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"Die Gipfel spielen keine Rolle mehr"

Selb - 2017, nach 26 Jahren, ist Bergsteigerlegende Hans Kammerlander zum 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal zurückgekehrt - jenem Berg, auf dem er seine schmerzvollste Tragödie



Interview: mit Bergsteiger Hans Kammerlander
Interview: mit Bergsteiger Hans Kammerlander  

Selb - 2017, nach 26 Jahren, ist Bergsteigerlegende Hans Kammerlander zum 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal zurückgekehrt - jenem Berg, auf dem er seine schmerzvollste Tragödie erlitt. Beim Versuch, den Gipfel zu besteigen, starben zwei seiner Bergsteigerkameraden. Er selbst überlebte das Desaster nur knapp. Am Montag, 18. November, um 19.30 Uhr berichtet Kammerlander im Rosenthal-Theater Selb in dem Multivisionsvortrag "Manaslu - der Geisterberg" von seinen Erlebnissen. Im Interview schildert er, was ihn bewegt und was das Publikum erwartet.

Tickets

Hans Kammerlander hat zwölf der 14 Achttausender bestiegen. Gemeinsam mit Reinhold Messner gelang ihm die erste Doppelüberschreitung an Achttausendern. Am Mount Everest versuchte er die erste komplette Skiabfahrt vom Gipfel, die ungünstige Wetterlage verhinderte eine vollständige Abfahrt. Weitere Infos unter www.kammerlander.com oder unter info@expeditionleben.com

Karten für die Multivisionsschau "Manaslu - der Geisterberg" von Hans Kammerlander am 18. November im Rosenthal-Theater, eine Veranstaltung der Reihe "50 Grad" von Holger König, gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet unter okticket.de.

 

 

 

Herr Kammerlander, wenn Sie am 18. November in Selb sind, woher kommen Sie: von daheim in Südtirol oder von einer Tour?

Ich bin im November und bis Anfang Dezember an verschiedenen Orten, um über meine Bergerlebnisse zu berichten, nachdem ich heuer bereits zweimal in Nepal war. Schwerpunkt meiner Themen ist natürlich der neuste Vortrag "Manaslu - der Geisterberg", der erst vor wenigen Tagen fertiggestellt wurde. Und ich versichere: Der geht in die Tiefe, zeigt meine herben Rückschläge, aber auch, dass ich stets nach vorne blicke.

 

Nach dem Kinofilm "Manaslu - Berg der Seelen", der 2017 gedreht wurde, gibt es nun den Multivisionsvortrag "Manaslu - der Geisterberg". Worin besteht der Unterschied?

Der Kinofilm wurde mit Schauspielern nach meiner Biografie gedreht, die brandaktuelle Multivisionsschau hingegen ist durch und durch live. Darin enthalten sind natürlich auch die besten Aufnahmen aus dem Film, aber auch Bilder von anderen Expeditionen sowie von einem meiner größten Erlebnisse: der Skiabfahrt vom Mount Everest. Der Manaslu hat mich am meisten gefordert, daher geht die Geschichte auch in die Tiefe. Der Vortrag zeigt gigantische Bilder, zudem möchte ich dem Publikum eine Botschaft vermitteln. Die Besucher sollen am Schluss sagen: Es hat sich gelohnt!

 

Was ist als nächstes geplant?

Ich verbringe Weihnachten und den Jahreswechsel in Nepal. Ich liebe dieses Land, und die Festtage sind dort weniger gekünstelt. Natürlich habe ich auch ein paar gemütliche Trekking-Touren vor.

 

Sie sind jetzt 62 Jahre alt. Wollen Sie ihrem Körper weiterhin Extreme zumuten, oder tritt auch ein Hans Kammerlander kürzer?

Natürlich trete ich kürzer. Ich lebte viele Jahre am Limit, als ich im alpinen Wettlauf aktiv war und ganz vorn mitmischte. Das musste sein, um nicht in die dritte Liga abzugleiten. Auch jetzt zieht es mich regelmäßig in die Welt hinaus, doch gehe ich es gemütlicher an. Ich besuche Länder und Regionen, in denen ich noch nie war. Die Berge spielen dabei zwar meist eine Rolle, aber nicht mehr die Gipfel. Mit Freunden habe ich in Nepal mehrere Hilfsprojekte laufen und mithilfe von Benefizveranstaltungen und Spenden unter anderem sechs Schulen gegründet. Ich möchte damit etwas an dieses Land zurückgeben. Die Schulen besuche ich abwechselnd - und wenn ich dann wieder gehe, habe ich ein besseres Gefühl als nach der Besteigung aller Achttausender zusammen.

 

Was war das für ein Gefühl, als Sie 2017 wieder zu Ihrem Schicksalsberg kamen, der mit schlimmen Erinnerungen und vielen Emotionen verknüpft ist?

Die Zeit heilt tatsächlich Wunden. Ich war nicht 2017 erstmals wieder am Manaslu, sondern habe ihn bereits vorher mit einer Trekking-Gruppe umrundet. Ich wollte aber unbedingt noch einmal auf den Berg, denn das Verdrängen von schlimmen Ereignissen ist für mich keine Lösung. In meinem Leben gab es viele Schicksalsschläge, trotzdem ging es immer weiter. Also habe ich mich entschlossen, auch mit dem Manaslu abzuschließen. Ich habe gemerkt: Es tut gut! Und genau die Botschaft, dass es immer weiter geht, man immer nach vorne schauen und nicht jammern sollte, möchte ich weitergeben. Irgendwann werde ich noch einmal allein zum Manaslu gehen, es zieht mich zu meinen dort verunglückten Freunden. Zudem habe ich von den Nepalesen gelernt, mit Schicksalsschlägen umzugehen.

 

Was macht Hans Kammerlander, wenn er nicht gerade ein neues Projekt verfolgt?

Ich biete gemeinsam mit Bergführerkollegen in meiner Heimat Südtirol ein abwechslungsreiches Programm - von Genuss-Wanderwochen bis zu Weitwanderungen. Es ist für jeden etwas dabei, vom normalen Bergwanderer bis zum sportlich ambitionierten Trekker. Bei den Touren lasse ich den Teilnehmern Zeit für schöne Aufnahmen sowie für intensive Gespräche und erzähle ihnen meine Berggeschichten. Leistung zählt dabei nicht. Bergführer war einst mein Traumberuf, jetzt kann ich ihn ausüben.

 

Sie haben vor vielen Jahren bereits einmal einen Vortrag in Selb gehalten. Erinnern Sie sich noch daran?

Ja, ich erinnere mich an Selb und das schöne Fichtelgebirge und weiß, dass ich dort auf ein bergbegeistertes Publikum treffe. Zu meinem Team, das nach Selb kommt, gehört übrigens auch der Bruder von Friedl Mutschlechner, der damals am Manaslu ums Leben kam.

 

Die Selber zieht es reihenweise im Urlaub nach Südtirol. Was legen Sie ihnen ans Herz?

Die einmalig schönen Dolomiten, die ich heute mit ganz anderen Augen sehe. Manchmal frage ich mich, warum es mich zu anderen Bergen zieht, wo ich doch die schönsten vor der Nase habe.

 

Haben Sie noch Kontakt mit Reinhold Messner, mit dem Sie früher viel Extremes unternommen haben?

Kontakt, ja. Er hat mich seinerzeit eingeladen, mit ihm zu gehen. Er war quasi mein Lehrmeister und ein entscheidender Mensch in meinem Leben. Durch ihn geriet ich in den alpinen Wettstreit. Reinhold Messner hat inzwischen das Bergsteigen aufgegeben, ich hingegen mache - gemütlicher - weiter.

 

Das Interview führte Gisela König

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Gisela König

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Veröffentlicht am:
07. 11. 2019
16:50 Uhr

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07. 11. 2019
16:50 Uhr



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