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Mit kanadischem Gold in die Pleite

Dubiose Aktienverkäufe stehen im Mittelpunkt eines neuen Prozesses in Hof. Der Schaden soll sich auf eine Dreiviertelmillion Euro belaufen.



Mit kanadischem Gold in die Pleite
Mit kanadischem Gold in die Pleite  

Hof - Neuartige medizinische Behandlungen mit elektromagnetischen Wellen, ein geothermisches Kraftwerk mit zehn Megawatt Leistung in Mecklenburg-Vorpommern oder eine kanadische Goldmine im Wert von umgerechnet fast 50 Millionen Euro - darunter geht es nicht bei den Firmen, die im Mittelpunkt eines aktuellen Verfahrens vor der dritten Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hof stehen. Der bisherige Verhandlungsgang lässt allerdings nur den Schluss zu, dass es sich durchweg um Wolkenkuckucksheime handelt. Ausgedacht und aufgebaut nur zu einem Zweck: ahnungslosen und renditehungrigen Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Angeklagt sind ein 67-jähriger Informatiker aus Leipzig und ein 45-jähriger Gastronom aus Karlsruhe. Ihnen wirft die Hofer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte vor, mit weiteren Tätern eine ganze Reihe von Anlegern in den Jahren 2013 bis 2015 um zusammengerechnet 763 000 Euro gebracht zu haben. Die Opfer stammen aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Fall wird in Hof verhandelt, weil ein Teil der Gelder über ein Konto der Commerzbank-Filiale in Bamberg lief. Die Bank löste mit einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche die Ermittlungen aus.

Zum größten Teil wurden die geschädigten Anleger am Telefon als Kunden geworben. 1000 Aktien des Luxus-Autoherstellers Ferrari für 23 00 Euro oder Aktien des Apple-Konzerns für fast 300 000 Euro haben die Angeklagten oder von ihnen beauftragte Vermittler der Anklage zufolge am Telefon oder im Garten eines Regensburger Hotels losgeschlagen. Im Nachhinein ist es kaum verwunderlich, dass die Aktien niemals an die Anleger ausgehändigt oder in ihr Depot eingebucht wurden. Die Anklage geht davon aus, dass die Angeklagten und weitere Vertriebsmitarbeiter die Anlegersummen unter sich verteilten.

Was die Lage etwas kompliziert macht: Die Akteure des obskuren Aktienhandels fanden oftmals nichts dabei, sich mit dem Namen ihres jeweiligen Komplizen bei ihren Opfern vorzustellen - vor allem wenn der auch noch mit einem Doktortitel verbunden ist, wie der des 67-jährigen Informatikers.

Einen Doktortitel führt auch ein 54-jähriger Zeuge, den die Strafkammer jetzt in einer Video-Konferenz vernahm. Gegen Dr. Michael R., der sich als "Projektleiter im Tourismus" vorstellte, wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und Frankreich ermittelt. Weil er fürchtete, in Deutschland festgenommen und nach Frankreich ausgeliefert zu werden, ließ er sich nur vor einer Kamera im Bezirksgericht Kufstein in Österreich vernehmen.

Spezialität von R. ist der Ankauf von Aktiengesellschaften und deren geschickte Weiterverwertung. Laut eigener Aussage besitzt der 54-Jährige eine ganze Fülle solcher Firmen, unter anderem auch in den USA, auf Malta und in Großbritannien. Ihnen gemeinsam ist, dass es sich vom reine "Mäntel" handelt, also Firmen ohne operatives Geschäft und objektive Vermögenswert.

Der einzige Wert der Firmen besteht darin , dass sie schon einmal an einer Börse geführt wurden. Bei einem "Upgrade", so die Überlegung von Michael R., könnten die Firmen an diesen Börsen wieder frei gehandelt werden, was den Kurs der Aktien beträchtlich nach oben treiben würde. Eine dieser Firmen war die "Hammerfest Mining PLC", die R. 2014 von drei kanadischen Vorbesitzern erwarb. Er ließ sich als deren Vorstandsvorsitzender im englischen Handelsregister eintragen und verlegte den Sitz nach Hull. Danach suchte er Käufer für die über 62 Millionen Aktien der Gesellschaft. Die Firma sei keinesfalls nur Schrott gewesen, verteidigte sich R. jetzt in seiner Zeugenaussage. Schließlich sei im britischen Handelsregister ein Gutachten enthalten, wonach "Hammerfest" Schürfrechte im Wert von gut 50 Millionen Euro an der kanadischen "Little Gem Mine" besitze. Trotzdem wollte R. nach eigener Aussage nur 100 000 bis 150 000 Euro bei diesem Geschäft erzielen.

Wer sich wirklich die Mühe gemacht hätte, im Internet das britische Handelsregister einzusehen, wäre allerdings schnell darauf gestoßen, dass die "Hammerfest Mine" bis zum November 2011 noch "Cuba Development & Investment PLC" geheißen hatte. Wie die Goldgrube von Kuba nach Kanada gelangt sein könnte, ist der Fantasie jedes Anlegers überlassen. Immerhin wurden bei diesem Geschäft sogar wirklich Aktien in die Depots der Anleger übertragen. Das half ihnen jedoch gar nichts, denn im März 2016 wurde die Firma gelöscht.

Das Verfahren wird fortgesetzt, ein Urteil wird erst im neuen Jahr erwartet.

Autor
Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
20. 11. 2018
19:34 Uhr

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Joachim Dankbar

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20. 11. 2018
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