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Selb

Acht Grundsätze für die Zukunft

Landesbischof Bedford-Strohm stellt in Selb seine Leitlinien für die evangelische Kirche vor. Er diskutiert ausgiebig mit den Pfarrern und Gemeindevertretern



Der Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Mitte) spricht vor der Dekanatssynode. Das Präsidium der Dekanatssynode lauscht aufmerksam (von links): Präsidentin Karin Prell, der stellvertretende Dekan Markus Rausch, Vizepräsident Dr. Hermann Kunze und Dekan Dr. Volker Pröbstl. Foto: Jürgen Henkel
Der Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Mitte) spricht vor der Dekanatssynode. Das Präsidium der Dekanatssynode lauscht aufmerksam (von links): Präsidentin Karin Prell, der stellvertretende Dekan Markus Rausch, Vizepräsident Dr. Hermann Kunze und Dekan Dr. Volker Pröbstl. Foto: Jürgen Henkel  

Selb - Mit acht Leitlinien will der evangelische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Heinrich Bedford-Strohm, seine Kirche zukunftsfähig machen. Das Kirchenoberhaupt der rund 2,5 Millionen Lutheraner in Bayern präsentierte seine Zukunftsvision der Kirche bei der Herbstsynode des Dekanats Selb und kam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern sowie den Gemeindevertretern ausgiebig ins Gespräch.

Für Bedford-Strohm ist das Festhalten am Bekenntnis zum dreieinigen Gott, der in Christus Mensch geworden ist, unverzichtbare Grundlage des Glaubens der Kirche. "Es ist wichtig, dass wir selber immer wieder neu Zugang finden zur Tiefe des eigenen Glaubens und dass wir immer ausgehen vom Kern unseres Bekenntnisses." Dieses Bekenntnis zu Gott als Schöpfer, der in Jesus Christus Mensch geworden sei, beinhalte immer auch ethische Konsequenzen.

Der Landesbischof warnte vor "falschen Alternativen" in der Kirche: "Es gibt keinen Gegensatz zwischen Gesellschaftskirche und Bekenntniskirche. Die Kirche darf sich niemals so sehr auf die Welt einlassen, dass das christliche Profil nicht mehr sichtbar wird, aber auch nicht so leben, dass ihr die Welt egal ist. Die Kirche muss immer in die Welt hineinwirken und Kirche für andere sein, wie es Dietrich Bonhoeffer formulierte." Dies bedeute auch, Jesu Liebe zu den Menschen selbst aufzunehmen. "Radikale Christusliebe heißt radikale Liebe zur Welt. Das ist uns als Kirche aufgegeben. Das heißt auch, alle Menschen radikal anzunehmen, unabhängig von religiösen und weltanschaulichen Hintergründen."

Die Kirche müsse dazu auch ökumenisch ausgerichtet sein. "Das Reformationsjubiläum hat uns geholfen, mit Martin Luther gemeinsam Jesus Christus neu zu entdecken. Und das geht gar nicht anders als ökumenisch. Glaube lebt ja von der Beziehung zu Christus, unserem Herrn, und das ist kein katholischer, evangelischer oder orthodoxer Jesus Christus, sondern der eine Herr. Zum ersten Mal seit 500 Jahren war ein solches Reformationsjubiläum nicht abgrenzend ausgerichtet. Ziel muss es sein, den Konfessionalismus hinter sich zu lassen."

Zu den acht Leitlinien zählt Bedford-Strohm "die klare Orientierung der Kirche in allen ihren Ebenen an ihrem Inhalt, dem Bekenntnis zu Christus", die "Stärkung der Frömmigkeit und eine neue Liebe zum Gottesdienst", den Anspruch "öffentliche Kirche in der Zivilgesellschaft und Anwalt der Schwachen zu sein". Desweiteren plädiert der EKD-Chef für "die beherzte Nutzung der staatskirchenrechtlichen Möglichkeiten der Weitergabe des Evangeliums etwa durch den Religionsunterricht", die "konsequente Ausrichtung der kirchlichen Strukturen am Kriterium der Menschennähe", die "Überwindung der Milieuhaftigkeit" und auch der "konfessionellen Gegensätze". All diese Leitlinien fasst Bedford-Strohm in das Ziel, "authentische Kirche zu sein", die achte Leitlinie. Damit diese Ziele erreicht werden könnten, sei es wichtig, dass die Kirche die Liebe Jesu Christi ausstrahle. "Es braucht ehrliche Begeisterung an der eigenen Sache."

Besonders wichtig sei für die Zukunft, eigene Gemeindeglieder wie Fernstehende zu erreichen. "Die Punkerin muss im Gottesdienst genauso willkommen sein wie der Germanistikprofessor oder der Handwerker. Die Armen müssen wenigstens in der Kirche teilhaben können, anstatt nur Objekte der Betreuung empathischer Bildungsbürger zu sein, die die Lebenswelt, die Musik oder die bevorzugten Fernsehprogramme der Armen eigentlich verachten und sie deswegen von der Lebenswelt der Kirche fernhalten." Im Anschluss an seinen Vortrag diskutierte Bedford-Strohm mit den Pfarrern und Gemeindevertretern in mehreren Arbeitskreisen.

Dekan Dr. Volker Pröbstl dankte Landesbischof Bedford-Strohm für seinen Besuch in Selb. "Dass der Landesbischof uns besucht, ermutigt und stärkt uns gleichermaßen." Pröbstl unterstrich die Botschaft des Landesbischofs mit den Worten: "Gott hat uns geschaffen, und in Jesus Christus können wir Gutes bewirken in der Welt."

Zum Reformationsjubiläum hielt der Dekan fest: "Martin Luther und Philipp Melanchthon schauen von oben herunter und erinnern uns daran, dass Gott seine Liebe voraussetzungslos schenkt." Pröbstl überreichte Bedford-Strohm als Dankeschön für seinen Besuch unter anderem ein Umhängekreuz aus Porzellan.

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Jürgen Henkel
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2017
18:18 Uhr

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Jürgen Henkel

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2017
18:18 Uhr



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