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Selb

Bahnlinie

Freude über die erste Etappe

Den Lückenschluss der Bahnlinie von Selb nach As fordern Befürworter schon seit 1990. Heute feiern sie den Erfolg. Doch es gibt noch ein Ziel.



Sie freuen sich über den Lückenschluss der Bahnstrecke zwischen Selb und As (Asch), an der noch kräftig gebaut wird: (von links) Fritz Sell, Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz, Nanne Wienands, während der Wendezeit im Bund Naturschutz (BN) aktiv, Michael Pelz, Vorsitzender des Modell- und Eisenbahnclubs Selb-Rehau, Udo Benker-Wienands, während der Wendezeit Hofer BN-Kreisvorsitzender, und Ernst Egelkraut, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbands "Pro Bahn". Foto: Tamara Pohl
Sie freuen sich über den Lückenschluss der Bahnstrecke zwischen Selb und As (Asch), an der noch kräftig gebaut wird: (von links) Fritz Sell, Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz, Nanne Wienands, während der Wendezeit im Bund Naturschutz (BN) aktiv, Michael Pelz, Vorsitzender des Modell- und Eisenbahnclubs Selb-Rehau, Udo Benker-Wienands, während der Wendezeit Hofer BN-Kreisvorsitzender, und Ernst Egelkraut, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbands "Pro Bahn". Foto: Tamara Pohl  

Selb - Das Jahr 1990 war ein bewegtes. Deutschland vereinte sich, der Kalte Krieg endete und die Grenze zur damaligen Tschechoslowakei wurde durchlässiger. Es war auch das Jahr, als Politiker und Engagierte begannen, die Verkehrswege im Herzen Europas zu überdenken.

Der frühere Rehauer Bürgermeister Edgar Pöpel war so einer. Er drängte den damaligen Bundesbahnpräsidenten, den Personenzugverkehr zwischen Hof und Cheb (Eger) über Selb-Plößberg wieder aufzunehmen. Umweltverbände und vornehmlich tschechische Kommunalpolitiker applaudierten - die Bahn aber wollte nicht mitspielen. "Die hatte entschieden, dass sich der Verkehr nicht rentiert", erinnert sich Fritz Sell, Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz. "Heute bestellen und bezahlen die Länder den Personenverkehr auf der Schiene. Damals gab's dieses Prinzip nicht."

Und doch drängten viele vor 25 Jahren darauf, die Strecke zwischen Selb-Plößberg und Asch wieder für den Personenverkehr zuzulassen. Darunter auch Nanne Wienands und Udo Benker-Wienands, der seinerzeit BN-Kreisvorsitzender für Hof war und heute als Vorsitzender der Ökologischen Bildungsstätte Hohenberg Umweltschutz betreibt. "Der Personenverkehr lief damals über Schirnding, wir wollten, dass er wieder über Selb-Plößberg führt." Auch Ernst Egelkraut, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbands "Pro Bahn", war so ein früher Befürworter. Und Michael Pelz, Vorsitzender des Modell- und Eisenbahnclubs Selb-Rehau, schloss sich bald der Idee an. "Bis 31. Mai 1995 ist die Strecke ja noch für den Güterverkehr genutzt worden", erinnert Michael Pelz. Danach folgten 20 Jahre Stillstand am Gleis; die Trasse wurde sogar vom Bau der Erkersreuther Umgehungsstraße durchbrochen. Viele sahen das als Zeichen, dass die Bahnlinie wohl nie reaktiviert würde - wird sie aber. Im Dezember sollen die ersten Züge fahren, deshalb entstehen jetzt Brücken über die Umgehungsstraße. "Die Tschechen waren vorausschauender", lobt Michael Pelz, "die haben beim Bau der Ascher Umgehungsstraße den Trassenverlauf berücksichtigt."

An so einer Baustelle bei Selb-Plößberg standen die Befürworter der ersten Stunde dieser Tage und freuten sich einfach. Dicke Bretter haben sie und viele Mitstreiter gebohrt, es hat sich gelohnt. Mit dem Lückenschluss wird auch eine historische Strecke neu belebt. Michael Pelz deutet auf einen Stein neben der Brückenbaustelle: "Königlich Bayerische Eisenbahngesellschaft" steht darauf. Die hat nämlich die Strecke 1865 für den Gütertransport in Betrieb genommen, um den Bedarf der Hofer Textil- und der Selber Porzellanindustrie an böhmischen Kohlen zu decken - vor genau 150 Jahren also.

Ab Dezember könnten wieder Güter auf der Strecke transportiert werden. Und wenn es nach der Initiative Höllennetz geht, sogar noch weiter: Die fordert nämlich einen zweiten Lückenschluss als Ergänzung zum Selb-Plößberger, und zwar zwischen Marxgrün und Blankenstein. Fritz Sell erklärt, warum: "Im Moment laden Lastwagen am Ascher Holzlagerplatz Baumstämme auf, und bringen jährlich 100 000 Tonnen davon nach Blankenstein." Dort im Thüringer Wald gibt es eine große holzverarbeitende Industrie. "Das bedeutet, dass entweder jährlich 10 000 Lastwagen auf der Straße - vom Grenzübergang Selb auch durch Hof - unterwegs sind. Oder dass auf der reaktivierten Strecke im Jahr 100 Güterzüge fahren." Er zeigt auf einen Lastwagen, der unter der Brückenbaustelle durchfährt: "Der fährt Holz nach Thüringen. Dabei könnte das auch auf der Schiene laufen - von Asch über Selb-Plößberg, Hof und Naila auf einem Stück neuer Höllentalbahn bis Blankenstein." Fritz Sell weiß, dass viele den Lärm von Güterzügen fürchten, verweist aber auf die neue Technik: "Die sind heute viel leiser als früher, und es würde höchstens einer am Tag fahren."

Im Selb-Plößberger Lückenschluss sehen er und seine Mitstreiter einen ersten Schritt. "So richtig ein Schuh draus wird aber erst, wenn die Höllentalbahn reaktiviert wird." Auch dieser Abschnitt ist nach dem Zweiten Weltkrieg ein Opfer des Kalten Krieges geworden, in diesem Fall der deutschen Teilung. Jetzt, 25 Jahre später, findet Fritz Sell, dass diese Lücke im Verkehrsnetz nach Thüringen wieder geschlossen werden sollte.

"Bis zum Lückenschluss Selb-Asch hat's schon 25 Jahre gedauert", erinnert sich Udo Benker-Wienands, "hoffentlich dauert es bis zum Lückenschluss der Höllentalbahn nicht nochmal 25." Aber jetzt gelte es erst einmal zu feiern. An der Jungfernfahrt im Dezember wollen die Männer und Frauen der ersten Stunde natürlich teilnehmen. "Vielleicht", sagt Michael Pelz, "legen wir als Verein auch eine Erinnerungstasse an diesen Tag auf."

Heute heißt es erst einmal zu feiern.

Udo Benker-Wienands

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Von Tamara Pohl
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Veröffentlicht am:
29. 09. 2015
00:00 Uhr

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29. 09. 2015
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