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Länderspiegel

Der Staudamm ist sicher

Das teilt das bayerische Umweltministerium am Montag mit. Nach der Ursache der Lecks an einer Wasserableitung der Ködeltalsperre wird geforscht.



Auch am Montag sind noch etliche Einsatzkräfte an der Ködeltalsperre zu Gange. Fotos: Anja Barthen   » zu den Bildern

Mauthaus - Am Betriebsgebäude der Trinkwassertalsperre Mauthaus unterhalb des Staudamms herrscht am Montagnachmittag Hochbetrieb. Pumpen, die vom Damm kommen, spucken permanent Wasser aus, das gluckernd im Kanal verschwindet. Vertreter der Bergwacht bepacken gerade eine Gebirgstrage. Gleich daneben besprechen sich die Kollegen des Technischen Hilfswerks. Polizei ist vor Ort. Die Mienen sind ernst. Herbert Eisentraudt, der Leiter des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, verschwindet im Betriebsgebäude. Der Verbandsdirektor der Fernwasserversorgung (FWO), Markus Rauh, folgt ihm nach. Landrat Klaus Löffler trifft ebenfalls ein. Er will sich ein Bild von der Lage machen, sagt er. Weil sich um 14 Uhr alle Beteiligten erneut treffen, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Mehr lässt er nicht raus. Alle verweisen auf das Wasserwirtschaftsamt oder München. Reden will hier erst einmal keiner.

Die Talsperre

Die Trinkwassertalsperre Mauthaus, auch Ködeltalsperre genannt, liegt im Tal der Nurner Ködel. Sie ist in den Jahren 1968 bis 1972 zur Trinkwasserversorgung gebaut worden. Zudem dient sie auch dem Hochwasserschutz und der Stromerzeugung aus Wasserkraft. Die Anlage wurde 1975 in Betrieb genommen und war die erste bayerische Trinkwassertalsperre. Die größte Tiefe des Speicherbeckens beträgt 54,8 Meter, die größte Länge 4,4 Kilometer. Der Entnahmeturm im See ist in 16 Stockwerke unterteilt und 67 Meter hoch. Der Damm hat eine Höhe von 62 Meter.

Aus diesem gigantischen Wasserreservoir entnimmt die FWO jährlich etwa zwölf Millionen Kubikmeter Wasser für die Trinkwasseraufbereitung. Etwa 80 Prozent des von der Fernwasserversorgung Oberfranken verteilten Trinkwassers kommt ursprünglich von der Ködeltalsperre. Quelle: Wikipedia/FWO

 

Als Pressevertreter mit dem Landrat aufs Gelände gehen, fängt der Betriebsleiter sie sofort ab. Er verweist sogleich auf sein Hausrecht. Was das bedeute, wisse man doch, knurrt er und lässt das Wort Hausfriedensbruch in der Luft stehen wie ein blinkendes Neonschild. "Und wer ist er hier?", fragt er dann noch hektisch mit dem Kopf nickend in Richtung des Landrats-Rückens. Als dessen Identität geklärt ist, darf er zumindest bleiben.

 

Gegen 15 Uhr teilt ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums via Mail das mit, was am Montag bereits in der NP zu lesen war. Dass am Samstagabend das automatische Kontrollsystem der Trinkwassertalsperre Mauthaus Alarm gegeben hat. Dass Undichtigkeiten bei einer der Wasserableitungen gemeldet worden seien. Dass die sofort eingeleiteten Untersuchungen das bestätigt hätten. Der Betrieb sei allerdings nicht unterbrochen worden. Die Trinkwasserversorgung über die Talsperre sei gesichert, da das Leitungssystem für genau solche Fälle doppelt ausgebildet ist, wird in der E-Mail aus München betont.

Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts und des Landratsamts Kronach seien zur Überwachung des Befundes vor Ort. Neu in der Mitteilung des Ministeriums ist, dass auch Experten des Landesamtes für Umwelt hinzugezogen worden sind. Sie hätten vor allem auch die Standsicherheit des Staudammes eingehend überprüft. "Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass die Sicherheit des Staudammes weiter uneingeschränkt gegeben ist", so der Sprecher zitiert.

Weiter heißt es, dass der technische Defekt am Leitungssystem so rasch wie möglich behoben werde, gleichzeitig werde die Schadensursache überprüft. Der Ministeriumssprecher: "Parallel wird von den Experten ein Konzept zur schnellstmöglichen Sanierung erarbeitet."

Der Nordhalbener Bürgermeister Michael Pöhnlein erklärt am Nachmittag auf Nachfrage, er wisse auch nicht mehr, als er in der Neuen Presse gelesen habe. Die Nordhalbener Feuerwehr sei am Samstag ausgerückt. "Sie haben mir gesagt, dass da was ist. Aber nicht was. Die haben ja auch ihr Dienstgeheimnis", meint er. Er habe auch keine Notwendigkeit gesehen, sich dort umzuschauen: "Da werden schließlich Fachleute gebraucht und niemand, der da dumm zuschaut." Sein Steinwiesener Amtskollege Gerhard Wunder hingegen sagt, er sei sowohl am Samstag als auch am Sonntag vor Ort gewesen, nachdem er informiert worden sei. Er könne nicht viel darüber sagen. Das sei Sache des Ministeriums oder des Wasserwirtschaftsamts. Er betont: "Aber es soll ja keine Panik erzeugt werden. Für die Bürger besteht keine Gefahr und auch die Wasserversorgung ist gesichert."

Am frühen Abend dann äußern sich der Leiter des Wasserwirtschaftsamt, Hans Hemmerlein, und FWO-Verbandsdirektor Markus Rauh zu dem Vorfall. Eines der beiden Rohre, die vom Turm in der Ködeltalsperre zum Betriebsgebäude direkt unterhalb des Staudammes führen, sei an drei oder vier Stellen leck geschlagen, informiert Hemmerlein. Das habe eine Kamerabefahrung aktuell ergeben. Die Rohre liegen nebeneinander, haben eine Länge von 300 Metern und einen Durchmesser von 1,4 Metern. Eine Länge von knapp 25 Metern ist betroffen. "Es geht hier also nicht um einen Totalschaden", beruhigt Markus Rauh. Nach der Ursache für die schadhaften Stellen wird laut Hemmerlein noch gesucht. "Beide Rohre sind seit Beginn der Wasserversorgungsanlage in Betrieb. Also seit knapp 50 Jahren. Aber man geht von einer sehr viel längeren Haltbarkeit aus", betont Rauh. Hemmerlein ergänzt, dass jedes Jahr eines der Rohre auf Herz und Nieren geprüft wird. Jedes Rohr werde also alle zwei Jahre unter die Lupe genommen. "Dazu werden sie leer gemacht und Mitarbeiter gehen mit der Stirnlampe rein und suchen nach Kleinstschäden", sagt der Chef des Wasserwirtschaftsamts. Das nun schadhafte Rohr sei im vergangenen Jahr an der Reihe gewesen. Damals seien aber keine Auffälligkeiten festgestellt worden.

Da man davon ausgeht, dass die Reparatur des Rohres nicht in kurzer Zeit zu schaffen ist, wird man eine Übergangslösung schaffen, so dass man demnächst schon wieder zwei Leitungen zur Verfügung hat. "Das hat auch Umweltminister Thorsten Glauber heute so festgelegt", erklärt Hans Hemmerlein. Rauh ist in diesem Zusammenhang die Botschaft wichtig, dass man auch mit nur einer Leitung die Trinkwasser-Versorgung sichern könne: "Aber wir wollen uns doppelt absichern."

Apropos absichern: So muss man wohl auch das große Aufgebot an Einsatzkräften am Samstag sehen. Laut Hemmerlein sei nach Bekanntwerden der Undichtigkeit sofort die dafür vorgeschriebene Alarmkette angelaufen. "Die haben da alle einen guten Job gemacht", lobt er alle Beteiligten. Doch diese Maßnahmen seien natürlich nicht im Verborgenen geblieben, so dass relativ schnell die wildesten Gerüchte die Runde machten. "Wir fanden die Vorgehensweise angemessen. Auf den ersten Blick konnte man ja nicht erkennen, was für ein Ausmaß die Sache hat. Diese große Alarmierung ist der Bedeutung des Bauwerks für den Hochwasserschutz und die Trinkwasserversorgung geschuldet", meint Rauh. Dass das erst einmal ein Bild ergibt, das nicht unbedingt zur Schadensgröße passt, liege hier in der Natur der Sache.

Für Hans Hemmerlein war das der erste derartige Vorfall. Er erklärt, er habe am Wochenende dann sofort seinen Vorgesetzten angerufen. "Am Chiemsee - viermal. Der war auch erst ganz erschüttert", sagt er. So hat der Vorfall an der Ködeltalsperre am Wochenende auch im Umweltministerium in München für ein paar unruhige Stunden gesorgt.

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27. 01. 2020
15:09 Uhr

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27. 01. 2020
15:09 Uhr



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