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Regiomed: Infektions-Welle beginnt

Die Kliniken in Coburg und Lichtenfels registrieren immer mehr Corona- Fälle. Am Obermain werden jetzt weitere Vorkehrungen getroffen.



rtoei4oizuo45zu. Symbolbild: Drägerwerk/dpa
rtoei4oizuo45zu. Symbolbild: Drägerwerk/dpa  

Coburg/Lichtenfels - Vor allem das Krankenhaus in Lichtenfels spürt derzeit eine deutlich Zunahme von Covid19-Infektionen. "Wir haben für dieses Haus die Eskalationsstufe 2 ausgerufen", sagte Robert Wieland, Geschäftsführer der bayerischen Regiomed-Einrichtungen, während einer Telefonschalte am Freitag. Laut Alexander Schmidtke, Hauptgeschäftsführer von Regiomed, verzeichne auch das Krankenhaus Coburg eine deutliche Zunahme der Fallzahlen, allerdings gelte hier nach wie vor Eskalationsstufe 1. "Im Coburger Klinikum müssen wir die nächste Stufe erst ab 250 Fällen ausrufen", erklärte Schmidtke. Derzeit gibt es nach Informationen des Landratsamtes 55 Fälle in Stadt und Landkreis Coburg, in Lichtenfels sind es 56. In beiden Krankenhäusern werden infizierte Patienten behandelt und zum Teil beatmet.

Väter dürfen wieder mit zur Geburt

Am Donnerstag hatte der Regiomed-Konzern angekündigt, dass Vätern aus Gründen des Infektionsschutzes der Zugang zum Kreißsaal verwehrt bleibt. Seit Freitag dürfen sie wieder hinein. Auch weil sich laut Regiomed-Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke ein breites Bündnis aus Kommunalpolitikern sich beim Freistaat für eine Klarstellung der Allgemeinverfügung eingesetzt hatte. Die Krankenhäuser haben gemeinsam mit Professor Klaus-Dieter Zastrow, Leiter der Hygiene-Abteilung, ein Konzept entwickelt, wie die Begleitung unter Wahrung des Infektionsschutzes möglich ist. Die Väter dürfen nur dann mit, wenn sie keine Corona-Symptome zeigen und zwei Wochen lang keinen Kontakt zu infizierten hatten. "Ich bin erleichtert, dass wir jetzt diese Lösung gefunden haben", erklärte Schmidtke während einer Telefonschalte am Freitag,

 

Die Eskalationsstufe 2 bedeutet laut Wieland vor allem, dass Kapazitäten in den Kliniken aufgestockt werden. Im konkreten Fall heißt das, dass es in Lichtenfels nun 22 statt zehn Intensivbetten mit Möglichkeit zur Beatmung gibt. 14 stehen ihm zufolge ausschließlich Menschen zur Verfügung, die mit Covid19 infiziert sind. Die Notaufnahme verfüge jetzt über zwei Bereiche,einen für infektiöse Patienten und einen für alle übrigen. Überdies gebe es mehr Personal und die Dienstpläne seien entsprechend angepasst worden. Wenn die Fallzahlen weiter steigen, könnte das Klinikum die Eskalationsstufe 3 ausrufen und die Kapazitäten weiter erhöhen.

 

"Wir profitieren jetzt von unserem vorausschauendem Krisenmanagement", erklärte Schmidtke. Er betonte, dass Regiomed schon früh auf die Herausforderungen reagiert habe, noch ehe es staatliche Auflagen gab: "Wir haben zum Beispiel von uns aus die Patientenbesuche stark eingeschränkt und die Cafeteria geschlossen", sagte Schmidtke. Außerdem gebe es seit dem 16. März am Coburger Klinikum eine Corona-Abstrichstelle, in die Patienten mit dem Auto fahren können. Sie war eine der ersten ihrer Art in Deutschland.

In Sachen Masken sei der Klinikkonzern noch gut ausgestattet. Es seien noch 1300 Modelle vorhanden, die dem Standard FFP 3 entsprechen, in der Klassifikation FFP 2 seien es 700 Stück. "Das ist viel, denn wir brauchen diese Masken nur auf der Intensivstation", sagte Schmidtke. Wenn die Zahl der Patienten sprunghaft ansteige, könne es aber trotzdem knapp werden. Den Atemschutz, den die Schneiderei des Landestheaters genäht hat, tragen ihm zufolge die Mitarbeiter der Verwaltung, auch er selbst. "Die sind wirklich sehr schön. Ich werde meinen für die Zeit nach Corona aufbewahren, als Erinnerung", verriet Schmidtke.

Finanzielle Entlastung bringe das Programm das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit den Krankenkassen aufgelegt hat. So gibt es zum Beispiel 560 Euro pro Tag für jedes freigehaltene Krankenhaus Bett. Von denen gibt es laut Schmidte im Regiomed-Konzern 560 Stück. "Die pauschale deckt ungefähr 88 Prozent unserer Kosten. Das ist knapp gerechnet, funktioniert für uns aber", erklärte er. Schmidtke bekannte, dass er sich etwas mehr finanziellen Spielraum gewünscht hätte.

Pro Intensivbett, das neu geschaffen wird, gibt es vom Staat 50 000 Euro. Das funktioniere in Bayern sehr gut, in Thüringen wisse das Landesverwaltungsamt noch nicht, wie es die Förderung umsetzen wird. "Was uns in Sachen Liquidität am stärksten hilft, ist die Erhöhung des Pflegeentgeltwerts", führte der Hauptgeschäftsführer aus. Das Paket sei für die Kliniken dringend notwendig, denn Regiomed konzentriere sich voll und ganz auf die Versorgung von Covid19-Patienten.

Verschoben werden muss die für den 1. April geplante Eröffnung der Zentralküche in Lichtenfels. Schmidtke gab sich optimistisch, dass dies am 4. Mai nachgeholt werden kann: "Für unsere Patienten hat das aber keinerlei Konsequenzen. Sie werden weiterhin von den dezentralen Küchen versorgt." Die werden nun auch für das Personal kochen, denn der Freistaat Bayern trägt die Kosten der Mahlzeiten von Ärzten und Pflegern.

Der Regiomed-Konzern hat bereits den ersten Ausfall zu verzeichnen, der auf Corona zurückzuführen ist: Die Reha-Klinik in Masserberg musste geschlossen werden, weil sich ein Mitarbeiter infiziert hatte. Alle Patienten wurden entweder nach Hause oder in andere Einrichtungen entlassen. Wann die Klinik wieder öffnen kann, entscheide das Gesundheitsamt Hildburghausen.

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
17:42 Uhr

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Katja Diedler

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27. 03. 2020
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