Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Länderspiegel

Eine Vermisstensuche wird zum Mordfall

Seit mehr als einer Woche fehlt von einer 41-Jährigen und ihrer Tochter jede Spur. Die Polizei glaubt an Mord und nimmt den Ehemann der Frau fest.



Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, gab am Montag Details zu der Suche nach einer 41-jährigen Frau und ihrer Tochter bekannt. Am Wochenende ist von der Münchner Mordkommission der Ehemann (ein Foto von ihm im Bildhintergrund) festgenommen worden.	Foto: Sven Hoppe/dpa
Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, gab am Montag Details zu der Suche nach einer 41-jährigen Frau und ihrer Tochter bekannt. Am Wochenende ist von der Münchner Mordkommission der Ehemann (ein Foto von ihm im Bildhintergrund) festgenommen worden. Foto: Sven Hoppe/dpa  

München - Gut eine Woche nach dem Verschwinden einer Mutter und ihrer Tochter in München glaubt die Polizei nicht mehr daran, die beiden lebend zu finden. "Wir gehen aktuell davon aus, dass Mutter und Tochter tot sind", sagte der Chefsprecher des Münchner Polizeipräsidiums, Marcus da Gloria Martins, am Montag.

Der neue Ehemann der Mutter, mit dem sie seit rund einem Jahr verheiratet war, ist tatverdächtig und sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Der 44 Jahre alte Deutsch-Russe schweige zu den Vorwürfen. Der Haftbefehl laute auf "Totschlag in Tatmehrheit mit Mord". Welche Indizien für die Beamten für Mord und gegen den Mann sprechen, verrieten sie aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht.

Die 41-jährige Münchnerin und ihre 16 Jahre alte Tochter gelten seit dem 13. Juli als vermisst. Laut einer Vermisstenanzeige des inzwischen verdächtigen Stiefvaters sollen sie die gemeinsame Wohnung im Stadtteil Ramersdorf verlassen haben, um in einem Einkaufscenter shoppen zu gehen. Ob sie dort jemals ankamen und ob sie sich überhaupt jemals auf den Weg dorthin machten, ist laut da Gloria Martins unklar.

Von ihnen fehle jede Spur, an der Darstellung des Mannes gebe es Zweifel. "Wir gehen davon aus, dass die Aussagen, die im Rahmen der Vermisstenanzeigen gemacht wurden, Plausibilitätslücken haben", sagte der Polizeisprecher. Die Angaben des Ehemannes, seine Frau und ihre Tochter seien zum Einkaufen aufgebrochen, "kann so durch Dritte nicht bestätigt werden".

Der Kriminologe Christian Pfeiffer äußerte sich allgemein und sagte, in rund 70 Prozent der Fälle, in denen Frauen getötet werden, seien die Täter die Partner oder Ex-Partner. "Der gefährlichste Mann im Leben einer Frau ist der Ehemann oder der feste Partner. Da droht die höchste Gefahr, dass man getötet wird, dass man vergewaltigt wird, dass man zusammengeschlagen wird."

Gerade bei den Tötungsdelikten sei das Risiko in den vergangenen 20 bis 30 Jahren nur geringfügig gesunken, sagte der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen der Deutschen Presse-Agentur. Die Aufklärungsquote der Polizei bei solchen Fällen liege bei mehr als 95 Prozent. Häufiges Motiv sei, dass der Mann die Frau für immer besitzen wolle, sie nicht gehen lassen wolle. "Das muss die Polizei nun aufklären."

Mutter und Tochter galten nach früheren Mitteilungen der Beamten als zuverlässig. Daher sei ihr Verschwinden ebenso untypisch wie die Tatsache, dass sich die beiden seit Tagen bei niemandem gemeldet hätten. Infolgedessen startete die Polizei die Suche. Das Kommissariat 11 des Polizeipräsidiums München übernahm zunächst die Suche und richtete eine Ermittlungsgruppe namens "EG Duo" ein.

Nach der Festnahme des 44-Jährigen am Sonntagabend geht die Polizei in München in die Offensive: Sie veröffentlichte am Montag ein Foto des verdächtigen Ehemannes in blau-weiß kariertem Hemd und hellen Shorts. Zudem gab sie Bilder von den beiden Fahrzeugen der Familie - von einem roten Hyundai i30 und einem anthrazitfarbenen VW Tiguan - heraus. Sie hofft auf Zeugen, die den Verdächtigen oder die beiden Frauen von Freitag, 12. Juli, bis Sonntag, 14. Juli, gesehen haben oder den Beamten sonstige Hinweise geben können.

Autor

Marco Krefting, Britta Schultejans
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
17:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Christian Pfeiffer Deutsche Presseagentur Ehegatten Haftbefehle Hyundai Mord Mordfälle Polizei Polizeipräsidien Polizeipräsidium München Polizeisprecher Totschlag Tötung Tötungsdelikte VW Verbrecher und Kriminelle
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

13.09.2019

Mordfall Ottinger: Kripo fahndet in mehreren Sprachen

In mehreren Sprachen fahnden die Beamten der Ermittlungssonderkommission "Kreisel" und die Staatsanwaltschaft Coburg weiter nach dem Täter des Raubmordes von Mitwitz. » mehr

"Er fühlt sich durch das Urteil gerecht behandelt": Boujemaa L. (vorne, Mitte) ist mit dem Urteil einverstanden. Foto: Daniel Karmann/dpa

30.09.2019

Sophia Lösches Mörder akzeptiert Urteil

Das Urteil im Fall der getöteten Anhalterin ist rechtskräftig. Der Täter will zu seiner Schuld stehen. Der Bruder des Opfers sieht eine ganz andere Motivation. » mehr

Beim Prozess: Der Angeklagte (rechts) mit seinem Anwalt Alexander Schmidtgall aus Kulmbach. Foto: Ann-Kristin Schmittgall

24.09.2019

Keine Heimtücke im Mordfall Feringasee

Vor zwei Jahren tötete ein Mann aus dem Raum Naila seine Freundin. Das Landgericht erkannte eine besonders schwere Schuld. Der Bundesgerichtshof korrigiert nun das Urteil. » mehr

Spurensicherung am Tatort: In der Kriminaltechnik gehört es inzwischen zu den Standards, Tatortspuren auf DNA eines möglichen Täters zu untersuchen. Das wurde auch im Mordfall Ottinger im November 2006 erfolgreich gemacht. Dennoch fehlt bis heute jede Spur vom Täter.

04.10.2019

Raubmord bei "Aktenzeichen XY"

Fast 13 Jahre liegt das grausame Verbrechen von Mitwitz zurück: Jetzt kommt der brutale Raubmord an einem Supermarktleiter ins Fernsehen. » mehr

Und wieder rückt "Combat 18" ins Blickfeld. Archivfoto:

Aktualisiert am 05.07.2019

Polizei setzt mit Haftbefehl aus Hof Rechten fest

Eine Sondereinheit nimmt ein mutmaßliches Mitglied der Neonazi-Gruppe "Combat 18" fest. Der Mann hatte 2017 Munition über die Grenze bei Schirnding geschmuggelt. » mehr

Mordprozess

30.07.2019

Mordfall Sophia: Eine Bluttat mit zwei Abschnitten

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Sophia Lösche am 14. Juni 2018 hat das Schwurgericht erneut sein Augenmerk auf den angeblichen Hergang der Bluttat gerichtet. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hofer Theaternacht

Hofer Theaternacht | 14.10.2019 Hof
» 22 Bilder ansehen

10. Hofer Steinparty

10. Hofer Steinparty | 12.10.2019 Hof
» 61 Bilder ansehen

"Trails 4 Germany" in Kulmbach

"Trails 4 Germany" in Kulmbach | 14.10.2019 Kulmbach
» 10 Bilder ansehen

Autor

Marco Krefting, Britta Schultejans

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
17:50 Uhr



^