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Länderspiegel

Tillschneider nicht willkommen

An der Uni Bayreuth unterrichtet ein Dozent Islamwisschenschaft, der Mitglieder der AfD ist und in der Partei als Rechtsaußen gilt. Studierende haben dagegen protestiert.



Studentin Aygul warnt vor einem Rassismus wie in den USA. Fotos: Ute Eschenbacher
Studentin Aygul warnt vor einem Rassismus wie in den USA. Fotos: Ute Eschenbacher   » zu den Bildern

Bayreuth - Sie waren wenige, dafür aber laut: Gut 30 junge Männer und Frauen haben gegen den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider protestiert. Der ist Privatdozent der Universität Bayreuth und gilt in seiner Partei als Rechtsaußen. Polizisten und ein Sicherheitsdienst sorgten dafür, dass die Gruppe das Gebäude GW I nicht betritt. Zwar haben dies einige durch eine Hintertür versucht. Doch die Polizei forderte sie auf, wieder nach draußen zu gehen. Tillschneider kam mit einem Karton Bücher im Arm durch den Eingang. Im Foyer traf er auf Prof. Anno Mungen vom Lehrstuhl Theaterwissenschaft und Musiktheater, Mitglied der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften. Mungen sagte, er sei einer jener, der Gender Studies und "Karnevalsforschung" betreibe, die der AfD-Politiker in seiner Bewerbungsrede um einen Listenplatz für die Europawahl kritisiert hatte.

Das sagt die Uni-Leitung

Die Hochschulleitung nahm in einer schriftlichen Mitteilung Stellung. Tillschneider habe sich an der Universität Bayreuth habilitiert und damit die Lehrbefugnis erhalten. Er hat als Privatdozent gemäß bayerischer Hochschulgesetzgebung das Recht und die Pflicht, Lehrveranstaltungen im Umfang von zwei Semesterwochenstunden pro Studienjahr durchzuführen. Diese Titellehre ist unentgeltlich zu erbringen und begründet keinen Professorentitel. Es handelt sich nicht um einen Lehrauftrag.

Der Kanzler der Universität, Markus Zanner, sagte, Tillschneider gehe es darum, seinen Status als Privatdozent nicht zu verlieren. Die Fakultät habe ihm die Lehrbefugnis erteilt, daher müsse er die Lehrveranstaltung anbieten.

 

Zanner wird deutlich: "Wir brauchen ihn nicht." Wenn das Seminar ausfällt, weil keiner teilnimmt, seien das Gründe, die von Tillschneider nicht zu vertreten sind. Im begründeten Einzelfall könne die Lehrbefugnis widerrufen werden. Dazu hätten sich nach juristischer Prüfung im Fall Tillschneider keine Anhaltspunkte ergeben. "Wir leben in einem Rechtsstaat, der klare Regeln aufstellt, an die wir uns halten. Eine Universität muss dabei auch kontroverse Standpunkte aushalten und abwegigen Thesen argumentativ begegnen", betont die Hochschulleitung in ihrer Erklärung und bekennt sich "ganz klar zu einer weltoffenen und toleranten Universität innerhalb einer demokratischen Gesellschaft". ue

 

Tillschneider schien überrascht und reagierte auf die Konfrontation ausweichend. An der Universität gelte die Freiheit der Wissenschaft, jeder dürfe seine Meinung äußern. Er habe selbst Judith Butler gelesen - eine amerikanische Philosophin ("Das Unbehagen der Geschlechter") und das sei keine Wissenschaft. Dann entschuldigte er sich, er müsse zu seinem Seminar. Die Aussage über Judith Butler zeuge "entweder von Unkenntnis oder Ignoranz", befand Mungen.

 

Wenige Minuten später war Tillschneider zurück. Offenbar waren keine Studenten gekommen. Von den Protestlern schallte ihm vor der Eingangstür ein "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda" entgegen. Die überschaubare Gruppe, die Transparente mit "Nazis vom Campus jazzen" und "Wir vertreten nicht die Uni Bayreuth" mitführte, beschallte den Platz auch mit lauter Musik. Der Aufruf zum "Spaziergang über den Campus" war vor ein paar Tagen mittels gelber Plakate ergangen. Mehrere angesprochene Teilnehmer, wer dies organisiert habe und ob sie sich äußern wollten zu dem umstrittenen Dozenten, blieben stumm.

Eine Studentin aus Aserbaidschan, Aygul Aliywa, hielt ein Schild hoch, das an den rassistischen und gewalttätigen Ku-Klux-Klan aus den USA erinnert. Sie sagte: "Ich bin keine Muslimin, aber es beunruhigt mich, wenn ein Mensch, der den Islam offensichtlich ablehnt, hier Islamwissenschaft unterrichtet." Eine andere Studentin, die anonym bleiben wollte, sagte, sie wolle ein Zeichen setzen, aus Solidarität mit den Menschen gegen die Tillschneider hetze. "Wie er öffentlich spricht, das geht einfach nicht. Das spiegelt nicht das wider, was der Großteil der Menschen hier denkt." Sie bezweifelte, dass der Privatdozent tatsächlich seine politische Haltung von seiner Lehre trennen könne.

Tillschneider stand rauchend vor dem Eingang. Er wirkte wenig beeindruckt von dem Protest. Auch nicht, als die lautstarke Gruppe etwas näherrückte. "Das erscheint mir nicht sehr scharfsinnig", sagte er. "Ich bin an sich ein toleranter Mensch. Wer glaubt, im Vollbesitz der Wahrheit zu sein, dem muss klar sein, dass dies der Keim des Totalitarismus ist." Er hätte kein Problem damit, bei einer Diskussionsrunde auch mit Linken zu sprechen. Zum Gespräch kam es auf dem Campus aber nicht. Tillschneider verschwand wieder im Gebäude. Er sei verpflichtet, das Seminar anzubieten. Für seine Einführung in das islamische Recht, für die vier Termine angesetzt wurden, sind Arabisch-Kenntnisse erforderlich. Ob noch jemand kam? Die Tür zum Seminarraum blieb zu.

Paul Wiedmann, der stellvertretende Fachschaftsvorsitzende, baute einen Büchertisch vor dem Büro auf. "Ich finde es schlimm, dass wir rechtlich nichts machen können." Er wolle niemanden ausgrenzen und trete für Vielfalt und Offenheit ein. Doch er habe Angst vor der Zukunft aufgrund der rechten Tendenzen in der Gesellschaft.

Autor

Ute Eschenbacher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
18:34 Uhr

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Ute Eschenbacher

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14. 05. 2019
18:34 Uhr



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