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Leben retten leicht gemacht

Eine Frau aus Regnitzlosau ist an Blutkrebs erkrankt. Ihr und anderen Betroffenen will der Sängerbund helfen: mit einer großen Typisierungsaktion am Samstag.



Ein Abstrich auf einem Wattestäbchen genügt, um - vielleicht - einem Patienten zu helfen.	Foto: Oliver Killig/dpa
Ein Abstrich auf einem Wattestäbchen genügt, um - vielleicht - einem Patienten zu helfen. Foto: Oliver Killig/dpa  

Regnitzlosau - Mama hat Blutkrebs. Die Diagnose ist für Familie Schenker aus Regnitzlosau ein unerwarteter Schlag, der von einem Tag auf den anderen das ganze Leben auf den Kopf stellt. Als Heidi, 37 Jahre alt, selbst die Kraft dazu fehlt, sich anzuziehen, überweist ihr Hausarzt sie ans Universitätsklinikum in Erlangen. Dort bekommt sie die niederschmetternde Botschaft. Ihr Leben spielt sich seitdem im Krankenhaus ab. Überleben kann sie nur, wenn ihr ein Mensch mit passenden Gewebemerkmalen ihr Stammzellen spendet. Den möchte der Sängerbund Regnitzlosau finden - für Heidi Schenker und andere Leukämie-Patienten.

Typisierungsaktion

Die Typisierungsaktion findet am Samstag von 11 bis 16 Uhr im Vereinshaus des Sängerbundes Regnitzlosau, Hohenberger Straße 19, statt. Wer gesund, zwischen 17 und 55 Jahre alt und mindestens 50 Kilogramm schwer ist, kann sich als potenzieller Stammzellenspender registrieren lassen. Wer nicht zu diesem Personenkreis gehört, kann trotzdem vorbeikommen und die Aktion mit einer Spende unterstützen , denn jede Registrierung eines neuen Spenders kostet die DKMS 35 Euro. Als Dankeschön gibt es vor Ort für alle Kuchen und Getränke.

 

Am Samstag veranstaltet der Sängerbund in seinem Vereinshaus eine Typisierungsaktion. Dabei können sich alle, die noch nicht in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert sind, als potenzielle Spender aufnehmen lassen. Da Familie Schenker aus dem Umfeld des Sängerbunds kommt, stand für die Vorsitzende Karin Rietsch fest, dass ihre Sänger auf jeden Fall helfen würden. Sie kontaktierte die DKMS und erkundigte sich, was zu tun ist. Seitdem hat sich eine Initiativgruppe mit Menschen aus dem Regnitzlosauer Gemeindegebiet um sie geschart, die alle bereit sind, mit anzupacken. "Es berührt mich wirklich sehr, dass so viele Helfer zusammengekommen sind", bekennt Rietsch.

 

"Wir wollen, dass Regnitzlosau in der Spenderkartei umfassend abgedeckt ist", erklärt sie. "Deswegen hoffe ich, dass möglichst viele Menschen mitmachen." Immerhin sei Leukämie die einzige Art von Krebs, bei der man aktiv helfen könne, und nicht dazu verdammt sei, hilflos daneben zu stehen. "Helfen, um zu helfen", allein darum gehe es ihr. "Wenn die Aktion ein Erfolg wird, dann nicht für mich oder die Helfer, sondern für Heidi." Nun hofft die Vorsitzende des Sängerbunds, dass "der Wettergott mitspielt" und kein Schneesturm die Spender vom Kommen abhält. Wie viele Menschen kommen, davon könne sie sich noch keine Vorstellung machen.

Karin Rietsch selbst hat sich bereits vor 16 Jahren in Selb bei einer Typisierungsaktion registrieren lassen. Auch der Regnitzlosauer Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf befindet sich bereits in der Kartei; er folgte samt Familie dem Aufruf eines befreundeten Bürgermeister-Kollegen aus der nördlichen Oberpfalz. Einmal sei er bereits beinahe für eine Spende in Frage gekommen, erzählt der Rathauschef. "Als der Sängerbund auf mich zukam und gefragt hat, ob ich die Schirmherrschaft übernehmen würde, habe ich natürlich sofort zugestimmt."

Sich als möglicher Stammzellenspender registrieren zu lassen, tut nicht weh. Anders als noch vor wenigen Jahren ist es im ersten Schritt nicht einmal nötig, sich Blut abnehmen zu lassen. Zunächst genügt ein Abstrich der Wangenschleimhaut auf einem Wattestäbchen, das samt einer ausgefüllten Einverständniserklärung an das Labor der DKMS geht. Kann oder möchte man nicht an einer Typisierungsaktion teilnehmen, besteht auch die Möglichkeit, sich per Post das DKMS-Registrierungsset zukommen zu lassen und Stäbchen samt Formularen einfach auf dem gleichen Weg zurückzuschicken.

Nach der Auswertung stehen die Gewebemerkmale des potenziellen Spenders fest und werden in das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt stehen die Daten im weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung, über den - mit einer guten Portion Glück - Blutkrebs-Patient und passender Spender zueinanderfinden.

Nach Informationen der DKMS kommt es bei höchstens fünf von hundert potenziellen Spender innerhalb der nächsten zehn Jahre tatsächlich zu einer Stammzellenspende. Für junge Spender beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa ein Prozent, innerhalb des ersten Jahres zum Spender zu werden.

Wenn die Gewebemerkmale tatsächlich zu einem Patienten passen, erhält der mögliche Spender zunächst einen Gesundheitsfragebogen. Kommen keine Ausschlusskriterien für die Spende zum Vorschein, schließt sich die sogenannte Bestätigungstypisierung an. Diesmal bekommt das Labor eine Blutprobe, anhand derer es die Gewebemerkmale nochmals analysiert und auf bestimmte Infektionserreger wie HIV- oder Hepatitisviren prüft. Anhand der Ergebnisse lässt sich festlegen, ob ein Spender tatsächlich der zu hundert Prozent Richtige für einen bestimmten Patienten ist.

Ist das der Fall, ist der nächste Schritt die Stammzellenspende. Dafür gibt es zwei Methoden, für die sich die Ärzte je nach Situation des Patienten entscheiden können. In etwa 80 Prozent der Fälle kommt die periphere Methode zum Einsatz, bei der die Stammzellen der Blutbahn entnommen werden. Um die Anzahl der Stammzellen im fließenden Blut zu erhöhen, verabreicht sich der Spender über fünf Tage hinweg einen Wachstumsfaktor, einen hormonähnlichen Stoff, den der Körper bei Infektionen auch selbst ausschüttet. Er bewirkt, dass der Organismus vermehrt Stammzellen produziert und ins fließende Blut ausschwemmt. Die Spende dauert vier bis acht Stunden an ein bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Es ist keine Operation notwendig.

Die zweite Methode ist die Knochenmarkspende. Dabei entnehmen Ärzte mit einer Punktionsnadel dem Spender unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm. Dafür genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens. Die dabei entstehenden Wunden sind so klein, dass sie oft überhaupt nicht genäht werden müssen. Die Entnahme dauert etwa 60 Minuten. Bei der Knochenmarkspende beschränkt sich das Risiko im Wesentlichen auf die Narkose. Innerhalb von zwei Wochen bildet sich das entnommene Knochenmark - etwa ein Liter - wieder vollständig nach. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert in der Regel drei Tage.

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Nico Schwappacher

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Veröffentlicht am:
05. 02. 2019
19:08 Uhr

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Nico Schwappacher

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05. 02. 2019
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