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Selb

Ein Stadtteil im Wandel

Auf dem Selber Vorwerk steht bis in die 50er-Jahre nur ein Gutshof. Mit dem Wirtschaftswachstum lässt die Stadt über 1000 Wohnungen bauen. Viele verändern ihr Gesicht.



Dieser alte Gutshof war bis in die 50er-Jahre hinein das einzige Gebäude auf dem Selber Vorwerk. Foto: Archiv Gerhard Bock
Dieser alte Gutshof war bis in die 50er-Jahre hinein das einzige Gebäude auf dem Selber Vorwerk. Foto: Archiv Gerhard Bock   » zu den Bildern

Selb - Ein Wirtshaus gab es schon lange auf dem Selber Vorwerk - aber sonst nichts. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg stand im Süden von Selb ein relativ einsames Gehöft mit Gaststätte - etwa in Höhe der renovierten Wohnanlagen des "SelbWerks" an der Vorwerkstraße. Und das Gebiet hieß ausführlich "Vorwerk an der Lausen". Bekanntlich entspringt der Lausenbach südlich des heutigen Stadtrandes, fließt durch den Wunsiedler Weiher und den Hammerwald zur Eger.

Und so wie heute für den Wanderer die Lausen eher das idyllische Tal ist als der Bach, so ist das Vorwerk eben nicht mehr die allgemeine Bezeichnung für eine Siedlung außerhalb größerer Orte, sondern im Selber Sprachgebrauch das große Stadtviertel im Süden, in dem unter anderem die Eishockeyspieler und ihre Fans zu Hause sind. Das Eisstadion war allerdings beileibe nicht die einzige Einrichtung, die jedermann nutzen konnte. Mit den ersten großen Häusern, die in den 50er-Jahren gebaut wurden, entstand auch eine Infrastruktur, die bis heute das Stadtviertel prägt.

Mit dem Wirtschaftswachstum und dem Zuzug von Gastarbeitern war die Stadt genötigt, rasch neuen Wohnraum zu schaffen. Zwischen 1954 und 1970 fanden über 1000 Bewohner ein neues Heim. Heimatforscher Gerhard Bock hat herausgefunden, dass die ersten Häuser am Beginn der Robert-Koch-Straße, am Egerer Platz und südlich des heutigen Anwesens Fröber entstanden sind. Rasch wuchs auch die Infrastruktur - von Gaststätten und Lebensmittelläden über einen Friseursalon bis zur Postfiliale. Doch so rasch sich die neuen Häuser füllten, so rasch sollten sie sich gegen Ende des Jahrhunderts wieder leeren. Nach dem Zusammenbruch der Porzellanindustrie ging es darum, die Wohnsituation innerhalb weniger Jahre völlig neu zu strukturieren.

Im Gegensatz zu Selb-Ost, wo es kaum Geschäfte und Gaststätten gab, wollten Stadt und Gewog im Vorwerk angesichts der guten Infrastruktur eine andere Strategie bei der Sanierung fahren. Natürlich fielen auch hier einige überflüssige große Wohnblöcke der Abrissbirne zum Opfer, etwa an der Röntgenstraße.

Etliche andere musste die Gewog, heute "SelbWerk", verkaufen, um Geld für Investitionen zu erhalten. Das Motto auf dem Vorwerk hieß: Vor allem "systematisch modernisieren und Ersatzbauten schaffen", so Helmut Resch, der Geschäftsführer der Gesellschaft.

Die Infrastruktur blieb zum Großteil gut. Wo früher die Post war, findet sich beispielsweise heute eine Arztpraxis. Es gibt noch die Filiale eines Metzgers. Einkehren kann man zumindest noch beim VER, und der Neukauf, der nur noch im Volksmund heute so heißt, liegt ebenfalls in der Nähe. "Deshalb ist das Vorwerk ideal für ein Publikum, das nicht so mobil ist, also vorwiegend für Senioren", sagt Helmut Resch.

Dem wurde sein Unternehmen gerecht. Während, wie berichtet, im Selber Osten mehr Platz für Einfamilienhäuser geschaffen wurde, galt es im Vorwerk bewusst zu sanieren. "Heute sind ein Drittel der Wohnungen barrierefrei, haben beispielsweise bodengleiche Duschen und natürlich Aufzüge", berichtet Helmut Resch. Im vergangenen Jahr hat das "SelbWerk" sein Sanierungsprogramm abgeschlossen, und das letzte Projekt ging im Vorwerk über die Bühne - mit der Sanierung der Häuser Vorwerkstraße 46 und 48. Und wenn Helmut Resch heute aus dem Fenster seines Büros blickt, das mitten in diesem Stadtviertel steht, dann kann er nicht ganz ohne Stolz angesichts zahlreicher sanierter Häuser feststellen: Selb hat auch den zweiten Wandel bewältigt. Der Geschäftsführer räumt allerdings ein: "Das hat ganz schön Kraft gekostet."

Autor

Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
16:50 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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08. 05. 2019
16:50 Uhr



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