "Kreisel" auf neue Ansätze, die sich aus der Weiterentwicklung forensischer Methoden im DNA-Bereich ergeben und auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Auch "Aktenzeichen Y" bringt keine heiße Spur

Zwei Jahre lang suchte die 32-köpfige Sonderkommission "Kreisel" nach dem Mörder von Norbert Ottinger - ohne Ergebnis.

 

Der oder die Täter hatten dem Geschäftsmann nach Ladenschluss aufgelauert und ihn zwischen 18.30 und 22 Uhr mit einem Aluminum-Softballschläger und mehreren Messerstichen ermordet. Die Beute belief sich auf über 30 000 Euro Bargeld, das in fünf im Tresor aufbewahrten Geldkassetten deponiert war.

 

Im Zuge umfangreicher Ermittlungen verfolgten Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Coburg weit über 700 Spuren. Zudem wurden 1000 Personen vernommen und 28 000 Handy-Verbindungsdaten überprüft.

 

Ende Februar 2007 gab es in Mitwitz den ersten DNA-Test in Nordbayern, bei dem 2270 Speichelproben von Männern im Alter zwischen 18 und 45 Jahren entnommen wurden. Der brachte die Behörden bei der Suche nach dem Mörder Ottingers ebenso nicht weiter wie Fahndungen in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" am 2. August 2007 oder bei "Kripo Live". Zwar gingen danach Hinweise bei der Sonderkommission "Kreisel" ein, eine heiße Spur gab es allerdings nicht.

 

Trotz intensiver Polizeiarbeit (siehe Infobox) sei es bisher nicht gelungen, den Fall aufzuklären, sagte Kripo-Chef Rainer Schmeußer, der die EKO "Kreisel" leitet. Seinen Angaben zufolge sind seit Dezember sämtliche Akten der damaligen Sonderkommission "Kreisel" digitalisiert und etwa 400 Ermittlungsansätze und Hinweise aus der Bevölkerung einer nochmaligen Bewertung unterzogen worden. Darüber hinaus wurden erneut alle 730 am Tatort kriminaltechnisch gesicherten Spuren gesichtet und priorisiert, ergänzte Susanne Mechthold, die zum EKO-Team gehört. Wegen der inzwischen fortgeschrittenen forensischen Methoden erfolge zurzeit eine Untersuchung der Spuren durch das bayerische Landeskriminalamt und die Rechtsmedizin.

 

Am Tatort wurden damals Fragmente der Täter-DNA gefunden, denen zufolge es sich um einen Mann zwischen 18 und 45 Jahren handelte. Wie Mechthold erläuterte, könne man jetzt auch sehr "schwach ausgeprägte DNA-Mengen aus einer molekularbiologischen Spur" herausfiltern. Deshalb hoffen die Kriminalisten, ein vollständiges DNA-Muster des Täters zu erhalten. Zudem sei es durch spezielle Analysen möglich, dem genetischen Fingerabdruck bislang verborgene Informationen zu entlocken.

Obwohl sich bei der Nachuntersuchung das damalige Profil bestätigte, will die Polizei nicht ausschließen, dass der Täter auch jünger gewesen sein könnte. Deshalb rücken jetzt auch Jugendliche und Heranwachsende, die damals zwischen 16 und 18 Jahre alt waren, in den Fokus der Ermittler. Laut Mechtold wird erwogen, für diesen Personenkreis eine DNA-Reihenuntersuchung anzuordnen. Davon betroffen sind nach ihren Erkenntnissen etwa 60 bis 80 Personen der heute Ende 20 oder Anfang 30 Jahre alten Männer. Da der Täter nicht zwingend aus der Region kommen müsse, werde man auch Personen aus dem europäischen Ausland überprüfen, die zum Tatzeitpunkt in Mitwitz waren.

Vielleicht, so Leitender Oberstaatsanwalt Bernhard Lieb, habe der Täter nicht von Beginn an die Tötung Norbert Ottingers geplant, sondern sei zunächst nur "auf schnelle Beute" ausgewesen. Dabei könnte das "außer Gefecht setzen" des 61-Jährigen missglückt und die Situation bis hin zur Tötung eskaliert sein. Ein solcher Hergang müsse strafrechtlich anders gewertet werden als ein geplanter Mord, sagte Lieb. Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass der Fall Ottinger eines "der schlimmsten Verbrechen der letzten zwei Jahrzehnte im Raum Coburg/Kronach" sei.

Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
12:07 Uhr

Aktualisiert am:
10. 05. 2019
20:03 Uhr

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Christoph Scheppe

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