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Selb

Dem Festival läuft die Zeit davon

Wie es mit dem Selber Kino weitergeht, steht noch immer nicht fest. Der Verein der Grenzland-Filmtage braucht aber schnell eine Entscheidung.



Das Selber Kino schließt Ende April. Eigentlich wollte der Stadtrat nächste Woche entscheiden, ob die Stadt das Kino übernimmt. Ob es dann schon zu einer Einigung kommt, ist ungewiss.	Fotos: Florian Miedl
Das Selber Kino schließt Ende April. Eigentlich wollte der Stadtrat nächste Woche entscheiden, ob die Stadt das Kino übernimmt. Ob es dann schon zu einer Einigung kommt, ist ungewiss. Fotos: Florian Miedl  

Selb - Eigentlich, sagt Dagmar Franke, sind die Selber Grenzland-Filmtage "sehr schön" gewesen. Aber vielleicht waren es für die Vorsitzende des ausrichtenden Vereins zur Förderung grenzüberschreitender Film- und Kinokultur und ihre Mitstreiter die letzten.

Wie berichtet, läuft im Selber Kino am 30. April die letzte Vorstellung. Inhaber Michael Thomas wollte das Haus eigentlich schon zum Jahreswechsel schließen. Nach längeren Gesprächen hatte er sich entschlossen, das Kino zumindest bis zu den Grenzland-Filmtagen offen zu lassen. Und er hat es der Stadt zum Kauf angeboten. Der Stadtrat hatte in seiner März-Sitzung keine Einigung gefunden. Knapp zusammengefasst ist es so: Zwar wollen alle Fraktionen das Kino erhalten, aber über das Wie gibt es unterschiedliche Meinungen. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und seine Fraktion der Aktiven Bürger wollen das Kino kaufen, umbauen, Personal einstellen und es in eine kommunale Einrichtung verwandeln. Die Fraktionen der Liste 1 mit CSU und Freien Wählern Selb sowie die SPD fürchten, dass die Stadt sich damit finanziell auf Dauer übernimmt. Und so hat der Stadtrat die Entscheidung auf den 25. April vertagt. Ob sie dann aber wirklich fällt, ist ungewiss.

Für das Team der Grenzland-Filmtage drängt aber die Zeit. "Wir brauchen eine Entscheidung", unterstreicht Dagmar Franke. "Für einen Plan B brauchen wir eine solide Grundlage. Wenn wir umziehen müssten, müssen wir klären, ob wir passende Räume finden, dafür genug Personal und Technik - und wir müssen die für uns sehr wichtigen Zuschüsse bis Ende Juni beantragen." Sollte sich der Stadtrat nun nicht entscheiden, fürchtet Dagmar Franke, dass der Verein nicht mehr genug Zeit haben wird, um neu zu planen: "Wir leben ja auch nicht alle in Selb, sondern sind in der ganzen Republik verstreut."

Der Verein wünscht sich, dass der Stadtrat dem Konzept der Aktiven Bürger zustimmt. "Die Lösung ,Kommunales Kino' (...) erscheint uns als beste Lösung", heißt es in seiner Stellungnahme. Denn: "Gerade im Nachgang zu den vergangenen Filmtagen ist uns bewusst geworden, dass das familiäre Flair der Grenzland-Filmtage in hohem Grad von der Spielstätte abhängt." Kurze Wege, die Nähe zur Innenstadt, die passende Technik machten das Selber Kino aus. "Und es gibt bereits kommunale Kinos", betont Dagmar Franke, "es gibt sogar einen Bundesverband."

In dem sind derzeit nach eigenen Angaben 140 Einrichtungen vertreten - kommunale, studentische und nicht-gewerbliche Kinos sowie filmkulturelle Initiativen.

Dagmar Franke sorgt sich, dass die Grenzland-Filmtage 2019 ausfallen könnten. "Ich befürchte, dass das Festival dann einschlafen könnte." Leider, so heißt es auch in der Stellungnahme des Vereins, erkenne man den Wert einer kulturellen Einrichtung erst, wenn sie nicht mehr da ist. "Deshalb halten wir den Erhalt des Kinos und die Umsetzung der neuen Ideen für dringend erforderlich."

Um den Fortbestand des Kinos generell sorgt sich Hans-Joachim Goller. Er ist im Kunstverein Hochfranken  aktiv und der ehemalige Kulturdezernent der Stadt Selb. Er sagt: "Je länger in Selb kein Kino verfügbar sein wird, umso mehr entfremden sich die Bürger davon, umso schwerer wird ein Neustart." Er plädiert für ein kommunales Kino. "Kultur wirft sicherlich bei Weitem nicht in allen Fällen Überschüsse ab. In kleineren Städten haben die Bürger aber auch Anspruch auf möglichst umfassende Versorgung mit kulturellen Angeboten. Dann ist die öffentliche Hand gefragt." Und Hans-Joachim Goller blickt nach München "Der neue bayerische Ministerpräsident Söder wird anlässlich der Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth in der Frankenpost zitiert mit den Worten: Man darf an der Kunst nicht sparen. Recht hat er! Auch bezüglich des Kinos in Selb."

Autor

Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
18. 04. 2018
16:26 Uhr

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18. 04. 2018
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