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Selb

Die Gewalt nimmt weiter zu

Nach 18 Monaten als Außenstellenleiter des "Weißen Rings" zieht Konrad Schmidling eine erste Bilanz: In 75 Fällen haben die Ehrenamtlichen Opfern geholfen.



In gut 90 Prozent der Fälle, mit denen sich der "Weiße Ring" befasst, geht es um häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
In gut 90 Prozent der Fälle, mit denen sich der "Weiße Ring" befasst, geht es um häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. Foto: Maurizio Gambarini/dpa   » zu den Bildern

Selb/Hof - "Die Zahl der gewalttätigen Auseinandersetzungen in den Familien nimmt zu." Dieses Fazit zieht Konrad Schmidling, seit 18 Monaten Außenstellenleiter Hof/Wunsiedel der Opferhilfsorganisation "Weißer Ring". Der Selber und seine beiden Mitstreiterinnen Heike Richter aus Kirchenlamitz und Alice Bachmann aus Hof legen eine ernüchternde Bilanz vor. Mit 75 Fällen waren sie seit dem 1. Juli 2017 befasst, haben den Opfern zugehört, Soforthilfe geleistet und die Menschen auf dem Weg zurück in ein sicheres Leben begleitet.

Kontakt

Erreichbar sind die drei Mitarbeiter telefonisch und per Mail:

Konrad Schmidling, Telefon 0151/55164751, Mail

wr.hofwunsiedel@yahoo.com;

Heike Richter, Telefon 01520/9977260 Mail: heikeri@yahoo.de;

Alice Bachmann, Telefon 0170/5907233, Mail alicebach@yahoo.de.

Das bundesweite Opfer-Telefon des Weißen Rings ist erreichbar unter der Nummer 116006. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.weisser-ring.de


Was für Schmidling besonders auffällig ist: In über 90 Prozent der Fälle geht es um sexuellen Missbrauch, häusliche Gewalt oder Vergewaltigung. Opfer sind nach seinen Worten in den allermeisten Fällen Frauen und Kinder. "Aber auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt", sagt der Außenstellenleiter. Reine Betrugs- oder Diebstahlsdelikte machen nur einen kleinen Teil der Arbeit aus.

Bei vielen Misshandlungen fehlen den drei ehrenamtlichen Helfern die Worte. "Es ist manchmal unerträglich, was Menschen anderen Menschen antun", sagt Schmidling. "Deswegen ist es an uns zu helfen. Wir leisten hier beachtliche Arbeit, immerhin bekommen die Opfer keine Hilfe vom Staat".

Das Wichtigste sei, den Opfern zuzuhören, sagt Heike Richter. "Wir haben ein offenes Ohr und bieten wenn nötig auch eine Schulter zum Ausweinen an." Das sei aber nur der erste Schritt: "Wir begleiten die Opfer auf ihrem Weg aus der für sie so unerträglichen Situation", erläutert Alice Bachmann. Denn für die meisten Opfer ist es eine große Hürde, sich bei der Polizei zu melden, sich mit dem Jugendamt oder Gerichten auseinanderzusetzen. Und auch der Gang zu einem Arzt, zu einer Beratungsstelle oder einem Psychologen falle vielen schwer. "Genau da können wir eine Hand reichen", macht Heike Richter deutlich. Denn eines stehe fest: Die Helfer des "Weißen Rings" begleiten die Opfer von Straftaten, "den Weg aber sollen und müssen sie selbst bestimmen".

Wer sich an den "Weißen Ring" kann auf konkrete Hilfe, auf absolute Verschwiegenheit und eine längerfristige Begleitung hoffen. Denn es bleibt natürlich nicht bei Telefonaten, vielmehr treffen sich Helfer mit den Hilfsbedürftigen, besprechen Möglichkeiten, loten Vorgehensweisen aus. Das reicht vom Besuch bei einem Arzt, Anzeigenerstattung bei der Polizei, Vermittlung von Ferienaufenthalten für Kinder oder schneller Überbrückungshilfe. "Wir dürfen die Menschen in ihrer Notsituation nicht alleinlassen. Sie müssen wissen: Da steht mir jemand zur Seite", sagt Heike Richter.

Bei seiner Arbeit setzt der "Weiße Ring" auch auf die Zusammenarbeit mit den Polizeidienststellen, den Ämtern und Gerichten, aber auch mit dem Selber Frauenhaus oder dem Frauennotruf Hof. Sie alle beziehen den "Weißen Ring" mit ein, geben oft den Opfern den entscheidenden Tipp. "Die Zusammenarbeit läuft wirklich sehr gut", konstatiert Schmidling. Für Heike Richter ist auch der "Runde Tisch" in Hof, bei dem Hilfsorganisationen und Behörden zusammenkommen, eine wichtige Sache.

Für ihre Aufgabe opfert das dreiköpfige Team viel Zeit, nicht nur im Gespräch, sondern auch in der Nachbearbeitung, denn zu jedem Fall wird ein Bericht geschrieben, der an die Zentrale in Mainz geht. Zudem lassen sich Schmidling, Bachmann und Richter regelmäßig weiterbilden, besuchen Seminare zu bestimmten Themen. "Cyberkriminalität, Mobbing oder Stalking sind hochaktuell.

Bei aller Belastung gibt es aber auch Erfolgsmomente. Alice Bachmann kann sich an den Dankesbrief einer Frau erinnern, die sich aus einer gewalttätigen Beziehung befreien konnte: "Das tut dann richtig gut."

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Andreas Godawa

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Veröffentlicht am:
28. 11. 2018
17:24 Uhr

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28. 11. 2018
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