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Selb

Das Porzellanikon räumt den Tisch ab

Die Schau "Dick. Dünn. Fett. Mager" endet am Sonntag. Die Kuratoren führen ein letztes Mal durch die liebevoll arrangierte Sammlung.



Museumsdirektor Wilhelm Siemen ist zufrieden mit der Sonderschau "Dick. Dünn. Fett. Mager". Sie endet am morgigen Sonntag.	Foto: Florian Miedl
Museumsdirektor Wilhelm Siemen ist zufrieden mit der Sonderschau "Dick. Dünn. Fett. Mager". Sie endet am morgigen Sonntag. Foto: Florian Miedl  

Selb/Hohenberg - Am Dreikönigstag endet die Weihnachtszeit. Nicht nach kirchlicher Lehre, aber nach hiesiger Tradition. Da packt man die Weihnachts-Deko weg, schmeißt den Christbaum raus und entsagt spätestens nach dem Stärketrinken der Völlerei und allen Gelagen.

Da passt es, dass auch das Team vom Porzellanikon an diesem Tag den Tisch abräumt. Nach sechs Monaten endet die Sonderausstellung "Dick. Dünn. Fett. Mager.". Dem viel versprechenden Vierklang hat ein Trio geschmackvoll Raum gegeben: Petra Werner, Referatsleiterin für Kunst- und Kulturgeschichte des Porzellans, Kurator Thomas Miltschus und Assistentin Luisa Michael. In drei Bereichen haben sie Gästen gezeigt, wie facettenreich der gut gedeckte Tisch in drei Jahrhunderten Esskultur aussieht. Eine üppige Inszenierung machte Appetit auf Informationen satt. Und ein gehaltvolles Rahmenprogramm rundete die Schau ab.

Das wussten die Besucher zu schätzen, auch wenn die Zahlen in diesem Jahr den Erwartungen nicht gerecht wurden. "Der Sommer war schwierig", räumt Museumsdirektor Wilhelm Siemen ein. "Bei solch einem Wetter gehen die Menschen lieber ins Schwimmbad als ins Museum." Er zieht Parallelen zum Jahrhundertsommer 2003. Damals war eine Wanderausstellung über Versace und Rosenthal im Porzellanikon zu sehen, die mäßig besucht war - nach dem Ende der Hitzewelle aber Tausende Besucher an anderen Standorten anzog.

Dem Wetter haben selbst die engagiertesten Kuratoren nichts entgegenzusetzen. Wer die Sonderschau besucht hat, sei aber voll des Lobes gewesen. Vielleicht auch wegen der Liebe zum Detail beim Arrangieren der Exponate: Die Schau bereicherten etwa dem Original nachempfundene Schriftzüge bekannter Gaststätten, eine lebensgroße Wildsau und ein Berg Pizzakartons - alle von Hand behandelt, um sie schwer entflammbar zu machen und den Brandschutzauflagen zu genügen. "Aber all diese Investitionen in die Szenografie haben sich gelohnt", unterstreicht der Direktor.

Auch das Medienecho erfreute das Museumsteam: Von der Süddeutschen Zeitung bis zur Landlust hatten Blätter berichtet, auch Radio- und Fernsehsender. So habe ein breites Publikum von der Ausstellung erfahren, in der Region wie überregional. "Zwischen den Jahren sind viele Touristen zu uns gekommen", berichtet Pressesprecherin Sabine Reichel-Fröhlich. Dass viele Familien gekommen sind, könnte auch an den Mitmach-Stationen für Kinder liegen, die in diesem Jahr neu eingeführt wurden. Sie werden so gut angenommen, dass weitere folgen sollen, erklärt Wilhelm Siemen.

Gut angekommen seien auch die neuen Formate rund um die Ausstellung. Unter anderem hat das Porzellanikon am Standort Hohenberg ein Kulturcafé am Nachmittag angeboten, abendliche Treffen zum Schlemmen und Staunen unter dem Titel "Kulinarische Weltreise", ein Frühstück und auch der Katalog zur Schau waren dieses Mal speziell: Neben Informationen zu den Exponaten finden sich darin auch allerhand Rezepte, die die Esskulturen der vergangenen Jahrhunderte und unterschiedlicher Nationen dokumentieren.

Bei aller Liebe zum Detail beim Rahmenprogramm: Wissensdurst und Kulturhunger stillen - das sind die vornehmsten Aufgaben des Museums. "Wir wollen nicht zur Event-Location verkommen", betont deshalb auch Wilhelm Siemen. Vielmehr seien solche Extra-Veranstaltungen als besondere Angebote zu verstehen, die inhaltlich die Ausstellung ergänzten und abrundeten.

Nun wird die Sonderschau aufgelöst - die meisten Exponate bleiben aber vor Ort. Ein Großteil stammt sowieso aus dem eigenen Bestand. Viele Firmen haben außerdem ihre Leihgaben gestiftet und drücken so ihre Wertschätzung für das Porzellanikon aus. Eine Geste, die das Team erfreut hat; und die dabei hilft, den Bestand auszubauen. Immerhin gilt das Museum als eines der führenden Häuser im Bereich Porzellan, an das sich Interessierte, Wissenschaftler, Kunstschaffende und andere aus der ganzen Welt wenden.

Wie im echten Leben ist nach dem Bankett irgendwie auch vor dem Essen: Denn wenn die Tische nun abgeräumt werden, laufen die Vorbereitungen für die nächsten Ausstellungen schon auf Hochtouren. Vom 19. Januar an sind die Ergebnisse des 7. Internationalen Porzellanworkshops "Kahla kreativ" unter dem Titel "Tasting Tomorrow" zu sehen. Gezeigt werden experimentelle Arbeiten in Auseinandersetzung mit dem Thema Essen - vor dem Hintergrund des Bauhaus-Jubiläums 2019. Der Stil dieser Designschule bestimmt auch die Sonderschau "Reine Formsache", die am 9. März öffnet. Vom 6. April an erkundet Künstlerin Regine von Chossy das Spannungsfeld zwischen Kunst, Porzellan und Architektur. Und am 27. Juli zeigt "Stille Stars" Keramik in Film und Werbung.

 

Lesen Sie dazu auch:

- Bald ist der Ofen aus

- Schlemmerhalle verschwindet

 

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Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
04. 01. 2019
17:30 Uhr

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Tamara Pohl

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Veröffentlicht am:
04. 01. 2019
17:30 Uhr



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