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Selb

Metaller legen die Arbeit nieder

Bei der Selber Firma Netzsch-Feinmahltechnik treten die Arbeitnehmer in den Ausstand. Sie machen Druck in der Tarifrunde.



23 Mitarbeiter haben sich in der Sedanstraße versammelt, um den Forderungen der IG Metall Nachdruck zu verleihen. Foto: Florian Miedl
23 Mitarbeiter haben sich in der Sedanstraße versammelt, um den Forderungen der IG Metall Nachdruck zu verleihen. Foto: Florian Miedl  

Selb - 23 Mitarbeiter der Feinmahltechnik von Netzsch in Selb haben sich am Freitagmittag um 11.30 Uhr an der Warnstreikwelle zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie in Bayern beteiligt. "Es könnten heute viel mehr Mitarbeiter hier sein, wenn nicht subtil Druck auf sie ausgeübt worden wäre", sagte Christine Feig-Kirschneck. Sie ist Mitglied im Vertrauenskörper der IG Metall bei dem Maschinenbau-Unternehmen. Nach ihren Worten habe die Personalleitung die Streikenden in Listen erfasst und der Geschäftsführung gemeldet - zum ersten Mal. "Das wäre eigentlich nicht nötig, weil die Kollegen sowieso ausstempeln, ehe sie vors Tor gehen." Schon am Montag hätten Vorgesetzte Mitarbeiter darüber informiert, dass sie erfasst würden, wenn sie streiken. Das neue Vorgehen habe manchen Kollegen eingeschüchtert. "Dabei ist Streik ein Grundrecht", betonte Christine Feig-Kirschneck.

Dennoch haben 23 Mitarbeiter eine Stunde lang die Arbeit niedergelegt, um gemeinsam mit Gewerkschaftssekretär Stefan Winnerlein den Forderungen der IG Metall Nachdruck zu verleihen: Sechs Prozent mehr Geld sollen Beschäftigte in Zukunft bekommen. "Bei Netzsch herrscht ein Auftrags-Tsunami, das ist der O-Ton der Geschäftsleitung", sagte Feig-Kirschneck. Es sei klar, dass nicht nur die Gesellschafter und die Eigentümer, sondern auch die Arbeitnehmer daran Anteil haben möchten. "Die Beschäftigten sind diejenigen, die die Gewinne überhaupt erst ermöglichen", ergänzte Gewerkschaftssekretär Winnerlein. Zwei Prozent mehr Geld für 15 Monate und eine Einmalzahlung von 200 Euro lautet der aktuelle Vorschlag der Arbeitgeber. "Das ist kein Angebot sondern Provokation", sagte Winnerlein.

Neben der Erhöhung der Entgelte fordert die IG Metall, dass Arbeitnehmer bei Bedarf kürzertreten und ihre Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang auf wöchentlich bis zu 28 Stunden reduzieren können. So sollen sich Arbeitnehmer flexibel an ihre Lebensumstände anpassen können. "Danach soll jeder auf seine alte Arbeitszeit zurückkehren können, statt in der Teilzeit hängenzubleiben", sagte Winnerlein. Laut Christine Feig-Kirschneck sei diese Forderung besonders für junge Frauen mit Kinderwunsch wichtig. "Gleichzeitig muss es für sie möglich sein, im Anschluss wieder Geld für eine vernünftige Rente zu verdienen."

Arbeitnehmer, die gesundheitlich angeschlagen sind, Kinder unter 14 Jahren betreuen oder ein Familienmitglied pflegen, sollen im Monat mit einem Entgeltzuschuss von 200 Euro unterstützt werden. So sollen sich auch Beschäftigte in niedrigeren Gehaltsklassen eine Arbeitszeitverkürzung leisten können.

Mit Arbeitsniederlegungen hätten Gewerkschaften schon ähnliche Forderungen wie die Altersteilzeit, 30 Urlaubstage, den bezahlten Urlaub oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durchgesetzt, die nun fest im Gesetz verankert sind. Dass man jetzt etwas für die jüngere Generation tut, sei laut Feig-Kirschneck nur eine logische Konsequenz. Die Teilzeitforderung sei wegweisend. Dennoch werde es schwer, die Forderungen durchzusetzen. "Wir müssen uns auf sehr harte Verhandlungsrunden einstellen."

Bei den beiden Tarifverhandlungen im vergangenen Jahr haben sich die Arbeitgeber den Forderungen verweigert. Die dritte Verhandlung in Bayern findet am Montag in Nürnberg statt. Auf den 24. Januar ist wenn nötig das vierte und letzte Treffen am Verhandlungstisch terminiert. Sollte auch dieses nicht zielführend sein, werden Beschäftigte 24-Stunden-Warnstreiks durchführen und die Produktion komplett lahmlegen.

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Katharina Melzner
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Veröffentlicht am:
12. 01. 2018
18:48 Uhr

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Katharina Melzner

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12. 01. 2018
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